. .
Film, Kino, DVD
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
28. September 2009, 18:55 Uhr

Polanski schockiert, aber kampfeslustig

Der in der Schweiz verhaftete Regisseur Roman Polanski will eine Auslieferung in die USA mit aller Macht verhindern. Beistand bekommt der Star-Regisseur nicht nur von Kollegen aus aller Welt, sondern auch von höchster politischer Ebene.

Polanski, Roman, Auslieferung, USA, Zürich

Eingeholt von der Vergangenheit: Roman Polanski sitzt in der Schweiz in Auslieferungshaft© Roberto Pfeil/AP

Nach seiner überraschenden Festnahme in der Schweiz will sich Star-Regisseur Roman Polanski gegen eine Auslieferung in die USA wehren. Seine Anwälte kündigten am Montag eine Haftbeschwerde an und forderten die Freilassung des 76-Jährigen. Polanski sei "schockiert, (...) aber in Kampfstimmung", sagte sein Anwalt Hervé Témime in Paris. Dem Regisseur könnte aufgrund eines US-Verfahrens wegen sexuellen Missbrauchs einer 13-Jährigen im Jahr 1977 eine mehrere Monate lange Auslieferungshaft drohen.

Polanskis Festnahme schlug auch international hohe Wellen. Die Außenminister von Polen und Frankreich, Radek Sikorski und Bernard Kouchner, forderten in einem Schreiben an ihre US-Kollegin Hillary Clinton Gnade für Polanski. Sie appellierten an die Regierung in Bern, den Regisseur gegen Kaution freizulassen. Ein Sprecher des Schweizer Justizministeriums erklärte am Montag, eine Haftentlassung gegen Kaution sei "nicht ganz ausgeschlossen", aber an sehr strenge Voraussetzungen geknüpft. Die Regierung in Bern verteidigte die Festnahme Polanskis. Die Schweiz habe aufgrund von Vereinbarungen mit den USA gar nicht anders handeln können, erklärte Wirtschaftsministerin Doris Leuthard.

Staatsanwaltschaft von L.A. macht ernst

Die Staatsanwaltschaft von Los Angeles will die Auslieferung Polanskis beantragen. "Wir werden ein Auslieferungsgesuch vorbereiten", teilte eine Sprecherin in der Hollywood-Metropole mit. Dieses werde dann dem Justiz- und dem Außenministerium in Washington übermittelt - "und dann geht es seinen diplomatischen Weg".

Polanski kann gegen seine Verhaftung und eine mögliche Auslieferungsentscheidung gerichtlich vorgehen. Die USA haben 60 Tage Zeit, um ein formelles Auslieferungsgesuch nachzureichen. Sollte das schweizerische Justizministerium dem US-Antrag stattgeben, könnte Polanski dagegen noch in mehreren Instanzen klagen. Die einzige Möglichkeit, das Verfahren zu beschleunigen, wäre die Zustimmung Polanskis zu einer formlosen Auslieferung in die USA. Ein vergleichbarer Fall um die Auslieferung des früheren russischen Atomenergieministers Jewgeni Adamow vor vier Jahren zog sich sieben Monate hin.

Der Regisseur war am Samstag während des Besuch eines Filmfestivals in Zürich, wo er für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden sollte, aufgrund eines US-Haftbefehls festgenommen worden. Polanski verbrachte seine Jugend in Polen, wo er mit einer Flucht aus dem jüdischen Ghetto in Krakau die Terrorherrschaft der Nationalsozialisten überlebte. Seine Mutter wurde in Auschwitz umgebracht. In den vergangenen drei Jahrzehnten lebte Polanski in Frankreich. Er hat die französische Staatsbürgerschaft.

"Den Löwen vorgeworfen"

Kouchner sprach von einer "düsteren Geschichte". Es sei etwas erstaunlich, dass Polanski der Einladung eines Schweizer Filmfestivals folge und bei seiner Ankunft - mehr als 30 Jahre nach der Tat - die offenbar von irgendjemandem informierte Polizei auf ihn warte. "Das ist alles nicht sehr hübsch", sagte Kouchner dem französischen Radiosender France-Inter. Der französische Kulturminister Frédéric Mitterand sagte, Polanski sei "den Löwen vorgeworfen" worden. Damit habe sich Amerika von seiner furchterregenden Seite gezeigt. Zahlreiche Schauspieler, darunter etwa Costas Gawras oder Monica Bellucci, verurteilten die Festnahme Polanskis in einer Petition. Auch der polnische, Oscar-prämierte Regisseur Andrzej Wajda forderte zusammen mit zahlreichen Kollegen die Freilassung Polanskis.

