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7. Juli 2008, 19:26 Uhr

Sozialwohnungen sind Weltkulturerbe

Schön anzusehen sind die Hochhäuser heute nicht mehr: Sechs Berliner Wohnsiedlungen sind von der Unseco zum Welterbe erklärt worden. Die einst als Sozialwohnungen geplanten Häuser waren zu ihrer Zeit revolutionär.

Blick aus der Vogelperspektive auf die Hufeisensiedlung im Berliner Bezirk Neukölln, die von 1925 bis 1933 nach Plänen von Bruno Taut und Martin Wagner entstand© DPA

Sechs Berliner "Siedlungen der Moderne" sind von der Unesco in die Liste des Welterbes aufgenommen worden. Das teilte die Deutsche Unesco-Kommission in Bonn mit. Die sechs denkmalgeschützten Siedlungen repräsentierten einen neuen Typus des sozialen Wohnungsbaus aus der Zeit der klassischen Moderne und übten in der Folgezeit beträchtlichen Einfluss auf die Entwicklung von Architektur und Städtebau aus, hieß es zur Begründung.

Die "Reformsiedlungen" entstanden in den Jahren 1913 bis 1934, zwischen dem Ersten Weltkrieg und dem Machtantritt der Nationalsozialisten. Zu ihnen zählen die sogenannte Weiße Stadt, die Gartenstadt Falkenberg, die Siedlung Schillerpark, die Hufeisensiedlung Britz, die Wohnstadt Carl Legien sowie die Großsiedlung Siemensstadt. Außer Architekten wie Bruno Taut, Hans Scharoun und Walter Gropius waren auch Otto Bartning, Hugo Häring, Martin Wagner und Heinrich Tessenow beteiligt.

Anfang der 20er Jahre fehlten in Berlin 130.000 Wohnungen. Die, die es gab, waren häufig dunkel, eng und feucht. Die Weimarer Verfassung garantierte jedoch "jedem Deutschen eine gesunde Wohnung". Zusammen mit der Avantgarde aus Kunst und Architektur versuchte die Politik, ihre sozialpolitischen Utopien umzusetzen. So schufen Architekten wie Taut, Gropius und Scharoun funktionale, schlichte Wohnanlagen. Anders als in den Mietskasernen des 19. Jahrhunderts waren in den avantgardistischen Berliner Sozialbauten Bad, Toilette und Zentralheizung Pflicht. Die Grundrisse orientierten sich am Ideal der Kleinfamilie, es gab getrennte Zimmer für Wohnen und Schlafen, es gab Balkon oder Loggia.

Düstere Hinterhöfe gehörten der Vergangenheit an, die Anlagen waren hell, die Bewohner sollten in den Grünanlagen Erholung finden. Zudem war das Ganze erschwinglich, Wuchermieten waren tabu. Es wurden auch architektonische Trends gesetzt: Die klaren Formen und Strukturen waren wegweisend für die Baumeister des 20. Jahrhunderts. Zeilenkonzepte ersetzten die Blockbebauung. Vor allem Taut setzte Farbakzente.

Häufig waren in die Siedlungen auch Einkaufsläden, Cafes, Arztpraxen integriert. Berlin wurde so zur Metropole des modernen Städtebaus. Die Siedlungen sind auch heute noch begehrt. Immer mehr junge Familien zögen in die mittlerweile größtenteils sanierten Quartiere, meldete die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Rund 10.000 Menschen leben momentan hier. Die Wohnungen sind heute häufig in Privatbesitz.

Mit der Neuaufnahme der Siedlungen ist Deutschland jetzt mit 33 Stätten in der Unesco-Liste des Welterbes vertreten. Berlin hatte mit der Museumsinsel und den Preußischen Schlösser und Gärten bereits zwei Stätten in der Liste.

AP
 
 
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