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13. Juli 2007, 06:15 Uhr

Hier trifft sich die Bohème

Laisser-faire! Verruchte Wildheit!

Ein gewisser Konstantin alias "Coco" macht indes mit lautem Geklapper auf sich aufmerksam - seine Schuhsohlen sind mit Eisenringen verstärkt. Zusammen mit dem akrobatischen Werfen seines Spazierstocks im Takt der Swing-Musik ist er beim weiblichen Publikum sofort der Held des Abends. Alle Altersklassen sind vertreten: Ein Herr mit - echtem - weißen Schnurrbart präsentiert sich im gedeckt hellen Anzug und passender Fliege. Auf seinem Kopf thront ein originaler, roter Fez mit schwarzen Borten, wie ihn Sultane früher trugen. Die kirschroten Lippen einer Dame schließen sich um eine schwarze Zigarettenspitze, während ihr Begleiter etwas unschlüssig am Begrüßungscocktail nippt: Apfelsaft mit Grand Marnier, im Sektkelch gereicht. Angeblich auch ein Aperitif der 20er Jahre.

Nur einmal im Monat findet die Party statt, und die Stimmung vibriert so fühlbar, dass man sich tatsächlich in die Goldenen Zwanziger zurückversetzt fühlt. Zum Charleston und Swing füllt sich die Tanzfläche wie von selbst, Männer tanzen mit Männern, Frauen mit Frauen und Frauen mit Männern. Oder auch ganz allein. Laisser-faire! Verruchte Wildheit! Nächte ohne Morgen! Die orientalische Schönheit ist mit ihrem Begleiter allerdings nicht zufrieden: "Tritt mir nicht dauernd auf die Füße!" herrscht sie ihn etwas undamenhaft an.

"Leichte Mädchen" tanzen im Goldstaub

Kleine Dinge sind es, die den Reiz der Nacht ausmachen. Die 30 Millionen Reichsmark, die jeder Besucher zum Roulette-Spiel im Hinterzimmer bekommt, sind exakte Kopien des Geldes jener Zeit. Für jeweils 60 Millionen Reichsmark gibt es ein Gläschen hochprozentigen Absinth, stilecht serviert mit brennendem Zuckerwürfel. Nicht nur der Roulettetisch ist die ganze Nacht heiß umlagert. Auch beim Poker und der Black Jack wird gedrängelt - wobei die Damen das Roulette präferieren, die Herren eher das Pokern.

Im verruchten - aber keineswegs verrauchten - Ambiente legt der "Unterhaltungskünstler" Schallplatten mit Tanzmusik der 20er bis 40er Jahre auf, vermischt mit Charleston, Tango, Klezmer, französischen Chansons und russischer Volksmusik. Es ist tatsächlich so, wie es vollmundig in der Einladung geschrieben steht: Die "Roaring Twenties" röhren bis in die frühen Morgenstunden, der Goldstaub glitzert in der Luft und die "leichten Mädchen" halten den Rocksaum beim Tanzen kokett in der Hand.

Für alle Vorlieben der passende Salon

Nicht ganz so ausschweifend, aber nicht minder interessant sind andere Salons, in denen Musikvorträgen gelauscht oder auch diskutiert wird. Rund 50 Interessierte kommen immerhin zusammen, wenn Veranstalterin Silke Maschinger zum "erotischen Salon" einlädt, und dabei mit Gästen über Themen wie "Das spielerische Raufen für Erwachsene als Form der lustvollen körperlichen Auseinandersetzung", die weibliche Ejakulation, Erotik-Workshops für Behinderte oder Luxus-Swingerclubs diskutiert. Als Ort wählte sie einen mit Stühlen und bequemen Sofas ausgestatteten Raum in der Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg, die Nähe zu potentiellen Gästen dürfte dabei gegeben sein.

Improvisiert, und ein echter Geheimtipp in der Berliner Szene sind die sogenannten Wohnzimmerkonzerte, die private Salonatmosphäre und gemeinsames Musikerlebnis kombinieren. Initiatorin ist Elena Brückner. "Weltklassemusiker und lokale Talente" sollen sich ein Stelldichein im intimen Rahmen eines Wohnzimmers geben und hautnahen Kontakt mit interessiertem Publikum suchen. Das Konzept ist schnell umrissen: Drei Musiker, meist Singer und Songwriter, verwandeln das Wohnzimmer einer Privatwohnung in einen Konzertsaal und spielen je 40 Minuten. Kommen kann jeder, der sich anmeldet. Da meist nicht mehr als 40 Stühle in ein Zimmer passen, sind die Konzerte sehr schnell ausverkauft.

Luxus pur im "China Club"

Salons gibt es für jede Schicht: allen voran der im Hotel Adlon beheimatete "China Club", in dem allein die Aufnahmegebühr ab 10.000 Euro kostet. Aufgenommen wird hier allerdings längst nicht jeder, der das Geld hat. Wer es geschafft hat, hat Anrecht auf exklusive Warenhausbesuche etwa in den Galeries Lafayette - außerhalb der Öffnungszeiten, versteht sich. Ein klassischer Salon ist der "Hamburger Salon", hinter dem Doktor Heidrum Brauer und ihr Salon-Team steht. Brauer sieht sich in der Tradition der Berliner Salondame Rahel von Varnhagen. Zu den halbjährlich stattfindenden Abenden kommen prominente Besucher, es werden Texte rezitiert und am Ende des Abends wird Geld für einen guten Zweck gespendet. Die Abende sind vielleicht nicht so wild wie die der "Berliner Sauvage", dafür gehen die Gäste mit dem Gefühl nach Hause, etwas Gutes für sich und andere getan zu haben.

Berliner Salons:
www.berlinerzukunftssalon.de
www.bohemesauvage.de
www.liveintheliving.de
www.erotischer-salon.de
www.derschoenesalon.de
www.berlinerzimmer.de

Hamburger Salon:
www.salon-hamburg.com

Von Dirk Engelhardt
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