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6. Juni 2007, 06:25 Uhr

Funkelnder Totenkopf für 74 Millionen Euro

Der britische Künstler Damien Hirst ist bekannt für aufsehenerregende und teure Werke. Sein mit 8601 Diamanten besetzter Totenschädel, der in London ausgestellt wird, setzt mit einem Preis von 74 Millionen Euro eine neue Rekordmarke für zeitgenössische Kunst. Von Cornelia Fuchs

Schillert und funkelt: der Totenschädel von Damien Hirst© Prudence Cuming Associates Ltd/Getty Images

Es schimmert, wie eine Konzentration von tausend Sternen strahlen muss, ohne den schwarzen Nachthimmel im Hintergrund. Es heißt "For the Love of God", übersetzt etwa "Um Himmels Willen". Aber auch "Für alles, was uns lieb ist". Und es ist ein Schädel, lebensecht in Platinum nachgegossen, mit 8601 reinen Diamanten besetzt von mehr als 1800 Karat. Es ist das Prachtstück der neuen Ausstellung von Damian Hirst, zu sehen seit Sonntag bis zum 7. Juli in den zwei Ausstellungshäusern der Galerie "White Cube" in London.

Reichster Gegenwartskünstler

Seine alte Bissigkeit habe er zurückgefunden, sagen die einen Kritiker, die in dem Protz-Luxus-Kunstwerk Hirsts Kritik an seinen eigenen Käufern ausmachen wollen, den Hedgefonds- und Bankmanagern. Die stehen für seine Kunstwerke Schlange und haben ihn längst zum reichsten Gegenwartskünstler unserer Zeit gemacht. In der Eingangshalle der Deutschen Bank im Londoner Finanzdistrikt beispielsweise hängt ein Hirst, ein rundes Bild aus seiner "Punkte"-Phase.

Andere sehen in dem Diamantenspektakel den endgültigen Beweis, dass sich Hirst dem Mammon hingegeben hat und den Geschmäckern seiner Kunden nachgibt. 74 Millionen Euro soll der Schädel kosten, bei etwas über 14 Millionen Euro Produktionskosten, die Hirst und sein Freund und Kunsthändler Jay Jopling selber aufgebracht haben, eine schöne Gewinnspanne. Angeblich stehen schon Interessenten Schlange für Hirsts glitzerndes Momento Mori.

Eingelegter Tigerhai für zehn Millionen

Seine Ausstellung "Beyond Belief" ist eine Feier für und damit gegen den Tod. Riesige blutrote und lila-farbene Bilder, mit Skalpellen und gebrochenem Glas übersät, sind Vergrößerungen mikroskopischer Aufnahmen verschiedener Krebsarten, wunderschön tödlich. Daneben steht ein in Formaldehyd eingelegter Hai, in zwei Teile geteilt. Der Besucher kann zwischen den beiden Becken hindurchgehen und in die Eingeweide des Tieres schauen. "Death explained" (Tod, erklärt) heißt diese Skulptur, eine Anspielung auf eines seiner berühmtesten Kunstwerke, den eingelegten Tigerhai mit dem Namen "Die physische Unmöglichkeit des Todes im Geiste eines Lebenden". Für zehn Millionen Euro hat diesen ersten Hai 2005 ein amerikanischer Sammler gekauft, er wurde erst im vergangenen Jahr aufwändig restauriert.

Hirst wiederholt sich in seiner Ausstellung, ohne langweilig zu werden. Er hat offensichtlich die Angst aufgegeben, dass er erkennbar wird, dass alle ihn nur als den wahrnehmen, der Tiere einlegt und Schmetterlinge hinter Bilderrahmen klebt. Stattdessen klebt er immer schönere Schmetterlingsbilder und legt inzwischen ganze Anbetungs-Szenarien in Formaldehyd ein: Zwei Schafe gehen vor einer Säuglings-Inkubator in die Knie. Die christliche Ikonographie durchzieht die neuen Skulpturen Hirsts, sei es die weiße Taube, die im Becken zu schweben scheint oder das schwarze Schaf, dass von vielen Pfeilen durchbohrt wird und dabei aber irgendwie selig schaut. Es ist der Tod, der in den Schmerzen die Erlösung bringt. Oder, wie der Kunstkritiker Rudi Fuchs die Botschaft Hirsts interpretiert: "Die unvermeidliche Nähe des Todes ist der realste Aspekt menschlichen Lebens."

Von Cornelia Fuchs
 
 
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