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2. August 2006, 11:36 Uhr

Almodóvars Hymne an die Frauen

Starke Frauen stehen im Mittelpunkt von "Volver". Zugleich ist Petro Almodóvars neuer Film auch eine rührende Heimkehr des Regisseurs in die Heimat seiner Kinder- und Jugendjahre.

Starker Film mit noch stärkeren Frauen: Szene aus "Volver"© Tobis

Raimunda ist schön, temperamentvoll und keine Frau, die über ihr glanzloses Dasein im Madrider Arbeiterviertel gemeinsam mit einem Nichtsnutz und der pubertierenden Tochter Paula besonders viel klagt. Aber dann ist sie plötzlich mit einer Situation konfrontiert, die auch die lebenstüchtige Spanierin zu überfordern droht: Sie muss eine männliche Leiche möglichst spurlos beseitigen, derweil eine längst Totgeglaubte sich wieder unter die Lebenden mischt. Beide, die männliche Leiche wie die Totgeglaubte, haben eine große Rolle in Raimundas Leben gespielt.

Verwickelt in das Geschehen ist auch Raimundas Schwester Sole, die einen illegalen Friseursalon betreibt. Sole informiert Raimunda von einem Todesfall aus dem kleinen Dorf in der La Mancha, der Heimat der Schwestern. Die alte Tante ist gestorben, die über Jahre ein Geheimnis gewahrt hat, das nun erst Sole, dann Paula und am Ende auch Raimunda offenbart wird. Was es damit auf sich hat, erzählt das neue Meisterwerk von Spaniens Kinogenie Pedro Almodóvar unter dem Titel "Volver".

Rückkehr in die Heimat

Almodóvar ist eine hinreißende filmische Hymne an die Frauen gelungen, die zugleich auch eine berührende Heimkehr des Künstlers in die Heimat seiner Kinder- und Jugendjahre ist, in die öde Landschaft der Mancha, Spaniens Kernland um Madrid. Dort beginnt auch der Film, der in der allerersten Szene Frauen auf einem Dorffriedhof bei der Grabpflege zeigt. Die Toten bleiben lebendig im Volksglauben der Mancha, wo die Menschen vom Wind und Staub gepeinigt werden. Die Alten, die Sesshaften und eben die Toten sind in den Dörfern geblieben, die Jungen - wie Raimunda, Sole und einst auch Almodóvar selbst - sind in die Metropole gegangen, um dort ihr Glück zu suchen.

"Volver" lässt sich mit Rückkehr übersetzen, der Titel hat eine mehrfache Bedeutung in dem Film, denn er bezeichnet auch die Rückkehr einer vermeintlich längst Verstorbenen zurück ins Leben. Dabei geht es durchaus mit rechten Dingen zu, die der geniale Drehbuchautor Almodóvar so elegant und schlüssig komponiert, dass sich kein Zuschauer überrumpelt fühlen muss - eine große Kunst, mit der der kleine Spanier in Hollywood viele Millionen verdienen könnte. Doch welch ein Glück fürs Kino ist die Treue Almodóvars zur spanischen Heimat, zu deren Menschen und vor allen: zu deren Frauen.

Verbeugung vor anna Magnani

Das sind im Film natürlich die wunderbaren Schauspielerinnen, von denen zwei ganz besonders zu erwähnen sind: Penélope Cruz spielt die schöne Raimunda. Nach zwei Nebenrollen in den früheren Almodóvar-Filmen "Live Flesh - Mit Haut und Haaren" und "Alles über meine Mutter" ist sie nun erstmals in der Hauptrolle des Filmemachers zu sehen. Die 32-jährige Madrilenin hat seit 1992 in vielen Streifen in Spanien und Hollywood mitgewirkt. Aber nie war sie besser und reizvoller als in "Volver". Ihre Rolle ist eine Verbeugung Almodóvars vor Italiens unvergessenem Star Anna Magnani. Und Cruz muss sich vor diesem Vergleich keineswegs fürchten. Die Spanierin kann in Hollywood sicher weit höhere Gagen bekommen. Aber so gute Filme kann sie eben nur mit dem genialen Landsmann machen.

Carmen Maura, die jene von den Toten auferstandene Mutter Irene verkörpert, ist seit der Frühzeit der Karriere Almodóvars mit diesem eng verbunden. Bereits in seinem 1980 gedrehten allerersten Film war sie mit von der Partie, Maura war 1988 auch der Star der legendären Komödie "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs" aus dem Jahr 1988. Danach war sie 18 Jahre zerstritten mit dem Regisseur, nun feiern die beiden in "Volver" eine Versöhnung, wie sie öffentlich nicht schöner zelebriert werden könnte. Wer Pedro Almodóvars neues Filmjuwel nicht besucht, bringt sich um die schönsten Kinostunden des Jahres 2006.

Wolfgang Hübner/AP

 
 
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