Die Verhaftung Polanskis in der Schweiz verwundert auch deshalb, weil der Regisseur ein Ferienhaus im Wintersportort Gstaad im Berner Oberland besaß, das er regelmäßig besuchte. Besonders die Grünen im Parlament sowie Künstlerkreise kritisieren das Vorgehen der Schweizer Behörden. Dagegen hatte die Schweizer Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf die Rechtsstaatlichkeit des Vorgehens unterstrichen. Sie verstehe auch nicht, dass Künstler, die sonst immer die Moral sehr hochhielten, in diesem Fall anders reagierten, sagte sie.

Die USA fahnden seit Ende 2005 weltweit nach Polanski. Er war im Februar 1978 aus den Vereinigten Staaten geflohen. Dort war ein Prozess gegen ihn anhängig, nachdem er 1977 den sexuellen Missbrauch eines 13-jährigen Mädchens gestanden hatte. Polanski flüchtete, nachdem der Richter ihn mit einer höheren Gefängnisstrafe bedroht hatte als vereinbart. Im Mai dieses Jahres wies ein US-Richter den Antrag Polanskis ab, den Missbrauchsprozess einzustellen. Das damalige Opfer, Samantha Geimer, hat seit Langem ein Ende des Verfahrens gegen Polanski gefordert. Sie hat ihn zivilrechtlich verklagt und eine Entschädigung in unbekannter Höhe erhalten.

AP/AFP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 56)
 
elllen (29.09.2009, 21:33 Uhr)
bei aller Sympathie...
handelt es sich nunmal um ein Verbrechen (und letztlich ein Glück, das man es als Verbrechen einstuft...). Soweit ich laß, um eines, das Polanski sogar zugegeben hat. Nun denn, wieso sollte er von der Rechtssprechung verschont bleiben? Das Staaten wie Frankreich oder Polen offiziell Gnade verlangen finde ich unglaublich. Es ist ein Verbrechen. Aber so siehts aus: Erfolg, Geld oder Macht relativieren hier scheinbar...
changyai (29.09.2009, 18:17 Uhr)
wie konnten eigentlich
alle fornenteilnehmer die jetzt ueber polanskis tat in hyterie ausbrechen 30 jahre lange schweigen? ihr habte euch mitshuldig gemacht, ihr habt es geduldet, ja ihr habt das grauen mit eurer kinokarte finanziert.
ihr einhandkuenstler.

my 2 cents
NewWorld (29.09.2009, 18:00 Uhr)
@SwissMiss
Ich kenne nur einen Fall, in dem wurde sehr wohl ein Antrag auf Auslieferung gestellt, aber nicht ausgeliefert. Warum nicht, hat man leider nie erfahren.

olga1805 (29.09.2009, 17:49 Uhr)
Alle Pädophilen, Vergewaltiger . . . .
Kindermißhandler und andere Schmutzfinken dürfen aufatmen, Polanski wird von den "Künstlern" der ganzen Welt freigesprochen. Nun kann man erahnen, in welcher Gosse die "Kunst" liegt. Ich für meinen Teil habe die Ochsenknechts und Konsorten gut verstanden und werde diese Art von "Kunst" demnächst kategorisch meiden.
Swissmiss (29.09.2009, 17:33 Uhr)
@ NewWorld
Die Schweiz liefert Steuerflüchtlinge sehr wohl aus und leistet auch Amtshilfe. Nur muss dann halt ein Antrag aus dem Staat vorliegen, in dem Steuern betrogen wurden. Deutschland hat in den letzten Jahren übrigens kaum ein Dutzend Auslieferungsanträge gestellt - wenn die deutschen Behörden untätig bleiben, dann darf man sich auch nicht wundern, wenn kaum einer ausgeliefert wird.
Swissmiss (29.09.2009, 17:26 Uhr)
bestehendes Recht + Schadenfreude
@ umjo: Nein, die Schweiz hat nicht auf Druck der USA reagiert. Die schweizer Regierung ist nicht naiv und geht davon aus, dass sich die amerikanische Regierung durch die Verhaftung eines einzigen, lange flüchtigen Kinderschänders einfach umstimmen liesse. Zudem betrifft der Fall Polanski zunächst auch nur die kalifornische Justiz und ist im Grunde für die USA als ganzes ohne grossen Belang. Ausserdem haben die Banken nichts mit internationalen Haftbefehlen gegen Kinderschänder zu tun. Mit der Verhaftung hat sich die Schweiz lediglich an bestehende Rechtsabkommen mit den USA gehalten. Hätte sie den Kerl nicht verhaftet, so wäre sie Vertragsbrüchig geworden. Gegen die Theorie des Drucks der USA spricht auch, dass die Regierung selbst gar nicht über die geplante Verhaftung informiert war.

