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7. August 2008, 18:35 Uhr

Der lange Sprint des deutschen Films

Deutsche Produktionen galten im Ausland als Kassengift - bis "Lola rennt" vor zehn Jahren fast sieben Millionen Dollar in den USA einspielte und auf dem Sundance-Festival als bester ausländischer Film ausgezeichnet wurde. Damit begann der Langstrecken-Sprint des deutschen Kinos, der bis heute anhält. Von Sophie Albers und Johannes Gernert

Zoom

Mit "Lola rennt" erlangte das deutsche Kino internationalen Erfolg© X-Verleih

Die Rettung hatte feuerrote Haare, trug Doc Martens und sie rannte. Ihr Name war Lola. Sie hatte zwanzig Minuten Zeit, für ihren Freund Manni 100.000 Mark zu besorgen. Mal hat sie dafür einen Supermarkt überfallen, mal eine Bank, sie ist gestorben und dann wieder nicht. Der Film erzählt diese Geschichte in drei Versionen, mit drei unterschiedlichen Ausgängen. Das, was nach der Veröffentlichung von "Lola rennt" passierte, gibt es nur in einer Version. Es ist eine Erfolgsstory mit Happy End, das seit 1998 immer noch andauert. Sie handelt davon, wie der Regisseur Tom Tykwer mit seinen Hauptdarstellern Franka Potente und Moritz Bleibtreu der ganzen Welt zeigt, dass der deutsche Film durchaus laufen kann. Auch wenn daran vor zehn Jahren, als "Lola rennt" in die Kinos kam, nur wenige geglaubt hatten. Das Label "deutsche Komödie" galt Kritikern schließlich als Schimpfwort und Auslandsverleihen als Kassengift.

Dann sahen deutschlandweit 2,2 Millionen Zuschauer, wie die Häuser Berlins an Potente vorbei flogen. Beim Deutschen Filmpreis 1999 gewann "Lola rennt" acht von elf Trophäen. 6,7 Millionen Dollar spielte der Film in den USA ein und hielt sich dort mehrere Wochen in den Top 10 der Kinocharts. Auf dem amerikanischen Sundance-Filmfestival wurde "Run, Lola, Run" als bester ausländischer Film prämiert.

"Startschuss zu einem Dauerlauf"

"Lola rennt" sei "der Startschuss zu einem Dauerlauf" für den deutschen Film gewesen, der sich bis heute habe steigern können, sagte der Geschäftsführer der Filmstiftung NRW, Michael Schmid-Ospach, im Gespräch mit stern.de. Für ihn ist das Projekt, das seine Stiftung damals gefördert hat, eine "der überraschendsten Produktionen der deutschen Filmgeschichte." Tykwers Meditation über den Zufall, mit ihren schnellen Techno-Beats, den coolen Comic-Sequenzen und krassen Wendungen, hat deutsche Filme zu begehrten Exportgütern werden lassen und viele Schauspieler und Regisseure zu gefragten Stars.

Lola hat das Image der deutschen Hauptstadt gewandelt, sodass deren damaliger Bürgermeister, der piefig-konservative Eberhard Diepgen, in ihrem Windschatten zum Wahlsieg rennen wollte. Seine Kampagne ließ der Lola-Verleih X-Filme, den Tykwer mitgegründet hat, allerdings stoppen, weil die Werber bei den Plakaten abgekupfert hatten. Auch die PDS hat sich später für einen Werbeclip sehr deutlich davon inspirieren lassen. Die Läuferin sei Teil der Popkultur geworden, stellt Schmid-Ospach fest.

Im Kielwasser des Erfolgs über den Atlantik

Tom Tykwer hat diese Lola, die sich im Film energisch an Passanten vorbei drängt, den Weg nach Hollywood frei geschubst. 2004 führte er Regie bei "Heaven" mit Cate Blanchett, 2009 kommt "The International" mit Clive Owen und Naomi Watts in die Kinos. Auch sein "Parfum" war international besetzt und erfolgreich. Im Kielwasser des Erfolgs gelangten zahlreiche andere deutsche Regisseure über den Atlantik. Robert Schwentke drehte mit Jodie Foster "Flightplan", Mennan Yapos "Die Vorahnung" mit Sandra Bullock. Für sein Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" gewann Florian Henckel von Donnersmark den Oscar.

