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13. November 2009, 16:05 Uhr

Wird die Kultur kaputt gespart?

Insgesamt werden in den Kommunen wohl in den kommenden vier Jahren rund zwölf Milliarden Euro fehlen, so schätzt der Deutsche Städte- und Gemeindebund, dem vor allem kleinere Gemeinden angehören. Kultur als Staatsziel in der Verfassung - schön und gut. Aber was nutzt das, wenn kein Geld dafür da ist. Und die Bundesregierung auch noch Steuersenkungen verspricht.

Sogar einer wie Christian Ude, Oberbürgermeister des reichen München, bleibt nicht verschont vom Finanzdebakel. "Die Steuereinnahmen der Stadt fallen in diesem Jahr erheblich niedriger aus", klagt er‚ "und für das kommende Jahr droht ein weiterer Rückgang. Gleichzeitig steigen als unvermeidliche Folge der Krise die Ausgaben im Sozialbereich."

Sparen muss also sein. Aber nicht an der Kultur, hofft Ude. Denn die ist "ein unverzichtbares Lebensmittel für die Gesellschaft" und "ein Kapital, das unserer Gesellschaft unmerklich und geräuschlos einen geistigen Zins zurückzahlt".

Städte warten sehnsüchtig auf Mäzene

Auch Helmut Müller, Oberbürgermeister von Wiesbaden will die Kultur "nicht als Steinbruch für Sparübungen" sehen. Aber was tun? In den Städten wartet man sehnsüchtig auf Mäzene, Stifter und zunehmendes Bürgerengagement. Doch auch vielen Privatleuten geht’s nicht mehr so blendend wie früher. Zudem ist die viel beschworene Public Private Partnership keine Traumlösung, denn manch ein Spender will auch bestimmen, wofür seine Gabe verwendet wird - und scheut schwierige, unpopuläre Kunst und Kultur. Folge: Nur noch Mainstream findet Geldgeber, unbekannte, schräge, oft besonders interessante Künstler bleiben außen vor.

Dorothee von Posadowsky etwa, die das Kultursponsoring beim Energiekonzert Eon leitet, ist da ganz ehrlich: "Sponsoring ist ein Geschäft von Leistung und Gegenleistung." Ausstellungen, die sie unterstützt, sollen bitte schön auch erfolgreich sein.

"Die Kultur fand ihre besten Förderer schon immer in einem großzügigen Mäzenatentum", glaubt dennoch Darmstadts Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) und pocht auf "Public Private Partnership". Und Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland ist überzeugt: "In Zukunft wird das private, das bürgerschaftliche Engagement eine immer größere Rolle spielen." Fragt sich nur, um welchen inhaltlichen Preis.

Sicher ist: Es wird "zu schmerzlichen Einschnitten" und "erheblichen Einschnitten bei den städtischen Kulturausgaben" kommen. Ob da ein Nothilfefonds des Bundes etwas nutzt, so wie ihn Olaf Zimmermann vom Deutschen Kulturrat fordert? Dabei geht es ihm weniger um die "großen Kulturtanker", sondern vor allem um kleinere Institutionen wie Kunstvereine oder um die Atelier- und Künstlerförderung. Ein Nothilfefonds könnte zweckgebundene Überbrückungsgelder zur Verfügung stellen. Nicht ideal. Aber bald vielleicht tatsächlich nötig.

Von Anja Lösel
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KOMMENTARE (8 von 8)
 
Swissmiss (14.11.2009, 23:56 Uhr)
Umverteilung von Unten nach Oben
Bei Vielem im Kulturbetrieb handelt es sich im Grunde um eine Umverteilung von unten nach oben. Die sog. unteren Schichten gehen kaum in die Oper, klassische Konzerte (wieso werden eigentlich keine Madonna-Konzerte subventioniert) oder Kunstmuseen, da sie schlicht eine andere (selten subventionierte) Kultur interessiert (z.b. Rap-Konzerte, Volksmusik, Schülertheater) oder sie sich subventionierte Kultur trotz staatlicher Vergünstigung nicht leisten können. Die aus den mittleren und oberen Schichten hingegen würden auch dann ins klassische Konzert, Stadttheater oder Kunstmuseum gehen, wenns nicht staatlich Subventioniert wäre, da sie es sich ohnehin leisten können.
Und wegen der Moral: Die lernen die meisten übers Elternhaus, Schule, Kollegen, Diskussionen mit Mitschülern und Fensehen- halt aus dem alltäglichen Geschehen eben. Mir hat noch keine Kunstausstellung oder Oper irgendwas in moralischer Hinsicht gebracht.
rebegtar (13.11.2009, 18:29 Uhr)
Solidarität und Verantwortung
Da müssen sich doch einige wirklich ins Fäustchen lachen.

