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Erfindungen, die die Welt nicht verändern

Ein Brillenventilator zum Zwiebelschneiden, ein Butterbrot-Stift in Labello-Form - seine Erfindungen braucht niemand. Kenji Kawakami veröffentlicht trotzdem Bücher, betreibt eigene Internetseiten und eröffnete ein Museum in Tokyo. Einziges Thema: die nutzlosesten Erfindung, die die Menschheit je gesehen hat.

Von Christian Weiß

Kenji Kawakami ist der "Schöpfer" der Chindogus. Das sind Erfindungen, deren Einsatz im wirklichen Leben mehr Probleme verursachen als lösen würde. Chindogus sind ein kreativer Witz, eine Satire auf die Erfindungs- und Nützlichkeitssucht. Der Spritzschutz für Spaghetti-Esser, die Ein-Finger-Zahnbürste, das Rücken-Kratz-Shirt, der Unterarmventilator zum Kühlen des Essens, Hausschuhe für Mensch und Haustier, die das Putzen erledigen.

Chindogus leben besonders von ihrem lächerlichen Effekt. Sie verlieren sofort ihre Sonderrolle, sobald man sie kommerziell nutzen kann. "Bei normalen Erfindungen geht es nur ums Geld machen", so der Erfinder. "Das ist mit Chindogus anders. Sie lehren uns, wie wir kreativ Ideen umsetzten können."

"Der Geist der Anarchie"

Kawakami hat eigens Gesellschaften gegründet, die das Prinzip der Chindogus in der Welt verbreiten sollen. Insgesamt gibt es mehr als 10.000 Mitglieder, besonders in den USA scheint die Philosophie der "schrulligen Werkzeuge" bei Konsumverweigerern gut anzukommen. "Unuseless inventions" müssen vom "Geist der Anarchie" getragen werden, kündigt Kawakami auf seiner Internetseite an. Dort kann man auch ein Zehn-Punkte-Programm nachlesen, in dem klare Leitlinien für die Erfindungen gegeben werden. Chindogus dürfen weder patentiert werden, noch in den Verkauf gelangen. Der einzige Sinn der Erfindung ist mit einer lächerlichen Erstvorführung erreicht. Chindogus wie die Lippenstift-Maske zum Schmincken oder die Augentropfen-Eintropf-Brille leben von diesem Effekt.

Chindogu in Cambridge

Selbst in Cambridge werden alljährliche Chindogu-Wettbewerbe veranstaltet – mit 100 Dollar Materialkosten ausgestattet sollen Studenten dort in kurzer Zeit eine möglichst nutzlose Erfindung bauen. In seinem letzten Buch hat Kawakami die Philosophie auf den Punkt gebracht. "Man muß davon ausgehen, das der menschliche Fortschritt überhaupt nur möglich war, weil es eine Unzahl an Blindgängern und Fehlschlägen gegeben hat." Auch auf seiner Internetseite bleibt er seinen Prinzipien treu – wenig Information und bis auf die Fotos vollkommen nutzlos. Die aber sind zum brüllen komisch. Die "humane Fliegenklatsche" zum Beispiel – ein Insektentöter mit einem Loch in seiner Mitte.

Der exzentrische Mister Oakes

Der wahre Erfinder der Chindogus ist aber ein Amerikaner. Auch wenn er sich dessen nicht bewußt war. Russell E. Oakes ist wahrscheinlich der umtriebigste Erfinder des 20. Jahrhunderts gewesen. Nicht jede seiner Neuheiten konnte sich auf dem Markt durchsetzen. Zum Beispiel der "Doughnut Dunker", eine Konstruktion zum Aufhängen und Tunken von Gebäck. Oder der "Butterschoner", eine Art Käseglocke die verschmierte Hemdsärmel am Küchentisch verhindern sollte. Oder die Spaghetti-Wickelgabel. Oder oder. Zwar konnte er für seine exzentrischen Erfindungen keine Patente anmelden, aber immerhin seinen Lebensunterhalt sichern. Oakes entdeckte, dass er mit seinen Apparaturen zur Attraktion auf Jahrmärkten und Festen werden konnte und tingelte so durch die USA.

Deutschland hinkt nach

Aber auch hierzulande geht der Erfindergeist manchmal auf Abwegen und produziert serienweise Chindogus. Unabsichtlich wahrscheinlich. Und im Geschäft können sie bereits gekauft werden - eine Todsünde. Eine Knickschutztüte für Filtertüten zum Beispiel oder der Brennstempel für Grillfleisch. Damit kann der eigene Name auf das Steak gestempelt werden. Oder anderer Unsinn. Die deutsche Liebe zum Erfinden geht durch den Magen: Eine Plastikeistüte, die die Eiskugel mechanisch dreht ist aber genauso unnütz wie ein Bananenteiler zum Scheibenschneiden.

Die Internetseite zu den "Chindogus"

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