Schauspieler in der Filmfremde

Nicht nur Regisseure zogen fortan wieder in die Filmfremde. Pünktlich zum fünfjährigen Lola-Jubiläum begann 2003 Daniel Brühls internationale Karriere mit dem Erfolg von "Good Bye Lenin", der in 70 Ländern gezeigt wurde. Ebenso ein Produkt aus Tykwers Haus X-Filme. Auch die Namen von Matthias Schweighöfer oder Alexandra Maria Lara liefen bald in internationalen Vor- und Abspännen. Als Brühls "Lenin" um die Welt ging, hatte Franka Potente, die Lola-Darstellerin aus Dülmen im Münsterland, schon neben Matt Damon in dem Kassenschlager "Die Bourne Identität" gespielt und eine Affäre mit dem "Herr der Ringe"-Hobbit Elijah Wood begonnen.

Zwischendurch musste sie zwar ihren Hollywood-Frust in Buchform loswerden, nachdem sie nach ihrer Lebensmittelpunktsverschiebung in Richtung Beverly Hills ziemliche Integrationsschwierigkeiten gehabt hatte und sich deswegen sogar fremde Männer von der Straße ins Bett holte. In diesem Jahr nun ist sie aber in dem Steven-Soderbergh-Film "Guerilla" an der Seite von Benicio del Torro in Cannes zu sehen gewesen, der Che Guevara verkörperte. Es läuft also immer noch mehr als ordentlich für die ehemalige Lola. Dasselbe gilt für Moritz "Manni" Bleibtreu, der sein Gesicht kürzlich den Wachowski-Brüdern für einige Sekunden in deren knallig-buntem Rennfahrer-Epos "Speed Racer" lieh.

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KOMMENTARE (10 von 13)
 
Faelliks (08.08.2008, 14:52 Uhr)
Schauspieler
August Diehl scheint hier völlig in Vergessenheit geraten zu sein. Der ist doch großartig! Oder Matthias Schweighöfer. Wobei letzterer momentan auch jede erdenkliche Filmrolle abgreift...
Kalox (08.08.2008, 11:57 Uhr)
@Dewerth
zu spät... : es gibt praktisch keine guten schauspieler mehr, weil die besten schon tot sind (Heinz Rühmann, Gert Fröbe...). Nur Moritz Bleibtreu und Götz George fallen hin und wieder positiv auf, wenn sie glück haben. aber leute wie schweiger, riemann, berben sind der zementierte untergang des deutschen films - kein charisma und talent aber ein gewaltiges ego. von den widerlichen öffentlichrechtlichen und privatsendern "festeingestellten" pillepalle-darstellern will ich nicht anfangen, die liste würde hunderte seiten umfassen...
Dewerth (08.08.2008, 11:10 Uhr)
Deutschland gegen USA…
…was fürn Quatsch. Der Erfolg von „Lola rennt", den ich zwar für einen guten, aber keineswegs überragenden Film einstufe, in USA als Startschuss des deutschen Kinos dortselbst zu bezeichnen, offenbart eine Geschichtslosigkeit der Autoren des Artikels, die so nicht unwidersprochen bleiben darf. By the way: „Das Boot" von Wolfgang Petersen wurde 1983 für 6 Oscars nominiert. „Die Blechtrommel" von Volker Schlöndorff erhielt 1980 den Oscar für den besten ausländischen Film. Noch Fragen? Klar ist, dass es der deutsche Film in den USA schwer hat. Aber dort haben es Frankreich, Spanien, England, Italien, Indien nicht leichter. Vielleicht auch, weil die Amerikaner sich lieber selber feiern sehen bei ihren Oscar-Verleihungen, die mittlerweile so langweilig sind wie die Lindenstraße. Aber keine Frage, ich liebe auch das amerikanische Kino. aber zuallererst Filme. Und da ist es mir egal, wo sie herkommen. - Die hier wohl zum hundertsten Mal wiedergekaute Behauptung, in Deutschland gäbe es keine guten Schauspieler kann ich auch nicht mehr lesen.Weil sie nicht stimmt. Aber das ist eine andere Debatte, die ich hiermit nicht lostreten möchte. Schöne Filme allerseits!
Luciano (08.08.2008, 09:55 Uhr)
pepeboy
Keine deutsche Comedy-Serien? Na hör mal! Unvergessen sind doch die tollen deutschen Kopien, wie bspw. von "Eine schrecklich nette Familie". Das war natürlich Ironie. Mal im Ernst. Den Deutschen mangelt es einfach an guten Schauspielern (zeigt mir bspw. mal das deutsche Pendant zu Robert de Niro oder Al Pacino). Und nicht nur das. Deutsche schauspielern einfach ANDERS als bspw. Amerikaner, was vor allem an den unterschiedlichen Mentalitäten liegt. Die Deutschen sind eher verkrampft, während die Amerikaner im Allgemeinen ziemlich locker drauf sind. Deshalb muss ich auch immer so schmunzeln wenn deutsche Schauspieler versuchen cool rüber zu kommen. Es wirkt einfach zu aufgesetzt. Darüberhinaus fehlt es den Charakteren in deutschen Filmen und Serien an Tiefe. Geboten werden immer nur Stereotypen: Da gibt es die skruppellose Zicke, die immer abgrundtief böse ist. Irgendwo gibt es dann den sensiblen Schwulen und zum Schluss noch den tollen Frauenhelden, der jede ins Bett kriegt. Das wars dann auch schon. Was Filme aus Hollywood angeht: Mag sein, dass es sich um seichte Unterhaltung handelt. Aber genau das wollen diese Filme auch: unterhalten. Die wenigsten Hollywoodfilme erheben einen intellektuellen Anspruch. Und tiefgründige amerikanische Filme gibt es nun auch genug. Dass die Amerikaner dumm sind, halte ich für ein arrogantes Vorurteil. Die Deutschen waren jedenfalls nicht auf dem Mond. Haben auch keine Wasserstoffbombe entwickelt oder ein Riesenteleskop ins Weltall geschossen. Und nach den aktuellen Pisa Ergebnissen sollte man sich hierzulande sowieso fragen ob die Arroganz berechtigt ist, andere Völker als dumm abzustempeln.
Kalox (08.08.2008, 07:56 Uhr)
@Silbador
jaja...etliche filme mit geschichtsbezug (NS & DDR) oder Ostalgie-Flair...der grosse dauerbrenner hier. Würde man das in Relation zu den Ami-Filmen setzen, müssten 50% ihrer Filme vom unabhängigkeitskrieg oder der Sklaverei handeln.
Aber Silbador, bitte nicht missverstehen, Ihre Liste zeigt dennoch niveau - kein Schuh des Manitou, Traumschiff Schwuchtibert, Knallharte Schwachköpfe oder vulgäre Teeniestreifchen wie man sie dutzendweise (gefühlte 90%) im "DEUTSCHEN FILM" findet...
Silbador (08.08.2008, 07:15 Uhr)
Deutsche Filme ...
Eine kleine Auswahl von, meiner Meinung nach, besseren deutschen Filmen:
2007 – Die Fälscher
2006 - Das Leben der Anderen
2006 – Das Parfum
2005 – Alles auf Zucker
2005 – Napola
2004 – Der Untergang
2003 – Good Bye, Lenin
2003 – Luther
2001 – Das Experiment
2000 – Anatomie
1999 – Sonnenallee
1993 – Stalingrad
1993 - Wir können auch anders …
1992 – Schtonk
Das ist eine Auswahl der deutschen Filme, die mir gefallen haben. Der eine mehr, der andere weniger, aber immerhin ist die Ausbeute in Anbetracht der produzierten Filme besser als beispielsweise in den USA (vor allem auch in Bezug auf die Kosten).
Vor allem finde ich es immer wieder beachtlich, welche Ideen mitunter in diesen Filmen stecken, daran fehlt es in den USA sehr oft, man geht scheinbar davon aus, wenn ein Star mitspielt, die Story ist egal. Dem ist Gott sei Dank nicht so! Wie oft schon wurde von liebevoll gemachten europäischen Filmen ein seelenloses Remake abgedreht?
Fazit für mich: der deutsche Film ist in Ordnung, da sollte man nichts schlechtreden. Für das effektverliebte Hollywoodkino ist da trotzdem noch Platz.
pepeboy (08.08.2008, 03:59 Uhr)
Deutscher Film
Es ist schon manchmal erstaunlich, dass pro-amerikanische Meinungen wie ich sie in meinem vorherigen Kommentar geschrieben habe, hier von einigen als US-Propaganda abgestempelt werden. Ich hab mein eigenes Hirn und meine eigene Meinung, lasse mich auch durch auf in Deutschland allzu beliebtes Amerika-Bashing nicht beeinflussen. Der deutsche Film ist bis auf wenige Ausnahmen, zum groessten Teil durch schmalere Budgets aber auch durch schlechtere schauspielerische Leistungen meilenweit von Hollywood entfernt. Von in Deutschland produzierten Serien wollen wir mal gar nicht reden. Eine lustige Sitcom im Stile von Seinfeld, Frasier oder auch eigenproduzierte Comic Serien wie Simpsons oder Family Guy hat es in Deutschland noch nie gegeben. Warum? Vielleicht fehlender Humor oder fehlender Mut etwas wirklich neues und witziges zu probieren. Wahrscheinlich beides!
Die erfolgreichsten auslaendischen Filme in den USA waren
Crouching Tiger, Hidden Dragon 128 Mio
Life is Beautiful, 57 Mio
Amelie, 33 Mio
7 Mio fuer Run Lola Run ist besser als nix man sollte in Anbetracht dieser Nummern relativiert sich aber der grosse Erfolg in Uebersee.
lifeshot (07.08.2008, 23:52 Uhr)
...
Amifilme spielen 200mio ein und kosten teilweise 100mio. Wenn Lola rennt 7mio einspielt ist das doch gut, ich weiss nicht wieviel die Produktion gekostet hat, aber ne mio kann der Film nicht übersteigen. D.h. er hat das 7fache eingespielt!
Trotzalledem ist der dt. Film im internationalen vergleich verhältnismässig schlecht. Das ist ne Tatsache ...
Nun wäre ein verglich interessant: Weiss jemand, wieviele Filme jährlich in Hollywood produziert werden? und wieviele in Deutschland?
Terminator2008 (07.08.2008, 23:32 Uhr)
Erfolg?
Interessant, wie wichtig ihnen der Erfolg in Amiland ist?! Warum eigentlich? - Ich mag die "neue deutsche Welle", sie orientiert sich an unsere Bedürfnissen in Deutschland und muss daher nicht woanders erfolgreicher sein. Der deutsche Markt ist riesig genug auch ohne die Amis erfolgreich zu werden. Gute Beispiele kommen aus la France und Bollywood, eben Geschmacksache. Schön, dass wir endlich auch mehr Auswahl haben.Die Aufzählungen hier sind sehr dürftig, vergessen?: Herr Lehmann, Sonnenallee, Knockin' on Heaven's Door, die fetten Jahre sind vorbei, Kroko, Alles aus Zucker, Barfuß, Das Experiment, Emmas Glück, Die Welle, Nichts als Gespenster - nur weitere spontane Einfälle von mir. Darauf möchte ich nicht verzichten.
MFG
facilidad_de_ser (07.08.2008, 22:22 Uhr)
Der Unterschied...
Amerikanische Filme, ob intellektuelle oder Klamauk, sind wenigstens immer gute Unterhaltung, weil die Amis einfach wissen, was "good entertainment" ausmacht. Gleiches gilt für Musik.
Deutsche Filme sind so unterhaltend wie Dieter Bohlens Musik und zu 99,9% einfach nur peinlich,und wenn von 10.000 deutschen Filmen 10 gut sind, ist das einfach eine hundsmiserable Quote. Sorry!
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