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17. April 2007, 10:59 Uhr

Was bisher geschah

Aus dem "Celia"-Zyklus (2005): Erst zeichnet van Eeden die Bilder, dann setzt er per Schablone den Text - jeglicher Zusammenhang ist Zufall© Marcel van Eeden courtesy Galerie Zink, Berlin

Sein bisher reifstes Werk, die große Bildfolge "Celia", benutzt für diese erzählerische Bindung vier Texte; darunter Robert Walsers "Spaziergang" und T. S. Eliots "Cocktailparty". Zwar regiert auch bei dieser Arbeit der Zufall, den van Eeden als Hoheitsregel über Auswahl und Kombination seiner Motive stellt. Denn die Zeichnungen zu dem Zyklus entstanden alle ohne Text, der erst später mit einer Schreibschablone in die Weißräume der Blätter geschrieben wurde. Es besteht an keiner Stelle eine Text-Bild-Verbindung. Der erstaunliche Effekt ist, dass es trotzdem meist einen scheinbaren, lyrischen Zusammenhang gibt.

Die Verbindung von Bild und Text

"Der Mensch sucht immer automatisch eine Verbindung zwischen Bildebene und Textebene, deswegen findet er sie auch", meint van Eeden. Und genauso sucht man in der jahrelangen Abfolge von Zeichnungen eine Geschichte - und findet auch diese. Vergleichbar mit der Écriture automatique - dem automatischen Schreiben - der Surrealisten überlässt er im Rahmen seiner strengen Methode der Intuition, dem Unbewussten die Führung.

Reise in arabische und vorderasisatische Länder

Den nächsten Zyklus von 200 Blättern, "Der Archäologe - die Reisen des Oswald Sollmann", der im Juni in Tübingen präsentiert wird, entwickelt van Eeden auf der Grundlage einer vorformulierten Biografie. Der Wissenschaftler Sollmann zieht - wie van Eeden selbst - von Den Haag nach Berlin und reist in die arabischen und vorderasiatischen Länder.

Freiheit ohne Beliebigkeit

Seinen Grundregeln möchte der obsessive Zeichner bis an sein Lebensende treu bleiben. "Mein Konzept wirkt auf den ersten Blick wie eine Beschränkung, aber es gewährt mir unglaubliche Freiheiten. Gleichzeitig bewahrt es mich vor der Beliebigkeit", sagt van Eeden. Dazu gehört auch, dass er seine Theorie nicht orthodox begreift. Es gibt mittlerweile schon mal Tage, an denen kein Bild entsteht, Farbe schleicht sich in den schwarzweißen Kanon ein, und das Ende von "Celia" ist auch nicht zufällig gewählt. Zu Walsers Worten "spät, und alles war dunkel" hat van Eeden die Nachtansicht einer Stadt gezeichnet.

Aber die Kunst einer guten Coverversion ist es ja gerade, nicht pedantisch das Notat abzuspielen, sondern in der Interpretation das Alte wie etwas Neues klingen zu lassen. Und das gelingt Marcel van Eeden mit seinen orphischen Zeichnungen so inspirierend, dass man immer neue Coverversionen seiner künstlichen Vergangenheit sehen will. Und das soll tatsächlich möglich sein bis zu seinem Tod: auf www.marcelvaneeden.nl.

Ausstellungen: "Celia", 28. April bis 16. Juni,
Galerie Michael Zink, Berlin; "Der Archäologe", 16. Juni bis 26. August, Kunsthalle Tübingen.
Literatur: "Celia", Hatje Cantz Verlag, 2006, 23 Euro.
"K. M. Wiegand. Life and Work", Hatje Cantz Verlag, 2006, 24,80 Euro. Galerie: www.galeriezink.de

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