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Mit viel Schmalz zum Sieg

Endlich vorbei: die neunte Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ ist beendet – mit einer sich dahin schleppenden Final-Show und einem aalglatten Sieger.

Von Sophie Lübbert

  Bravo Boy: Luca Hänni (l.) hat sich im Finale der diesjährigen Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" gegen Bad Boy Daniele Negroni durchgesetzt.

Bravo Boy: Luca Hänni (l.) hat sich im Finale der diesjährigen Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" gegen Bad Boy Daniele Negroni durchgesetzt.

  • Sophie Lübbert

Ungefähr drei Minuten lang taucht die Vergangenheit auf und das ist kein schöner Anblick. Sie trägt eine Jeans, dazu Sweatshirt und Käppi im selben Farbton und hört auf den Namen Pietro Lombardi. Lombardi ist der Vorjahres-Sieger von "Deutschland sucht den Superstar". Deshalb muss er auch 2012 im Publikum sitzen, das Finale beobachten, interessiert wirken und irgendetwas sagen.

"Am wichtigsten is' das Siegertitel", sagt Pietro. Er hat ein paar Probleme mit der Grammatik, der Satz macht wenig Sinn, aber das ist egal, die Kamera schwenkt schon weg von ihm. Pietro verschwindet in der Masse.

Ein Jahr nach seinem Sieg macht er nur noch Schlagzeilen, weil er sich mit seiner Freundin auf einem Spielplatz streitet und die Konzertkarten sich so schlecht verkaufen. Pietros Zeit im Rampenlicht ist lange vorbei – sie hörte in dem Moment auf, als er "DSDS" gewann.

Mehr als 35.000 Bewerber

Denn das Finale der Casting-Show war und ist niemals der Start einer großen Sänger-Karriere, sondern bereits deren Ende. Natürlich weiß RTL das – und dieses Jahr geben sie sich auch keine Mühe mehr, es zu verbergen. Das DSDS-Finale 2012 ist kein musikalisches Show-Spektakel, sondern eine langweilige Nullnummer.

Zwei Jungs treten an, beide unter 18, beide gleich groß, beide höchstens durchschnittliche Sänger. Der eine färbt sich die Haare, trägt glitzernde Gürtelschnalle und Irokesen-Frisur und geht gerne feiern. Der andere kommt aus der Schweiz, hat ein weiches Gesicht, die Haare ordentlich frisiert und ein schmachtendes Lächeln. Bad Boy gegen Bravo Boy heißt das Duell und es ist so vorhersehbar, wie es sich anhört.

Bravo Boy Luca schmalzt sich durch seine zwei Solo-Nummern ("Allein, allein" von Polarkreis 18, "The A-Team" von Ed Sheeran), greift sich dabei ab und zu dramatisch an die Brust. Bad Boy Daniele versucht sein Bestes, wie ein harter Rocker herüber zu kommen, hat dafür "Forgive Forget" von Caligola und "Dance with Somebody" von Mando Diao gewählt, wirkt aber eher wie ein Kind, das jemand zufällig in einer viel zu großen Lederjacke auf der Bühne ausgesetzt hat.

Nicht einmal für ordentliche Kostüme hat es gereicht

Damit das Ganze nicht zu peinlich wird, hat RTL den Jungs noch ein paar Tänzer zur Seite gestellt, ab und zu schießen ein paar Funken aus der Bühne und bunte Laser fuhrwerken durch die Luft. Sieht alles ganz nett aus, ist aber nichts Besonderes – etwas lieblos, ohne Mühe. Nicht einmal für ordentliche Kostüme hat es mehr gereicht.

Zwischendrin laufen diverse filmische Rückblenden, irgendwie muss die Zeit zwischen der Werbung ja überbrückt werden: Luca beim Casting (fällt vor Aufregung die Gitarre hin), Daniele beim Casting (noch ohne gefärbte Haare), Luca beim Recall, Daniele beim Recall, auf den Malediven, bei den Live-Shows. Alles schon gesehen und es wird nicht interessanter, weil es zusammen geschnitten ist. Die beiden Kandidaten dürfen auch was sagen. "Das ist der wichtigste Tag meines Lebens", "der heutige Abend könnte mein Leben verändern" - was man eben so sagen muss im Finale einer Casting-Show.

Die Jury tut ihr Übriges. Bruce Darnell kann sich kaum noch halten, kreischt entrückt und ist ergriffen. Natalie Horler fällt nicht weiter auf. Und Dieter Bohlen erzählt, wie er den Sieger-Song schrieb: Das sei "echt schwierig". Gut, dass er es erwähnt hat – dem Lied hätte man es nicht angehört. Es klingt wie ein x-beliebiger Pop-Song, ohne jeden Wiedererkennungswert.

Spätestens jetzt ist der Moment zum Fremdschämen

Der Tiefpunkt kommt schließlich, als RTL minutenlang unverhohlen Werbung für einen Autohersteller macht. Die beiden Kandidaten bekommen je einen Wagen geschenkt, müssen überdimensionale Schlüssel schwenken und sich auch noch bei der Firma bedanken. "Macht sie alle neidisch", ruft Moderator Marco Schreyl und gehorsam schwenken die beiden Jungs ihre Schlüssel ein wenig intensiver. Spätestens jetzt ist der Moment zum Fremdschämen gekommen – wenn man sich nicht eh schon peinlich berührt auf dem Sofa windet.

Bei so einer Art, die Sendungs-Minuten zu füllen, ist es kein Wunder, dass "DSDS" dieses Jahr schwächelt. Die Quoten sind schlecht, gute Sänger bewerben sich wohl sowieso schon lange woanders, der Unterhaltungs-Faktor der Show bewegt sich irgendwo unter Null. Und das Finale zeigt noch einmal auf, wieso DSDS nicht mehr funktioniert: es ist herzlos und furchtbar abgedroschen.

Alles läuft wie aus dem Lehrbuch: Die Kandidaten sind zu Gegensätzen stilisiert, Gut gegen Böse. Die Choreographien sehen nach Boyband aus und sitzen. Die Jury ist so überdreht, wie es alle erwarten. Das ist nett, aber keine große Sendung. Es passiert nichts Überraschendes, es gibt keinen Moment, der einen wirklich berührt. Stattdessen spulen alle ab, was erwartet wird. Klar: hier geht es nicht um die Musik, sondern nur um Geld durch Telefonanrufe von kleinen Mädchen.

Dann wird wohl Luca versuchen, interessiert zu wirken

Da ist es fast eine Erleichterung, als das Finale zu seinem Ende kommt und endlich fest steht, dass Bravo Boy Luca der neue "Superstar" ist – mit 52,85 Prozent der Stimmen. Von oben regnet es goldenes Konfetti, Luca fängt an zu weinen. Schließlich steht er allein auf der Bühne, singt seine Version des Sieger-Liedes und genießt diese paar Minuten Ruhm, die ihm RTL zugedacht hat.

Doch gerade, als man glaubt, endlich sei alles überstanden – die Kommentare der Jury, die schief klingenden Cover-Songs und Lucas Karriere – , da taucht noch einmal Marco Schreyl vor der Kamera auf und ruft die unheilvollen Worte: "Bis zum nächsten Mal!." Dann wird wohl Luca im Publikum sitzen und versuchen, interessiert zu wirken.

Sophie Lübbert

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