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Die Schöne und das Biest

Geliebt, begehrt, verkauft, verschleppt: "Die Dame mit dem Hermelin", vor mehr als 500 Jahren von Leonardo da Vinci gemalt, hat Unglaubliches erlebt. Jetzt ist sie zu Besuch in Berlin. Eine Sensation.

Von Anja Lösel

  Geliebt, begehrt, verkauft, verschleppt: Leonardo da Vincis "Die Dame mit dem Hermelin" (Ausschnitt)

Geliebt, begehrt, verkauft, verschleppt: Leonardo da Vincis "Die Dame mit dem Hermelin" (Ausschnitt)

Vielleicht ist sie sogar die Schönere von beiden: zart, blond und mit diesem geheimnisvollen Raubtier im Arm. "Die Dame mit dem Hermelin", gemalt von Leonardo da Vinci, ist so etwas wie die kleine Schwester der Mona Lisa. Und wie diese darf sie eigentlich nicht reisen, denn sie ist empfindlich und extrem wertvoll. Nun aber gibt es eine sensationelle Ausnahme: Leonardos Meisterwerk kommt aus Krakau nach Berlin in die Ausstellung "Gesichter der Renaissance".

Und sie hat Dramatisches erlebt: 1490 gemalt für ihren Geliebten, den Herzog von Mailand, wurde sie 1800 nach Polen verkauft, später nach Paris verschleppt, nach Krakau zurückgebracht. Ganz kurz war sie sogar in Berlin, genau an der Stelle, wo sie jetzt hängt. Ihre schwärzesten fünf Jahre, von 1939 bis 1944, verbrachte sie im Musikzimmer von Hans Frank. Der "Schlächter von Polen" war in Hitlers Namen begeisterter Mitinitiator des Holocaust und residierte auf der Krakauer Burg wie ein König. Erst seit 1949 hängt die Schöne wieder im Krakauer Czartoryski-Museum.

Cecilia musste gehen

Klein ist das Bild, fragil und wunderschön. Cecilia Galleriani heißt die junge Dame, die darauf zu sehen ist. Sie ist erst 17 Jahre alt - und schon die Mätresse des Herzogs Ludovico Sforza in Mailand. Er ließ sie vom besten Maler porträtieren, den es damals gab: Leonardo da Vinci. Cecilia blickt seltsam entrückt und geheimnisvoll in die Ferne. Wie selbstverständlich streichelt sie das Hermelin auf ihrem Arm. Das Raubtier galt zur Renaissancezeit als Maskottchen der Schwangeren, und wahrscheinlich erwartete Cecilia tatsächlich schon Ludivicos Sohn. Der Herzog verehrte Cecilia als seine "geliebte Göttin". Geheiratet hat er trotzdem eine andere, weil die ihm den ersehnten Aufstieg in den Hochadel ermöglichte. Cecilia musste gehen. Das Porträt durfte sie mitnehmen.

Hitler ausgestochen

Es folgte ein großes Hin und Her: Mailand, Warschau, Paris, Krakau. Schlimm genug für das empfindliche Bild. Aber so richtig übel wurde es 1939. Hitler überfiel Polen, seine Schergen plünderten das Land und schnappten sich, was gut und teuer war.

  Leonardo da Vinci: "Dame mit dem Hermelin"

Leonardo da Vinci: "Dame mit dem Hermelin"

Einer der übelsten Räuber war Hans Frank, Hitlers Generalgouverneur. Zigtausende Menschen ließ er ermorden, kaltblütig organisierte er Gräueltaten. Privat gab er sich als Kunstkenner und Musenfreund - und nutzte seine Machposition schamlos aus. Seine Überzeugung war gleichzeitig seine Entschuldigung: "Der Beutetrieb ist ein Urtrieb der Menschheit." Systematisch ließ er polnische Kunstwerke konfiszieren, die schönsten Stücke pickte er sich selbst heraus. Und obwohl auch Hermann Göring und Hitler Interesse zeigten, eroberte Frank schließlich die Leonardo-Dame für sich. Sein Sohn Niklas Frank, 1939 geboren, war damals ein kleiner Junge. Im Jahr 1987 schrieb er eine hasserfüllte Abrechnung über den Vater. Da Vincis "Dame mit dem Hermelin"? "An die erinnere ich mich nicht mehr", sagt er. Von seinem älteren Bruder Norman weiß er aber: "Neben dem Bild hing eine Feuchtigkeitsuhr". Der Vater sorgte sich zwar nicht um die Menschen in den Lagern, aber durchaus um die empfindliche Holztafel aus der Renaissancezeit. Sie sollte immer die richtige Temperatur haben und keinen Schaden nehmen. Auch ein Jünglingsporträt von Raffael und die Rembrandt-Landschaft "Hereinbrechendes Gewitter" hatte Frank "erbeutet" und alles hübsch aufgehängt im Musikzimmer der Franks auf der Krakauer Burg Wawel.

Da Vinci in Schliersee

Im Januar 1945, als das Ende des Nazireiches schon absehbar war, floh Hans Frank nach Schliersee. Fünf Lastwagen voller Kunstwerke reisten mit, so sein Sohn Niklas. Unterwegs wurde die Fracht auf einen Lastwagen reduziert, der dann tatsächlich in Bayern ankam. "Dort richtete mein Vater sich einen Andachtsraum ein. Er brüstete sich damit, die Schätze vor dem Zugriff der Bolschewiken gerettet zu haben." Eine völlig kuriose Situation, über die Niklas Frank trotz aller Gräuel heute ein wenig schmunzeln muss. "Die vornehme Mailänderin mit dem Hermelin hing nun im popeligen Haus Bergfrieden am Schliersee", einer kleinen Pension, in der der "Schlächter von Polen" sich versteckte. Daneben "die Bilder von Raffael und Rembrandt, Gobelins, die von den polnischen Königen stammten, Rittergewänder mit Stickereien, und noch so allerhand Sachen". Niklas Frank: "Schliersee wurde dadurch ein paar Monate lang zum Zentrum der größten Kunstschätze."

Zurück nach Krakau

Am 4. Mai war dann Schluss mit der Selbstherrlichkeit. Die Amerikaner nahmen Hans Frank gefangen, machten ihm in Nürnberg den Prozess und verurteilten ihn zum Tode. Sie sorgten auch dafür, dass die Dame mit dem Hermelin und all die anderen Schätze zurück nach Krakau kamen. Raffaels Jüngling allerdings blieb bis heute verschwunden. Niklas Frank: "Das hat meine Mutter vergeigt. Ziemlich sicher hat sie ihn geklaut und zu Geld gemacht. Vielleicht hängt er heute noch irgendwo unerkannt herum."

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