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9. April 2009, 16:40 Uhr

Jäger der verlorenen Schätze

Berge von Gold, versunkene Städte und göttliche Macht. Reichtümer der Menschheitsgeschichte schlummern weiterhin in Erde, Wasser und als Mythos. Trotz archäologischen Sensationen wie der Entdeckung des Grabes des Tutanchamun überlässt die Wissenschaft das Buddeln nach Schätzen lieber Laien. Von Johannes Musial

Tutanchamun, Tutanch Amun, Ägypten

Eine Replik der Maske des Tutanchamun tourt durch Deutschland© Lukas Barth/DPA

Die Gefahr kennt er. Sie ist wie seine Unterhose, immer dabei. Er selbst ist eine Legende. Er hat die bedeutendsten archäologischen Schätze gehoben: Bundeslade, Heiliger Gral, Eldorado. Schätze, nach denen Forscher seit Jahrhunderten suchen. Ihm immer auf den Fersen sind die Nazischergen, die ebenfalls die geheimnisvollen Preziosen an sich reißen wollen.

Soweit der Kurzabriss der Geschichte des bekanntesten aller Archäologen. Sie hat nur einen Haken: Sie ist Fiktion, erfunden von Steven Spielberg und George Lucas. Indiana Jones, der Universalarchäologe mit Nahkampfausbildung, kommt aus Hollywood. Weder die Bundeslade, noch der Heilige Gral oder Eldorado wurden jemals gefunden, so sehr auch danach geforscht wurde. Und viele andere Schätze gelten ebenfalls noch als unauffindbar: die Grabkammer der Cheops-Pyramide, der Schatz der Nibelungen, die Reichtümer der Inka, Atlantis oder - weniger mystisch - das Bernsteinzimmer. Die Liste ließe sich lange fortführen. Allein in Deutschlands Böden und Gewässern vermuten Wissenschaftler noch rund 1600 Tonnen Gold und Silber.

Schatz im Rhein

Darunter, glaubt man den Erzählungen und Legenden, ist auch der Schatz der Nibelungen. Gemäß der Sage hat ihn Hagen von Tronje im Rhein versenkt. Zwölf Leiterwagen voller Gold und Edelsteine fuhren vier Tage lang dreimal hin und her, um die Reichtümer fortzuschaffen. Nur Hagen wusste, wohin genau, und er starb mit seinem Geheimnis. Im "Nibelungenlied" heißt es: "Er ließ ihn bei dem Loche versenken in den Rhein". So suchten Schatzjäger seit jeher vor allem in der Nähe von Worms, wo es einst das Dorf Lochheim gab. Jahrhunderte der Suche blieben aber bislang ohne Ergebnis.

Auch so ein literarisch viel bedachter, bisher ungehobener Schatz gehörte den Inkas. Es gibt auch immer noch Schatzsucher, die hoffen, eines Tages das sagenumwobene Goldland Eldorado zu finden. Irgendwo in Südamerika sollen beide liegen. In Überlieferungen werden unfassbare Mengen von Gold und Silber beschrieben, von Räumen, die bis unter die Decke mit Kostbarkeiten gefüllt sind. Dass sie jemals gefunden werden, scheint mehr als unwahrscheinlich. Schon die spanischen Eroberer suchten fieberhaft danach, fanden aber nichts. Obschon sie auf ihren Beutezügen während der Eroberung des amerikanischen Kontinents tonnenweise Gold und Silber nach Hause schleppten.

Auch in der Cheops-Pyramide in Gizeh, Ägypten, vermuten manche Wissenschaftler und Goldgräber nach Jahren der Suche noch immer eine Grabkammer voller Geschmeide. Etliche Gänge und Hohlräume sind bis heute unerkundet. Die Suche nach der letzten Ruhestätte des ägyptischen Pharao Cheops elektrisierte zeitweise ganze Menschenmassen, die vor dem Fernseher sitzend dabei zusahen, wie im Jahr 2002 ein Roboter einen neu entdeckten Hohlraum erkundete. Aber auch hier fand man nichts. Mittlerweile hat das Interesse an weiteren "Tauchgängen" nachgelassen. Das liegt wohl auch an der strengen Forschungslizenzierung Ägyptens.

Die Suche nach dem Bernsteinzimmer

In der Aufzählung verschollener Schätze darf das Bernsteinzimmer nicht fehlen. Der preußische König Friedrich Wilhelm I. schenkte den Raum, der vollständig mit Bernstein verziert war, 1716 dem russischen Zaren Peter der Große. Im Gegenzug erhielt der preußische Herrscher 248 große russische Männer für seine Leibgarde der "Langen Kerls". Das Bernsteinzimmer fand sein neues Zuhause im Katharinenpalast bei Sankt Petersburg. Im Zweiten Weltkrieg erbeuteten es die Nazis und schafften es nach Königsberg. Ob es durch Luftangriffe zerstört wurde oder noch irgendwo in Russland oder Deutschland im Verborgenen liegt, weiß niemand. Fakt ist, dass es seit Ende des Zweiten Weltkrieges verschwunden ist. Seit 2003 befindet sich im Katharinenpalast eine prachtvolle Rekonstruktion.

Neben Gold-, Silber- und Bernsteinschätzen gibt es auch noch religiöse Gegenstände wie die Bundeslade und den Heiligen Gral, die ihrem Besitzer laut Legende und Indiana Jones göttliche Macht verleihen. Auch danach wird bis heute hartnäckig gesucht.

Mit göttlicher Kraft aufgeladener Fetisch

Die Geschichte des Heiligen Grals beginnt vor etwa 900 Jahren und ist so verwirrend wie widersprüchlich. Mal ist es eine Schüssel, die Jesus beim Letzten Abendmahl verwendete, mal ein Kelch, den seine Anhänger nutzten, um sein Blut am Kreuze aufzufangen. Sicher sind sich die Überlieferungen nur in einem Punkt: Der Gral ist ein mit göttlicher Kraft aufgeladener Fetisch, der Jugend und ewige Lebenskraft spende. Bewacht wurde er laut Legende von den Gralsrittern in der Gralsburg. Finden könne ihn nur ein Auserwählter. Ritter Parzival hat es mal geschafft. Er wurde in die Tafelrunde von König Artus aufgenommen, entdeckte den Gral und führte das Königreich zur Blüte. Wegen der Artus-Saga vermuten viele die Gralsburg sowie den Gral in England oder Wales. Aber auch die französischen und spanischen Pyrenäen stehen hoch im Kurs.

Erfahren Sie in Teil zwei, warum Archäologen nicht mehr nach den großen Schätzen suchen, was Tutanchamun mit Troja zu tun hat und wieviel die Himmelsscheibe von Nebra wert ist

Auf den Spuren Tutanchamuns Eine großartige Ausstellung in München zeigt den kostbarsten Schatz der Welt, nämlich die Grabbeigaben für den legendären Tutanchamun, genauso wie ihr Entdecker Howard Carter sie 1922 fand.
"Tutanchamun - sein Grab und die Schätze" ist vom 9. April bis zum 30. August 2009 in der Event-Arena im Olympiapark zu sehen. Tickets gibt es unter www.tut-exhibition.com, sie kosten zwischen acht und 19 Euro

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