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8. Juni 2008, 10:03 Uhr

Kunstschätze im Nazi-Bunker

Kunstbunker von Christian Boros, auf den er sein Wohnhaus setzen ließ© Noshe

Der Clou: Auf das Dach des Bunkers ließ Boros ein megaschickes Wohnhaus im Stil Mies van der Rohes setzen. Eine flache Kiste aus Beton, Stahl und Glas. Dort verbringt er nun mit Frau Karen und den beiden Söhnen die Wochenenden über den Dächern von Berlin - mit Pool und Garten.

An der rohen Betonwand hängt ein Punkte-Bild von Damien Hirst, das einen siebenstelligen Euro-Betrag wert ist. Gekauft hat er es 1991, als noch kaum jemand Hirst kannte und seine Bilder zu bescheidenen Preisen zu haben waren. Auch die drei Porträtbilder der englischen Malerin Elizabeth Peyton, die im Wohnzimmer rumhängen, dürften ihren Wert mindestens verzehnfacht haben, seit Boros sie besitzt.

Aber um Wertsteigerung geht es ihm angeblich ja nicht, sondern darum, die Kunst zu verstehen. "Kunst ist nicht wie Seife, die sich mit dem Gebrauch abnutzt. Kunst wird immer größer, je länger man sich damit beschäftigt", sagt Boros. Und: "Kunst ist dazu da, geteilt zu werden. Es gibt fast nichts Schöneres, als mit Freunden über Kunst zu reden."

Hoch über den Dächern von Berlin kocht er seinen Gästen einen Espresso in der riesigen Designerküche. Im offenen Kamin ist das Holz feinsäuberlich aufgeschichtet, das Wasser des Pools auf der Terrasse wirft Sonnenflecken auf die Decke. Eine Schale mit Nüssen und eine Vase mit Gladiolen stehen dekorativ herum. "Ist das zu sehr Schöner Wohnen?", fragt Boros unsicher. Und spielt das Lob über den edlen Muschelkalkboden herunter: "Ist im Prinzip nur hart gewordene Matsche."

Sammler mit Intuition und Glück

Seine Frau Karen Lohmann ist Kunsthistorikerin und arbeitet bei der Messe Art Basel. Berät sie ihn? "Sie spielt eine große Rolle bei den Entscheidungen. Aber wenn ich überzeugt bin von einer Arbeit und sie nicht, dann kaufe ich trotzdem. Bei Jonathan Meese habe ich das gemacht!" Deshalb ist er nun stolzer Besitzer von sieben Gemälden des chaotisch-liebenswerten Berliner Künstlers. Eins davon trägt den hübschen Titel "Der Seepferdlein-Cowboy mit Kuchenohren, Schokoladendaddy-Fingern und Whiskeyzähnchen". Viel Stoff für lange Kamingespräche.

Boros kam Anfang der siebziger Jahre mit seinen Eltern nach Deutschland. Da war er noch ein Kind und trotzdem schon der "Scheißpolacke". Klein von Statur musste er sein Leben lang kämpfen und sich beweisen. Mit 24 gründete er die eigene Werbeagentur, mit 25 fing er an, Kunst zu kaufen. Mit Intuition und Glück kaufte er Arbeiten genau der Künstler, die heute zu den hochbezahlten Superstars gehören.

Triebtäter für die Kunst

Wolfgang Tillmans etwa kaufte er, als dessen Fotos noch um die 400 Mark kosteten. Heute sind manche davon hundert Mal so viel wert - Ikonen der Klub- und Jugendkultur.

"Sammler sind triebhafte Menschen", sagt Boros. Sie kaufen, wenn sei kaufen müssen. Manchmal ohne nachzudenken und aus Bauch heraus. "Als Sammler darf man keine Angst haben", sagt Boros. Er hat das Glück, dass er als Werber um "die Kraft der Bilder" weiß. "Ein gutes Auge ist mein Beruf."

Seit neuestem haben die Sammler aber auch Macht - vor allem in Berlin. Kunstkenner wie Erika Hoffmann, Wilhelm Schürmann, Celine und Heiner Bastian oder Axel Haubrok besitzen und erwerben Werke, an die Museen sich noch nicht rantrauen oder die sie sich von ihren schmalen Budgets nicht leisten können. Plötzlich bestimmten Privatleute, welche Künstler ausgestellt werden, welche Werke die Öffentlichkeit zu Gesicht bekommen soll. Und verändern so Stadt und Kunstwelt.

Von Anja Lösel
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