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17. Oktober 2006, 18:38 Uhr

Der wiedergefundene Schatz Berlins

Acht Jahre lang wurde es renoviert. Nun strahlt das Bodemuseum auf der Berliner Museumsinsel in frischer Pracht und feiert feierliche Eröffnung. Es lohnt sich, Schlange zu stehen: Hier locken unglaubliche Schätze. Von Anja Lösel

Eine Perle in der Mitte Berlins: das Bodemuseum© Michael Kappeler/DDP

Am schönsten ist es, sich über die neue Monbijoux-Brücke zu nähern. Grade noch rechtzeitig wurde sie fertig, um die ersten Besucher des Bodemuseums über die Spree zu geleiten. Schon von weitem sieht man die goldenen Krönchen der Kuppel glitzern. Auf dem Fluss schippern die Ausflugsdampfer. Man spaziert hinüber zum Weltkulturerbe Museumsinsel, steht vor dem gewaltigen neubarocken Rundbau des Bodemuseums, schlüpft zur überraschend kleinen Tür hinein. Und da ist es: das berühmte Treppenhaus mit dem Kuppelsaal und dem Reiterstandbild des Großen Kurfürsten. In Weiß und Gold glänzend schwingt es sich elegant in die Höhe: ein wahrhaft kaiserlicher Empfang.

Tatsächlich war das Haus 1904 Kaiser Friedrich gewidmet. Erst die DDR benannte es nach seinem Gründungsdirektor Wilhelm Bode. "Wasserpalast" nennt es Peter Klaus Schuster, der Generaldirektor der Staatlichen Museen von Berlin. "Ein hinreißend schönes Museum" sei es geworden, ein "wiedergefundenes und wiedergeschenktes Kunstschloss in der Mitte Berlins". Mit sehr unterschiedlichen Räumen wie dem großen Kuppel-Treppenhaus, der Basilika, dem kleinen Rokoko-Treppenhaus - und dem Tiepolo-Saal. Der kleine Barockraum war zerstört gewesen und konnte nach alten Fotos rekonstruiert werden mit seinen eleganten, grauen Fresken auf gelbem Grund. Eine von vielen Sensationen des Hauses.

Düsterer und maroder Kasten

Das Bodemuseum war im Krieg 25 Mal von Bomben getroffen worden. Die DDR hatte es wieder aufgebaut und gepflegt, aber nie von Grund auf saniert. Deshalb war es ein düsterer und maroder Kasten mit Schwamm in den Wänden geblieben. Nun glänzt alles neu. In 66 Räumen sind über 2000 Kunstwerke zu sehen - von der Spätantike bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Die Skulpturensammlung mit über 1700 Stücken ist die größte und vielleicht bedeutendste der Welt und war noch nie so schön präsentiert.

Wer das Museum wirklich genießen und auskosten will, der sollte sich Zeit nehmen. Viel Zeit. Sollte sich einfach über die "Goldene Achse" hineinziehen lassen bis zur Basilika. Die ist das Herz des Museums, gebaut nach dem Vorbild einer Renaissance-Kirche von Michelangelo. Bode nannte sie seine "große Lunge zum frischen Durchatmen". Also noch einmal ganz tief durchatmen - und dann geht es los auf den kostbaren Marmorböden. Es gibt jede Menge zu entdecken.

Prächtiges Orange

Im Saal der italienischen Renaissance fängt es schon an. Da überstrahlt eine Marienfigur mit unverschämt knallorangem Kleid alle anderen Werke. So ein Orange kann es doch um 1420 gar nicht gegeben haben, denkt man. Gab es aber doch. Ein paar Meter weiter: die bezaubernde "Tänzerin" von Antonio Canova (1809). Mitten im Raum steht sie. Die Sonne scheint auf ihr Marmorgewand und lässt es aussehen wie zarten Tüll. Bauch und Brüste zeichnen sich darunter ab. Den Eröffnungsgästen zu Ehren scheint sie sich zu bewegen: schön, erotisch, elegant. Und das alles in hohen, hellen Räumen mit hölzernen Kassettendecken, lichtdurchflutet im Geiste der Renaissance, mit schönen Ausblicken auf die Spree und auf das benachbarte Pergamonmuseum.

Fast wie eine Tänzerin sieht auch Anton Feuchtmayers Maria aus (1717). Dabei sollte die Mutter Gottes eigentlich nichts Laszives haben. Sie hat's aber doch, und das macht sie so aufregend. Stolz schwenkt sie ihr barockes Gewand, eine Hand auf der Hüfte, die andere auf der Brust, sieht aus, als würde sie sich drehen und dem Betrachter zuwenden.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 42/2006

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