Die Berlin-Nackte ist zurück

15. Februar 2007, 10:31 Uhr

Sie ist zurück. Bai Ling, Chinesin, Schauspielerin, Playmate, selbst inszenierter, Mann und Frau verschlingender Vamp. Als Berlinale-Jury-Mitglied verdiente sie sich einst den Namen "Berlin-Nackte", jetzt ist sie Kunstobjekt. stern.de hat Bai Ling bei der Vernissage getroffen - und zeigt Fotos. Von Florian Güßgen

Schauspielerin, Playmate, Vamp, Kunstobjekt, fast immer freizügig: Bai Ling auf einem Foto der Ausstellung "8 Spirits"©

Der Name Bai Ling beglückt den Deutschen an sich mit zweierlei Assoziationen: Er denkt, erstens, an ein Paar oft und gerne gezeigte Brüste. Und, zweitens, an einen Sketch von Gerhard Polt. "2785 Mark und a bisserl was, ab Bangkok Airport", hatte Polts Figur Grundwürmer für seine legendäre thailändische Katalogfrau Mai Ling dereinst gezahlt. "Sag einmal schön Grüß Gott, Mai Ling!"

Beim Namen hören die Ähnlichkeiten zwischen der Polt'schen Fiktion und der Ling'schen Realität aber auch schon auf. Denn für die Chinesin ist Sex nicht der letzte Ausweg, nicht Unterwerfung. Im Gegenteil. Bai Ling zelebriert ihren Körper, stilisiert sich als erotischen Man-Eater, als Männer und Frauen verschlingender Vamp. Ihren Körper stellt sie offen und herausfordernd zur Schau: Sex ist Macht. Was schert es Bai Ling schon, dass sie eher Abklatsch ist als Original, ein Imitat der Madonnas und Sharon Stones dieser Welt?

"Sex ist besser als jede Droge"

Sicher, Bai Ling, 36, hat auch Filme gemacht. Viele. "The Crow" etwa, "Wild, Wild West", "Dumplings" oder Spike Lees "She hate me." Sicher, in China ist sie ein Star. Heißt es. Und sicher: Vor zwei Jahren war sie Mitglied jener Jury, die auf der Berlinale den Goldenen Bären vergibt. Aber berühmt haben Bai Ling nicht ihre Filme gemacht. Berühmt wurde die zierliche Chinesin, weil sie auf spärliche Kleidung steht - "Berlin-Nackte" wurde sie genannt, als sie freizügig durchs kalte Berlin stöckelte. Berühmt wurde sie, weil sie sich für den "Playboy" auszog. Dazu pflegt sie gerne das Image der Verruchten. Sie habe mindestens 50 Liebhaber gehabt, verriet sie der "Bild" 2005. Mittlerweile ist sie, natürlich, auch bi. Und "News of the World" sagte sie: "Ich verführe jeden. Ich liebe es, nackt zu sein. Sex ist einfach das Größte, besser als jede Droge." Na bravo.

Nun ist also wieder Berlinale, und Bai Ling ist zurück. Als Foto-Objekt. Nicht für den "Playboy", sondern für Udo Spreitzenbarth, den Fotografen. Sie ist jetzt Kunst, gerne auch textilfrei. "8 Spirits" heißt das Ensemble aus 25 Fotos, die Ausstellung, die sie bis Ende März in Berlin zeigt. Für schlappe 18.500 Euro pro Foto können Sie sich Bai Ling ins Wohnzimmer hängen. Mal scharz-weiß, mal farbig. Vor dem Reichstag, vor dem Brandenburger Tor, in der Wüste, oder, das ist truly apart, vor einem Porträt von Wilhelm Zwo. Mal gibt sie sich züchtig, mal in Rüschen, mal im Slip. Häufig oben ohne. Chinese beauty, old European style. Das ist nicht billig. Das ist klar.

Ein "teuflisch-köstlicher" Slip

Wobei. Rauschend-funkelnd, verrucht-wild war die Vernissage, auf der es Fotos und Modell am Mittwochabend zu besichtigen gab, beileibe nicht. Eher bieder, was auch an der Umgebung liegen mag. Denn Bai Lings Fotos hängen nicht etwa in einer hippen Galerie, nicht in einer schlüpfrigen, rotlichtigen Umgebung, sondern, brav in der ersten Etage eines Business-Hotels in Berlin-Mitte, dort, wo man sonst eher die typischen weich gezeichneten Blumenbilder vermuten würde. Der Teppichboden ist praktisch grau-grün, der angrenzende Konferenzsaal heißt "Willy Brandt."

Aber was soll's? Bai Lings Körper wird nun manch geschniegeltem Gast aus dem mittleren Management eines deutschen Groß- oder Kleinkonzerns den morgendlichen Weg vom Zimmer in die Frühstücks-Landschaft versüßen, zumindest bis zum 20. März. Vielleicht bleibt das Managerlein dann kurz vor dem Foto "Car Service IV" stehen. Es zeigt die Chinesin, wie sie sich aufreizend auf der ledernen Rückbank einer Limousine räkelt, nur mit einem schwarz-pinken Slip bekleidet. Sie bietet sich an. Vielleicht rückt der Mann dann ein Stück näher, lugt Bai Ling verschämt in den Schritt, und versucht, den Schriftzug auf dem Slip zu entziffern. "Devilicious" steht da drauf. "Teuflisch-köstlich". Gleich gibt's Kaffee und Rühreier.

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