Ja, wir brauchen viele Kindergärten.
Ja, wir brauchen gute Schulen.
Ja, wir brauchen auch eine gute Versorgung der Kranken.

Und noch vieles mehr. Und wir brauchen Kultur. Eben nicht zur Unterhaltung der oberen 10000 wie hier einer geschrieben hat.

Und was wir überhaupt nicht brauchen ist eine Neiddebatte zwischen denjenigen die in diesem System zu den Verlierern gehören.

Und wenn wir in diesen Dingen nicht zusammenstehen dann werden wir überhaupt nichts erreichen. Dann sind wir nämlich nicht viel besser als diese "oberen 10000" die auch nur an sich denken und denen inzwischen auch jegliche gesellschaftliche Verantwortung und Solidarität abzugehen scheint.
Robbespierre (13.11.2009, 16:55 Uhr)
@ R.e.n.e.
Schon mal überlegt, daß Moral hauptsächlich über Kultur vermittelt wird? Schon mal zum Schluß gekommen, daß Moral der Antrieb ist zu solidarischem Handeln ist (und nebenbei auch Ihre Krippenplätze auf dieser Grundlage errichtet werden)?

Frankreich alimentiert seine Künstler, indem es einen Teil der Gage in den mauen Monaten weiterbezahlt. Das Ergebnis ist eine umwerfende Theater- Film und Literaturproduktion, die im Maschinenschrauberland Deutschland ihresgleichen sucht. Im Ergebnis lassen die Franzosen sich weniger Gefallen, gehen häufiger auf die Strasse, haben höhere Löhne und mehr Arbeitsplatzsicherheit durch eine bessere Industriepolitik, die sich gezwungenermassen auch am Menschen ausrichtet....
rockdino (13.11.2009, 15:43 Uhr)
Auch Künstler wollen leben!
Was den Zuschreibern hier entgangen ist: Künstler leben von Engagements und den Gagen!
Wenn die durch die Finanzkrise ohnehin schon schwierige Situation für Künstler weiter verschärft wird (schon jetzt gehen Aufträge für Musiker um mehr als 40 Prozent zurück), dann haben wir eine weitere Berufsgruppe, die das Maul an die tischkante schlagen kann.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass in unserer Stadt renommierte Künstler jetzt fast keine städtischen Aufträge mehr bekommen. Beispiel: ein Musikensemble hatte zuvor jährlich bis zu 6 Auftritte durch die Stadt. Dieses Jahr keinen einzigen...
R.e.n.e. (12.11.2009, 20:54 Uhr)
Auch mir leuchtet nicht ein, warum man sogenannte Kultur mit etlichen Millionen Euro Steuergeldern subventionieren sollte, während es noch nicht einmal ausreichend Krippenplätze gibt. Man muß halt immer Prioritäten setzen.
h.o.n.k. (12.11.2009, 19:54 Uhr)
@daunee
Wen interessiert, was Albert Wendt gesagt hat? Kann man den essen, wenn man am Verhungern ist?
daunee (12.11.2009, 19:48 Uhr)
Kultur?
@ h.o.n.k. : Albert Wendt sagte einmal : "Im gesellschaftlichen Leben gibt es keine kahlen Stellen. Wo keine Kultur ist, wächst Unkraut. "
h.o.n.k. (12.11.2009, 19:15 Uhr)
Kultur?
Wichtiger als Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser. Damit die Oberen Zehntausend sich auch morgen noch über das dumme Volk amüsieren können. Solange ein einziges Kind in einer einzigen Stadt hungern muß, sollte der ganze Kulturmist dicht bleiben! Nur werden die Politiker das Geld dann nicht für die ausgeben, die es nötig haben, beileibe nicht. Wo kämen wir denn da hin?
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