Insgesamt werden in den Kommunen wohl in den kommenden vier Jahren rund zwölf Milliarden Euro fehlen, so schätzt der Deutsche Städte- und Gemeindebund, dem vor allem kleinere Gemeinden angehören. Kultur als Staatsziel in der Verfassung - schön und gut. Aber was nutzt das, wenn kein Geld dafür da ist. Und die Bundesregierung auch noch Steuersenkungen verspricht.
Sogar einer wie Christian Ude, Oberbürgermeister des reichen München, bleibt nicht verschont vom Finanzdebakel. "Die Steuereinnahmen der Stadt fallen in diesem Jahr erheblich niedriger aus", klagt er‚ "und für das kommende Jahr droht ein weiterer Rückgang. Gleichzeitig steigen als unvermeidliche Folge der Krise die Ausgaben im Sozialbereich."
Sparen muss also sein. Aber nicht an der Kultur, hofft Ude. Denn die ist "ein unverzichtbares Lebensmittel für die Gesellschaft" und "ein Kapital, das unserer Gesellschaft unmerklich und geräuschlos einen geistigen Zins zurückzahlt".
Auch Helmut Müller, Oberbürgermeister von Wiesbaden will die Kultur "nicht als Steinbruch für Sparübungen" sehen. Aber was tun? In den Städten wartet man sehnsüchtig auf Mäzene, Stifter und zunehmendes Bürgerengagement. Doch auch vielen Privatleuten geht’s nicht mehr so blendend wie früher. Zudem ist die viel beschworene Public Private Partnership keine Traumlösung, denn manch ein Spender will auch bestimmen, wofür seine Gabe verwendet wird - und scheut schwierige, unpopuläre Kunst und Kultur. Folge: Nur noch Mainstream findet Geldgeber, unbekannte, schräge, oft besonders interessante Künstler bleiben außen vor.
Dorothee von Posadowsky etwa, die das Kultursponsoring beim Energiekonzert Eon leitet, ist da ganz ehrlich: "Sponsoring ist ein Geschäft von Leistung und Gegenleistung." Ausstellungen, die sie unterstützt, sollen bitte schön auch erfolgreich sein.
"Die Kultur fand ihre besten Förderer schon immer in einem großzügigen Mäzenatentum", glaubt dennoch Darmstadts Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) und pocht auf "Public Private Partnership". Und Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland ist überzeugt: "In Zukunft wird das private, das bürgerschaftliche Engagement eine immer größere Rolle spielen." Fragt sich nur, um welchen inhaltlichen Preis.
Sicher ist: Es wird "zu schmerzlichen Einschnitten" und "erheblichen Einschnitten bei den städtischen Kulturausgaben" kommen. Ob da ein Nothilfefonds des Bundes etwas nutzt, so wie ihn Olaf Zimmermann vom Deutschen Kulturrat fordert? Dabei geht es ihm weniger um die "großen Kulturtanker", sondern vor allem um kleinere Institutionen wie Kunstvereine oder um die Atelier- und Künstlerförderung. Ein Nothilfefonds könnte zweckgebundene Überbrückungsgelder zur Verfügung stellen. Nicht ideal. Aber bald vielleicht tatsächlich nötig.