Während Schröder auf jedem Foto vor Selbstbewusstsein strotzt und offenbar tatsächlich Freude an der Kunst hat, sieht manch anderer Porträtierter aus, als fühlte er sich nicht ganz wohl in seiner Haut. Der junge Finanzdienstleister Eckhard Sauren etwa blickt verschreckt in die Kamera. Siemens-Vorstandschef Heinrich von Pierer lehnt an der Wand, als brauchte er eine Stütze. Andere wirken zu forsch, wie Andrea Nahles, die lässig vor einer Arbeit von Imi Knoebel lümmelt. Oder Klaus Peter Müller, Vorstandssprecher der Commerzbank, der neckisch und gekünstelt mit dem Finger auf die Kunst zeigt. Körpersprache kann man da studieren und erkennen, dass manch ein Porträtierter sich zu Dingen überreden ließ, die er hinterher womöglich bereute.
Eine ganz besondere Geschichte erzählt ein Foto der britischen Künstler Clegg & Guttmann. Die Vorstände der Deutschen Bank ließen sich 2007 von den beiden in klassischen Herrscherposen ablichten, die Fürsten und Königen abgeschaut sind. In einem Triptychon wurden sie zusammen dargestellt, also in einer Art von dreiteiligem Heiligenbild. Als Wolfgang Ullrich das Ensemble für die Ausstellung ausleihen wollte, hieß es: Nein, auf keinen Fall, die Bilder dürfen unser Haus nicht verlassen. Ob er es denn wenigstens im Katalog abdrucken dürfe? Nein.
Nur gut, dass die Künstler sich das Recht zusichern ließen, noch zwei weitere Versionen zu fotografieren. Eine davon ist jetzt in Berlin zu sehen. Hilmar Kopper und Rolf-Ernst Breuer sitzen, die Hände im Schoß, hoch oben im Büroturm der Deutschen Bank, die Einstecktüchlein blitzen aus den dunklen Anzugtaschen. Ihr Kollege Tessen von Heydebreck steht neben ihnen, stocksteif und gerade, ganz der Adelige aus Pommerschem Geschlecht. Hinter ihnen die Kulisse der Stadt Frankfurt - ihr Reich. Unfreiwillig zeigen die drei damit, dass sie sich in der Tradition von Fürsten und Königen sehen, als Herrscher über das Land. Kein Wunder, dass das Bild jetzt, in Zeiten der Bankenkrise, nicht mehr öffentlich gezeigt werden soll.
Vielleicht ärgern sich die drei Banker heute, dass sie sich von den Künstlern zu Posen haben hinreißen ließen, zu denen sie heute nicht mehr stehen wollen. Überhaupt scheinen die Künstler in dieser Ausstellung die einzig Unabhängigen zu sein. Sie lassen sich nicht so einfach vereinnahmen, bleiben meist distanziert. Selbst wenn Jörg Immendorff einen goldenen Kanzler malt, hat man immer den Verdacht, er könnte das nicht ganz ernst, sondern ironisch gemeint haben. Und Jonathan Meese erklärt in seiner eigens für die Ausstellung gefertigten Fotoarbeit klipp und klar: "Die Politik muss immer zur Kunst kommen, niemals umgekehrt."
Wer in der Ausstellung Originalgemälde erwartet, wird enttäuscht, es gibt nur wenige. Die Schau lebt vor allem von Fotos. Auch der stürzende Adler von Georg Baselitz ist nur als Großfoto zu sehen, kommt allerdings ab März im Original. Es lohnt sich also, noch zwei Wochen zu warten mit dem Museumsbesuch. Denn dann kann man selbst ein wenig Herrscher spielen und sich in Pose stellen vor dem Gemälde, das einst über dem Kanzlerschreibtisch hing.