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Sterbehilfe ja, aber bitte nicht in der Primetime

Eine Zukunftsvision: Das Bundesverfassungsgericht urteilt, jeder darf den Zeitpunkt seines Todes selbst bestimmen. Darauf fußt der ZDF-Film "Komm, schöner Tod" - der Sender wird nun intern und extern kritisiert, dass der Beitrag einfach zu spät gezeigt wird.

Der ZDF-Film "Komm, schöner Tod" sorgt schon im Vorfeld seiner Ausstrahlung an diesem Donnerstag für Wirbel. Nicht wegen seines brisanten Inhalts, sondern wegen der späten Ausstrahlungszeit um 22.15 Uhr. Nicht nur senderintern hat die Entscheidung der ZDF-Programmplanung Kritik hervorgerufen, jetzt hat sich auch die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung geäußert.

Die Einrichtung lobt zwar die Machart des Films, in dem mit Sterbehilfe Geschäfte gemacht werden, der Geschäftsführende Vorstand, Eugen Brysch, fügt aber in einer am Mittwoch in Dortmund veröffentlichten Mitteilung hinzu: "Zu Bedauern ist allerdings, dass der Ausstrahlung von "Komm, schöner Tod" die Primetime versagt wurde. Die Entscheider des ZDF hatten wohl Angst vor ihrer eigenen Courage."

"Das ZDF hat sich nach reiflicher Überlegung für den Sendetermin entschieden", sagte ein ZDF-Sprecher am Mittwoch. "Eine Ausstrahlung um 20.15 Uhr birgt das erhebliche Risiko - gerade bei ungewöhnlichen Filmen -, dass sie in der mit Abstand schwierigsten Konkurrenzsituation des Abends untergehen. Davon abgesehen ist 22.15 Uhr, zumal am Vorabend eines bundesweiten Feiertags, ein guter Sendeplatz."

ZDF-Redakteur bemängelt "Mutlosigkeit des Systems"

An dieser Stelle laufen laut ZDF, wenn auch an anderen Wochentagen, erfolgreiche Programme wie das "Montagskino", "Neues aus der Anstalt" oder "Maybrit Illner". "Den richtigen Platz für einen solchen Film zu finden, ist auch eine Frage der Wertschätzung gegenüber dem Programm und dem Publikum", sagte der Sprecher. Nicht zu vergessen ist, dass auch die ZDF-Mediathek den Film für einige Tage vorrätig halten wird und auch DVD-Rekorder programmiert werden könnten.

Der zuständige ZDF-Redakteur, Heiner Gatzemeier, hatte bereits bei einem Pressegespräch am 1. März in Berlin gesagt, "Programmplanung und Chefredaktion stehen in der Verantwortung dafür, dass der Film nicht um 20.15 Uhr zu sehen ist". Man habe offensichtlich Angst davor, dass Thema aktive Sterbehilfe zur früheren Uhrzeit zu platzieren. Dahinter stecke "die Mutlosigkeit des Systems".

Friedemann Fromm schrieb das Drehbuch und inszenierte das Stück, frei nach dem Roman "Die Erlöser AG". Das ZDF gab den Film bei der Produzentin Regina Ziegler in Auftrag, die schon die Projekte "2030 - Aufstand der Jungen" und "2030 - Aufstand der Alten" für den Sender realisierte. In weiteren Rollen wirken Katharina Matz und Leslie Malton mit, die als Frau des Unternehmers von Werding der ewigen Jugend nachrennt.

Film wurde für die Primetime entwickelt

Auch Produzentin Ziegler sprach von einer "Enttäuschung", was den Sendeplatz anbelangt. Der Film sei extra so entwickelt worden, dass er um 20.15 Uhr ausgestrahlt werden könne. Regisseur und Autor Fromm sagte, hätte er von vornherein um den späten Ausstrahlungszeitpunkt gewusst, so hätte er den Film etwas anders anlegen können, gerade auch, was zum Beispiel das Thema Gewalt gegen alte Menschen betreffe.

Schauplatz der Handlung ist die Hauptstadt Berlin, irgendwann in der Zukunft: Verwirrte, alte Menschen rennen durch die Stadt und werden von mobilen Einsatzkommandos aufgegriffen und in ihre Heime zurückgebracht. Im Garten seines Büros prostet der Unternehmer Sebastian von Werding (Dietrich Hollinderbäumer) seinen Gästen zu und freut sich auf sein neues Geschäftsmodell. Jeder darf sich sein Todespaket bei ihm zusammenstellen - gegen Bares natürlich.

Seine Tochter Simona (Anna Loos), Ärztin und etwas mehr Idealistin als der Vater, kämpft in einem Alten-Getto mit den Problemen des Alltags, was sie nicht daran hindert, in einer Abstellkammer eine rasche Nummer mit einem jungen Pfleger hinzulegen, während im Nachbarraum eine alte Frau im Rollstuhl auf ihre Behandlung wartet. Und der alkoholkranke Journalist Jens Kurzhals (Herbert Knaup) betreut seinen demenzkranken Vater (Peter Franke) zu Hause - mit allen damit verbundenen Problemen.

Film entzaubert Sterbehilfe

Vorstand Brysch von der Hospiz-Stiftung lobt die Produktion ausdrücklich: "Schonungslos deckt der ZDF-Film die verklärte Romantik sogenannter Sterbe"helfer" auf. Deren Vision einer schönen neuen Welt, in der vermeintlich selbstbestimmte Selbsttötungen zum Alltag gehören, vernebelt die Sicht auf die wirklichen Bedürfnisse schwerstkranker Menschen. Die Dienstleistung Sterbe"hilfe" gaukelt uns vor, medizinischer Unterversorgung, Einsamkeit und Angst vor schlechter Pflege könnten wir nur durch Selbsttötung entrinnen."

Dieser Mythos mache sich europaweit bei dem Thema Euthanasie breit. "Es ist gut, dass das ZDF hier innehält, hinterfragt und entzaubert."

Carsten Rave, DPA/DPA

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