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Crash-Boom-Bang mit Tortenschlacht

"Slapstick" heißt die neue Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg. Und fast wie Slapstick wirkt die Anreise: Hochwasser unterhöhlte die Bahngleise, der Trip wird zu einem Abenteuer.

Von Anja Lösel

Vorsicht, Bananenschale: In der Ausstellung "Slapstick" werden im Kunstmuseum Wolfsburg Objekte von Künstlern wie Erwin Wurm, Fischli/Weiss oder Bruce Nauman gezeigt und mit Szenen aus Filmen mit Charlie Chaplin, Buster Keaton, Harold Lloyd oder Laurel & Hardy kombiniert.

Vorsicht, Bananenschale: In der Ausstellung "Slapstick" werden im Kunstmuseum Wolfsburg Objekte von Künstlern wie Erwin Wurm, Fischli/Weiss oder Bruce Nauman gezeigt und mit Szenen aus Filmen mit Charlie Chaplin, Buster Keaton, Harold Lloyd oder Laurel & Hardy kombiniert.

Würden Sie sich gern mal die Fresse polieren lassen? So richtig heftig, bis die Nase blutet? Und dabei gleichzeitig zum Kunstwerk werden? Dann nichts wie los nach Wolfsburg. In der amüsanten "Slapstick"-Ausstellung kann jeder die "Nose Punch Machine" ausprobieren, ein Gerät des polnischen Künstlers Szymon Kobylarz, das mit einem hölzernen Arm ordentlich zuschlägt, sobald man das Schwungrad dreht.

Gefährlich? Nun ja. Man muss ja nicht zu nah rangehen. "Es gibt einige Sicherheitsrisiken in der Ausstellung", sagt Museumsdirektor Markus Brüderlin mit einem Augenzwinkern. Aber was wäre eine Slapstick-Schau ohne die Gefahr auszurutschen oder eins ausgewischt zu bekommen.

Also aufgepasst! Da liegt mitten im Raum eine Bananenschale - der Slapstick-Klassiker schlechthin. Aber diese Bananenschale ist mehr, sie liegt auch noch auf einer Seife, die wiederum auf Fett gebettet ist. Mehr Übertreibung geht kaum.

Slapstick hoch zehn

"Kaum jemand rutscht auf einer Bananenschale aus", sagt Uta Ruhkamp, die sich die Ausstellung ausgedacht hat. "Aber wir alle reagieren auf die Szene, weil wir sie aus unzähligen Filmen kennen." Und genau darum geht es: Was bringt uns zum Lachen? Warum ist Schadenfreude die schönste Freude? Und wie lassen Künstler sich heute von altbekannten Slapstick-Szenen zu neuer Kunst anregen?

Es ist auch eine Ausstellung zum Mitmachen. Wer Lust hat, kann sich nicht nur die Nase blutig schlagen lassen, sondern auch noch andere Absurditäten ausprobieren. Auf den schrägen Bänken von Jeppe Hein abrutschen, durch die Duchamp-Tür gehen und sich verirren. Sich in eine enge Umkleidekabine quetschen und so, wie Buster Keaton es 1928 im Film "The Cameraman" vormachte, in größte Bedrängnis geraten.

"Es wird viel gelacht in der Ausstellung", sagt Uta Ruhkamp. Die Besucher erzählen sich gegenseitig von Pleiten, Pech und Pannen, kichern vor den Filmen von Charly Chaplin, Buster Keaton und Dick und Doof. Freuen sich an Schlägereien, Verfolgungsjagden, Crash-Boom-Bang und Unmengen von Sahnetorten.

Schon die Tortenschlacht von Lauren & Hardy im Film "The Battle oft the Century" von 1927 war eine ziemliche Sauerei. Eine noch größere hat der Künstler Alexej Koschkarow 2003 angerichtet. Auf einer Party mit 30 Gästen ließ er 800 feinste Butterkremkuchen durch die Gegend werfen. Eine herrliche Würdigung an die beiden Slapstick-Könige Dick & Doof.

Zähneputzend am Zifferblatt

Ohnehin sind die direkten Gegenüberstellungen von Slapstick-Klassikern und neuer Kunst am schönsten. Buster Keaton hängt mit regungsloser Miene am Zifferblatt einer Uhr hoch über der Straße. Der Amerikaner Gordon Matta Clark stellt die Szene 50 Jahre später nach und setzt noch einen drauf: Während er da hängt, rasiert er sich, duscht und putzt sich die Zähne.

Charlie Chaplin verspeist in "Gold Rush" seine Schuhe, der Hamburger Künstler John Bock isst unter größten Verrenkungen Ravioli mit einem Löffel, der an das Bein eines Lehnstuhl genagelt ist. In "Modern Times" gerät Charlie Chaplin in ein Fließband. Die Schweizer Fischli und Weiss produzierten für ihren Film "Der Lauf der Dinge" eine endlose und hochkomische Kettenreaktion von kippenden Eimern, fallenden Besenstielen und stürzenden Stühlen.

"Alle elementare Komik gründet sich darauf, dass der Mensch in einer lächerlichen und peinlichen Lage handeln muss", sagt Charlie Chaplin mal. In so einer Lage sind zurzeit auch die Wolfsburger und ihre Besucher. Weil das Hochwasser die Bahngleise unterspült hat, ist die "Slapstick"-Ausstellung von Berlin aus nur über Umwege zu erreichen. Aber die bringen ja oft den größten Spaß.

Die Ausstellung "Slapstick" im Kunstmuseum Wolfsburg ist noch bis zum 2. Februar 2014 zu sehen

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