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2. Dezember 2006, 09:18 Uhr

Brüste, Dildos und verstümmelte Hutus

Eine höchst provozierende Ausstellung ist gerade in Berlin eröffnet: Neben Fotos von verstümmelten Hutus findet man Elizabeth Taylor in pink und mit weißem Schoßhündchen. So sieht es aus, wenn man Newton neben LaChapelle und Nachtwey hängt.

Der amerikanische Fotograf David LaChapelle bei der Eröffnung der Ausstellung "Men, War & Peace" in Berlin© Franka Bruhns/AP

Auf der einen Seite Hollywood, nackte Brüste und goldene Dildos, auf der anderen Leichen, verstümmelte Glieder und Kriegstrümmer: Die Ausstellung "Men, War & Peace" im Berliner Museum für Fotografie ist ein "Wechselbad der Gefühle", wie Kurator Matthias Harder sagt. Erstmals werden dabei Arbeiten des 2004 gestorbenen Fotografen Helmut Newton gemeinsam mit den verstörenden Bildern des renommierten Kriegsfotografen James Nachtwey und den poppigen Inszenierungen von David LaChapelle gezeigt.

"Helmut hat die beiden sehr bewundert, erzählt June Newton, die am Freitag die Ausstellung gemeinsam mit Nachtwey und LaChapelle vorstellt. Sie schwärmt von den beiden als "Meister", die sich auf dem Podium über das Lob der alten Dame freuen. "Man kann nicht einfach Titten und Ärsche daneben hängen", sagt sie über die Auswahl der Männerporträts von Helmut Newton, die sie anstelle der berühmten "Big Nudes", der riesigen nackten Frauen, mit den Werkgruppen der beiden amerikanischen Fotografen kontrastiert.

Im Newton-Raum blickt nun Gerhard Schröder neben Helmut Kohl den Besucher an, wenige Schritte daneben hängen Karl Lagerfeld (vor seiner Diät), Nicolas Cage (mit nackter Brust) und Luciano Pavarotti (in Monte Carlo). Dieser Teil der Schau ist aber eher eine ehrfürchtige Verneigung vor Newton, der seiner alten Heimat Berlin seinen Nachlass vermachte - den Grundstock für das 2004 eröffnete Museum - und der auf dem Friedhof in Schöneberg nahe Marlene Dietrich begraben ist.

Das Wesentliche der Ausstellung spielt sich in den anderen beiden Räumen von "Männer, Krieg & Frieden" ab. Dort beweisen Nachtweys Bilder, warum der leise, mittlerweise ergraute Amerikaner als einer der besten Kriegs- und Krisenfotografen der Welt gilt. Er ist immer genau dort, wo das Elend am größten ist: in Afghanistan, in Tschetschenien, im Irak oder auch in New York, wo er bei den Terroranschlägen am 11. September 2001 atemberaubende Bilder der einstürzenden Wolkenkratzer festhielt. Auch das preisgekrönte "World Press Photo", das einen im Gesicht verstümmelten afrikanischen Hutu zeigt, gehört zu den Exponaten.

"Das ist eine sehr provozierende Ausstellung", sagt Nachtwey mit Blick auf den Kontrast zu den kitschigen wie morbiden Inszenierungen seines Kollegen LaChapelle. Der geht mit allen üblichen Prominenten- Bildern und Popklischees noch eine Stufe weiter. Elizabeth Taylor trägt ein pinkfarbenes Gewand und dazu ein weißes Schoßhündchen, Model Naomi Campbell wird von einem Astronauten mit heruntergelassener Hose bedrängt, Paris Hilton streckt dem Fotografen den Mittelfinger entgegen. Beim "Abendmahl" sitzen amerikanische Rapper rund um Jesus. Ob das im digitalen Zeitalter alles echt ist, spielt anders als beim Chronisten Nachtwey keine Rolle.

Die Fotoausstellung "Newton Nachtwey LaChapelle: Men, War & Peace" ist vom 3. Dez. 2006 bis 20. Mai 2007 im Museum für Fotografie in Berlin zu sehen.

Caroline Bock/DPA
 
 
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