Im übrigen mag ich dem Kerl wirklich gönnen, dass er ausgerechnet kurz vor einer Veranstaltung verhaftet wurde, wo er für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden sollte. Er hielt sich wohl für so unantastbar, dass ihm nicht einmal in den Sinn gekommen ist, dass er verhaftet werden könnte.
eurozocker (29.09.2009, 15:06 Uhr)
Fürsprecher
ich finde die Parteinahme aus Politik und Showbis für einen Pädophilen sehr erschreckend. Würde es bei einem der Befürworter das eigene Kind betreffen da würde ganz schnell die Todesstrafe gefordert. Schande allen Befürwortern !!!
Evil-King (29.09.2009, 13:34 Uhr)
Butcher
Das Opfer hat ihm bereits verziehen und ne beträchliche Summe an Dollares erhalten... soviel schonmal dazu. Niemand... absolut niemand würde für Geld seinem Vergewaltiger vergeben!!! Das is ne traumatische Sache...

Unter Drogen dem Sex zustimmen und mit Gewalt (ja daher das Wort VerGEWALTigung) gezwungen werden is nicht nur rein physikalisch sondern auch seelisch ein riesen Unterschied. Ersteres verletzt den Stolz und die Scham. Die wird frühs aufgewacht sein und gedacht haben "Gott bin ich blöd, auf was hab ich mich eingelassen"
Zweiteres verletzt weitaus weit mehr.

Ich hab irgendwie das Gefühl, dass anähernd 90% nur das Wort "Vergewaltiger" gelesen haben und gleich posten. Vom Geschehen keine Ahnung, aber schreiben was das Zeug hält.

Ich habe kein Verständnis für die Tat. Sowas is unter aller Sau! Aber was sich manche hier zusammen reimen grenzt an BILD-Niveau (welches heute wieder einmal beträchtlich sinkt...)

Achso: Noch so nebenbei: In Amerika wird jeglicher Geschlechtsverkehr mit oder UNTER Minderjährigen als Vergewaltigung zusammengefasst. Ob der männliche Part da nun 11 oder 51 is, spielt keine Rolle. Und es ist völlig egal ob da unter Drogen oder bei vollem Bewusstsein von beiden Seiten zugestimmt wurde...
ossi48 (29.09.2009, 13:26 Uhr)
Für Kinderschänder
darf es keinen Schutz geben. P. hat in den USA ein faires Verfahren zu erwarten, er kann sich die besten Anwälte leisten.
Tom3 (29.09.2009, 13:22 Uhr)
...berühmte Kinderschänder..
...dürfen auf keinen Fall bestraft werden, was wäre das auch für ein Zeichen für alle die anderen Berühmtheiten, die weder sinnvolles mit ihrem Geld noch mit Ihrer Zeit anzufangen wissen...
MEHR ZUM ARTIKEL
Verhafteter Polanski Auslieferung an die USA droht

Die Verhaftung des Meisterregisseurs Roman Polanski in Zürich war einem Medienbericht zufolge schon Tage zuvor von der US-Justiz eingefädelt worden. Dem 76-Jährigen droht nun die Auslieferung an die USA. Er soll eine 13-Jährige vergewaltigt haben. mehr...

US-Haftbefehl von 1978 Schweizer nehmen Polanski fest

Auf dem Weg zu einem Filmfestival in Zürich ist Regisseur Roman Polanski festgenommen worden - Grund ist ein Haftbefehl aus dem Jahr 1978. Eine Festival-Retrospektive zur Würdigung Polanskis soll trotzdem stattfinden. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft