Til Schweigers Beitrag zur Sexismus-Debatte

7. Februar 2013, 21:37 Uhr

Männer wollen alle nur das eine: In "Kokowääh 2" offenbart Til Schweiger einmal mehr seine simple Weltsicht. Der Film ist aber vor allem quälend und langweilig. Von Sebastian Schneider

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Papa, Papa, Kind. In "Kokowääh 2" lotet Til Schweiger das Patchwork-Familienleben aus.©

Als die Waschmaschine überläuft, weiß Henry: Eine Frau muss ins Haus. Freundin Katharina (Jasmin Gerat) ist gerade ausgezogen. Sie hat es satt, sich nur um die zwei Kinder zu kümmern und ihm alles hinterherzuräumen. Henrys Patchwork-Familie droht auseinanderzubrechen. Tristan (Samuel Finzi), Kukucksvater von Henrys Tochter Magdalena, ist pleite und zieht mit seiner neuen Freundin bei Henry ein. Die zehnjährige Magdalena (Schweigers Tochter Emma) verliebt sich zum ersten Mal. Und beruflich steckt der Drehbuchautor Henry im Stress: Um seinen ersten Film produzieren zu können, muss er gegen seinen Willen mit dem exzentrischen Schauspielstar Matthias Schweighöfer (Matthias Schweighöfer) zusammenarbeiten.

Til Schweigers Fortsetzungs-Liebeskomödie "Kokowääh 2" erzählt vom alltäglichen Chaos in einer Großfamilie. Rund 4,3 Millionen Menschen haben 2011 den Vorgänger im Kino gesehen, ein Riesenerfolg. Schweiger ist bei beiden Filmen Regisseur, Hauptdarsteller, Co-Autor und Produzent in einer Person. Er ist kein Zyniker, sondern ein sehr guter Geschäftsmann. Er weiß, welche Formel die Zuschauer von ihm erwarten: Egoistischer Macho wird von Frau verlassen, läutert sich im Laufe des Films, Frau kommt zurück, Happy End. Schweiger hat stern.de einmal in einem Leserbrief geschrieben, er wisse, was der Zuschauer nicht wolle: "im Kino gelangweilt oder gequält werden." Das Problem bei "Kokowääh 2" ist nun: Diese 123 Minuten sind durchaus quälend und langweilig.

Erektionsprobleme, Kuhfladen und Hundehaarallergien

Schweiger dehnt das Chaos der Patchwork-Familie auf seinen ganzen Film aus. Denkt man sich den pausenlos dahinplätschernden Hintergrund-Pop weg, bleibt eine recht zusammenhangslose Aneinanderreihung kruder Szenen übrig. Henry begräbt nachts eine Katzenpuppe im Garten und sagt "Fuck". Henry kühlt die Beule seines Babys mit einem Fischstäbchen. Das Baby fährt mit einem Skateboard über den Perserteppich, auf den es gerade gekackt hat. Katharina leert vergilbte Socken aus einer Blumenvase. Henry tanzt lachend der Abendsonne entgegen - in einem durchnässten Priestergewand, so als habe ihn gerade Gott persönlich getauft. Schweigers Figuren reden über Erektionsprobleme, Kuhfladen und Hundehaarallergien, über Kommunismus, Konsumkritik und die große Liebe. Sie tun das zumeist in Henrys ausladendem Loft: rostige Tür, Terrasse mit Abendsonne, Blick auf den Berliner Fernsehturm. Der Film sieht aus wie ein zweistündiger Bier-Werbespot.

Henry ist stur, aber prinzipientreu, lässig, ohne unangenehme Selbstzweifel. Til Schweigers Gesichtsmuskeln belästigen den Zuschauer auch in "Kokowääh 2" nicht mit übertriebener Akrobatik. Oft stiert er hähnchengebräunt und zerknittert in die Ferne. Kurz vor Ende des Films zittert sein Kinn einmal kurz, aber das muss als Ausdruck inneren Bebens reichen. "Ich lieb' dich von hier bis zum Mond und zurück", haucht Henry seiner Tochter entgegen. Es klingt, als würde der Terminator in der Fußgängerzone um Kleingeld betteln.

Eitle, naive, hysterische, selbstverliebte Männer

Die zehnjährige Emma Schweiger spielt ihren Vater auf beeindruckende Weise an die Wand. Die Nebenfiguren des Films, besonders die Männer, sind eitel, naiv, hysterisch, selbstverliebt. Schweiger wäre nicht Schweiger, wenn er seine Verachtung für Softies und Schöngeister in diesem Film für sich behalten würde. Henry lacht Tristan aus, weil er das Klo putzt und in Stricksocken vögelt. Er verspottet einen kommerziell erfolglosen Filmregisseur für seinen österreichischen Akzent. Und den Lektor Luc, der sich an seine ahnunglose Freundin Katharina heranwanzt, beschimpft er als "Spast". Wie kann man jemanden respektieren, der Hornbrille, Leinenhemd und gute Manieren besitzt?

Vielleicht kann man "Kokowääh 2" auch einfach als Schweigers Beitrag zur Sexismus-Debatte verstehen: Männer wollen alle ohnehin nur das eine - sich zu verstellen, macht alles nur noch schlimmer.

 
 
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