Er redet und redet und redet im Hotel Bleibtreu, versucht krampfhaft zu erklären, was schief gelaufen ist. "Das Kuriose ist ja, dass Dubai ein bizarres Artefakt aus absolutistischer Monarchie und neo-liberalem Wirtschaften bildet", sagt Schindhelm. An der Spitze stehe ein aufgeklärter Monarch, der zugleich Geschäftsmann sei und innerhalb kürzester Zeit ein Gigaunternehmen zu führen hatte. Also habe er einen Teil der Verantwortung an Gefolgsleute delegiert. Diese Gefolgsleute seien vor zehn oder 20 Jahren noch einfache Architekten oder Lehrer gewesen. Sie hätten seine Anweisungen benötigt. Aber der Scheich hatte heute über den Flughafen, morgen über Krankenhäuser und übermorgen über Internationale Beziehungen mit Amerika zu entscheiden. Keine Zeit. Was nun?
Die internationale Finanzkrise löste 2009 den Infarkt des Immobilienmarktes in Dubai aus. Die meisten Großprojekte liegen seitdem auf Eis. Der Freizeitpark Dubailand? Baustopp. Burj Nakheel, der geplante Einkilometerturm? Auf unbestimmte Zeit vertagt. Der größte Flughafen der Welt? Verzögert sich um viele Jahre. Kultur? Nun ja, das war die kleinste Sorge.
Schindhelm sah zu, wie Dubai innerhalb weniger Wochen kollabierte. "Es standen unzählige Frachtschiffe vor dem Hafen Schlange, um ihre Ladung zu klären, die plötzlich von niemandem mehr gebraucht wurde." Man habe gespürt, wie die Stadt all das, was sie über Jahre an Kapital, Menschen und Ressourcen angezogen und geschluckt hatte, jetzt wieder ausspuckte.
Das Land spuckte auch ihn wieder aus. Schindhelm, der Fiebrige, berät jetzt die Regierung in Hongkong in Kulturfragen. Trotzdem glaubt er weiterhin fest daran, dass Dubai es schaffen wird. Glaubt daran, dass Dubai nach der Krise reifer sein wird. Ist davon überzeugt, dass die Stadt attraktiver werden wird für normale Leute und "weniger sexy für einen Club von völlig bescheuerten Unterschichtenmilliardären". Und vielleicht klappt es dann auch irgendwann mit Kultur.
Ja, eine Oper wäre schön. Wäre.