Wegweisender und spannender sind die Anime-Produktionen in düsterer Science Fiction-Manier. Kinofilme wie "Akira" oder "Ghost In The Shell" sorgten in den achtziger Jahren für Furore und inspirierten amerikanische Regisseure wie die Wachowski-Brüder, deren "Matrix"-Trilogie auf Anime-Motiven basiert. Warner Brothers und Appian Way, die Produktionsfirma von Leonardo DiCaprio, haben sich vor kurzem die Filmrechte von "Akira" gesichert und planen eine Realverfilmung des Klassikers, die dann allerdings nicht mehr in "Neo Tokyo", sondern in "New Manhattan" spielen soll.
Dass Comics in Japan eine lange Tradition haben, behauptet die Ausstellung "Mangamania" im Museum für Angewandte Kunst - und überzeugt mit überraschenden Beispielen, die diese These belegen. Beeindruckend ist ein fast zehn Meter langer Holzschnitt des Zeichners Adachi Ginko, der den japanisch-chinesischen Krieg von 1894/95 aus zeitgenössischer Perspektive schildert. Die Farbigkeit, die offensive Darstellung von Gewalt und der erzählerisch-dokumentarische Stil des Holzschnitts nehmen die Bildsprache der heutigen Comics vorweg und lassen das Werk irritierend modern erscheinen.
Schon damals fanden die japanischen Zeichner in Europa begeisterte Anhänger: Künstlern wie Cezanne oder van Gogh sammelten deren Holzschnitte exzessiv. Zum Manga, wie wir ihn kennen, wurden die Comics aus Japan trotzdem erst um 1940 - und das ausgerechnet durch den Einfluss Amerikas. Figuren und Filme aus den Studios von Walt Disney eroberten damals das Land. Junge Grafiker und Zeichentrickfilmer entwickelten aus den amerikanischen Vorbildern ihren eigenen Stil, der schnell populär wurde. Ihre ersten Auftritte hatten die neuen Comic-Charaktere dann ironischerweise vor allem in Propagandafilmen, die den Kriegsfeind USA angriffen.
Den Frankfurter Ausstellungsmachern ist ein umfassender Einblick in die Welt des japanischen Comics gelungen, obgleich man den Kuratoren vorwerfen kann, dass sie wichtige Entwicklungen - wie etwa die politisch brisanten Comics von Zeichnern wie Keiji Nakazawa ("Barfuss durch Hiroshima") oder Osamu Tezuka ("Adolf") - ausklammern. Das größte Lob für das Projekt kam von einem ausgewiesenen Experten. Auf der Pressekonferenz zur Eröffnung schilderte Shiriagari Kotobuki, Manga-Zeichner und Künstler, seine Begeisterung darüber, wie viele Originale und Raritäten für die Ausstellungen aufgetrieben wurden: "Erst in Frankfurt habe ich gelernt, was Manga bedeutet."
Die Ausstellungen:
"Anime! High Art - Pop Culture": bis 4. August im Deutschen Filmmuseum, Frankfurt, Informationen unter www.deutsches-filmmuseum.de
"Mangamania - Comic-Kultur in Japan 1800-2008": bis 25. Mai im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt, Informationen unter
www.museumfuerangewandtekunst.frankfurt.de
"Neo Tokyo3 - Architektur in Manga und Anime": vom 8. März bis 8. Juni
im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt, Informationen unter
www.dam-online.de