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9. April 2009, 16:40 Uhr

Jäger der verlorenen Schätze

Tutanchamun, Tutanch Amun, Ägypten

Land des Goldes und der Sehnsucht: Eldorado© Picture Alliance

Vielleicht ist der Heilige Gral aber auch gar kein Gegenstand. Es gibt Versionen der Legende, nach denen er das Geheimnis um die Nachkommen Jesu ist. Angeblich hatte der Gottessohn mit seiner Gefolgin Maria Magdalena ein Kind. Bis heute soll die Kette der göttlichen Nachkommen reichen. Ja, das kennen Sie auch aus Dan Browns Bestseller "Da Vinci Code".

In Jordanien, Israel oder Äthiopien

Ebenfalls voller Gottesmacht soll die Bundeslade sein, die bisher nur Indiana Jones finden durfte. Sie enthält die Zweitfassung der beiden Tontafeln mit den Zehn Geboten, die für den Bund zwischen Gott und dem Volk Israel stehen. Moses hatte die Originale am Berg Sinai zerschlagen, als er sein Volk um das goldene Kalb tanzen sah. Sowohl im Alten und Neuen Testament wie auch im Koran wird die Bundeslade erwähnt. Die durch sie verkörperte Gegenwart Gottes habe die Israeliten in Schlachten gestärkt. Das letzte Zeugnis der Existenz der Bundeslade stammt aus dem Jahr 587/586 v. Chr., als der neubabylonische König Nebukadnezar II. Jerusalem belagerte, besiegte und niederbrannte. Heute vermutet man sie in Israel, Jordanien oder Äthiopien. Im Tempelberg in Jerusalem könne sie ruhen, doch sind Forschungen am heiligen Berg strengstens untersagt. So bleibt auch die Bundeslade bisher nicht mehr als eine Legende, ein überlieferter Mythos, der Generation um Generation fasziniert.

Archäologen von heute sind hinter diesen in Erde, Wasser oder Mythos versunkenen Schätzen kaum noch her. Mit dem aufregenden Schatzjägerflair eines Indiana Jones hat ihre Arbeit wenig zu tun. Die Aufgabe sei nicht, die größten Schätze zu heben, sagt Professor Ortwin Dally vom Deutschen Archäologischen Institut in Berlin, sondern "Lebenszusammenhänge der damaligen Gesellschaften zu erstellen". Dabei helfe eine Tonscherbe oft mehr als ein sagenumwobener Goldschatz. Auch hält er die Erwartungen, solche Schätze zu finden, für überzogen. Allerdings zeigen Funde wie das Grab des Tutanchamun oder Troja, das es durchaus etwas zu finden gibt.

Tutanchamun, Tutanch Amun, Ägypten

Die Himmelsscheibe von Nebra ist für 100 Millionen Euro versichert© Landesmuseum fuer Vorgeschichte/DDP

Mit der Entdeckung des Grabes von Tutanchamun löste Howard Carter 1922 ein regelrechtes Erdbeben der Begeisterung aus. Im Tal der Könige in Ägypten fand der Brite das nahezu unversehrte Grab des Pharaos. Figuren aus Gold, Waffen und ein Streitwagen gehören zu den zahlreichen Schätzen, die aus der Grabstätte geschafft wurden. Bis heute gilt der Carter-Fund als einzigartig. Dabei war Tutanchamun ein kleiner Fisch unter den Pharaonen Ägyptens. Mit sehnsüchtigen Gedanken malen sich Archäologen bis heute die Funde aus, die man wohl in einem der bedeutenderen Königsgräber gefunden hätte. Die wurden jedoch allesamt von Grabräubern geplündert.

Die wahr gewordene Legende

Auch Schliemanns Entdeckung von Troja versetzte die Weltöffentlichkeit in Euphorie. Während viele Troja lediglich als Teil der Legende aus der Feder von Homer betrachteten, glaubte der millionenschwere Kaufmann Heinrich Schliemann den Worten des griechischen Dichters. Seit seiner Kindheit war Kaufmann aus Mecklenburg fasziniert von dem Gedanken, die sagenhafte Heldenstadt auszugraben. In den 1870er Jahren stieß er dann nach mehreren Grabungskampagnen in der Nordwesttürkei tatsächlich auf die Überreste von Troja und ließ alle Kritiker verstummen. Bis heute werden immer neue Teile der jahrtausendealten Stadt ausgegraben.

Dr. Martin von Falck, wissenschaftlicher Berater der Tutanchamun-Austellung, die in den kommenden Monaten durch Deutschland tourt, ist dennoch sekptisch, was die Schatzsuche angeht. Für Forscher seien eher das Grab von Alexander dem Großen oder alte Abschriften des jüdischen Testaments von Bedeutung. Nach mythischen Schätzen suche man aber nicht mehr. Trotzdem müsse man immer "mit einem überraschenden Fund rechnen", da "Laien unbeirrt weiterforschen."

Oftmals sind es diese Laien, sind es Zufälle, durch die große Schätze entdeckt werden. Die häufig belächelten Amateure verfolgen die absurdesten Hinweise. Viele Freizeitschatzsucher rennen mit Hightech-Equipment ausgestattet über Felder und Wiesen, meist illegal, ohne Grabungsgenehmigung. Und immer wieder stoßen sie auf kleinere oder größere Schätze.

Ohne diese "Hobby-Archäologen" wäre vermutlich die Himmelsscheibe von Nebra nicht gefunden worden. Zwei Schatzjäger haben sie 1999 in der Nähe der Stadt Nebra in Sachsen-Anhalt mitten in einem Waldgebiet entdeckt. Wie wertvoll die goldverzierte Metallscheibe wirklich war, wussten die beiden allerdings nicht. Die rund 4000 Jahre alte Bronzeplatte gilt als älteste bekannte Himmelsdarstellung: Goldene Applikationen symbolisieren Sonne, Mond und Sterne. Für gerade mal 31.000 Deutschmark, das sind knapp 16.000 Euro, verkauften die Finder das Stück auf dem Schwarzmarkt. Drei Jahre später kam die Polizei den illegalen Geschäften auf die Spur. Da Fundgut in Sachsen-Anhalt dem Land zufällt, wurde die Scheibe sichergestellt. Ihr Wert ist unschätzbar. Allein die Versicherungssumme liegt bei rund 100 Millionen Euro.

Für Indiana Jones sind solche Funde nur Kleinkram. Der peitschenschwingende Archäologe bleibt das Maß aller Buddler, solange die Geschichten vom Suchen und Finden der Bundeslade, dem Heiligen Gral oder Eldorado lediglich eine Erfindung Hollywoods sind.

Von Johannes Musial
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KOMMENTARE (2 von 2)
 
arniston (10.04.2009, 01:30 Uhr)
(t)
trozdem ganz schön schlau ...
arniston (10.04.2009, 01:29 Uhr)
trozdem ganz schön schlau ...
http://kalender-365.de/index.php?yy=2398
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