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27. April 2011, 10:50 Uhr

Vom Vampir zum Veterinär

Eine Attraktion ist dieses Drama nur für Fans von Robert Pattinson: Wer ein Poster des Mädchen-Schwarms an der Wand hat, wird "Wasser für die Elefanten" vielleicht mögen. Das gefällige Kostümfilmchen versucht, fehlende Größe mit viel Hollywood-Glamour wettzumachen.

Wasser für Elefanten, Robert Pattinson, Christoph Waltz, Reese Witherspoon, 192018

Der Tierarzt Jacob Jankowski (Robert Pattinson) verfällt der Pferdeprinzessin Marlena Rosenbluth (Reese Witherspoon)© 2010 Twentieth Century Fox

Nach seinem blassnasigen Auftritt in der "Twighlight"-Trilogie pflegt Robert Pattinson nun als rotwangiger Tierarzt Jacob sein bekanntes Image als derzeit größtes Idol der keuschen Kuschelliebe. Auch in dieser Romanze ist der weiche Schönling durchaus hübsch anzusehen - aber schwer ernst zu nehmen. Es wäre dem sichtlich begabten Schauspieler zu wünschen, dass er sein Können bald einmal in weniger seichten Rollen zeigen kann.

In der Verfilmung des Bestsellers "Wasser für die Elefanten" kommt er als Tiermedizinstudent Jacob durch einen Zufall zum Zirkus Benzini. Dort trifft er auf das Manegen-Starlett Marlena alias Reese Witherspoon. Zu dumm, dass die Kunstreiterin ausgerechnet mit dem jähzornigen Direktor August (Christoph Waltz) verheiratet ist. Jacob verfällt der Pferdeprinzessin hoffnungslos, aber August hält seine Frau mit besitzergreifender Eifersucht von anderen Männern fern. Doch eines Tages beauftragt er ausgerechnet Jacob, mit ihr eine neue Elefantennummer einzustudieren.

Zauberhafte Zirkuswelt

Die Ausstattung von Zeitreisen gehört zu den schönsten Talenten der Traumfabrik Hollywood. Das Melodram "Wasser für die Elefanten" führt die Zuschauer in die amerikanische Depressionsära im Jahr 1931. Die Kostüme und Frisuren, das weiche Licht sowie die Filmfotografie erschaffen mit satten, warmen Schattierungen eine zauberhafte Zirkuswelt - ähnlich der Kinofarbkunst Technicolor.

Doch all der Pomp und das sehenswerte Darstellertrio können dem simplen Plot nicht zu echter Leinwandgröße verhelfen. Die stark vereinfacht erzählte Geschichte ist einfach arg vorhersehbar geraten. Der Film, offenbar an einer jungen, weiblichen Zielgruppe orientiert, stilisiert Pattinsons Figur mit viel Gefühlsdusel zu einem Tierliebhaber, dem schon die Augen feucht werden, wenn der Direktor dem von ihm misshandelten Zirkuszoo nur einen bösen Blick zuwirft. Und Jacobs einzige Entwicklung besteht darin, dass er die Dame seines Herzens trotz drohender Gefahr zu entführen wagt.

Wer sich an melodramatischem Schwulst und gekünstelter Theatralik nicht sattsehen kann, wird sich sicher freuen, dass der Tanz um das goldlockige Dressurpüppchen Marlena auch noch übertrieben in die Länge gezogen wird - das Epos beschert den Zuschauern 114 Minuten Rührseligkeit. Für alle anderen Kinogänger gilt: Diesen Film nur schauen, wenn das erste Date zum Händchenhalten besonders kitschig werden soll.

Franziska Bossy/DPA
 
 
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