15. Juni 2007, 15:05 Uhr

Das Märchen von 1001 Chinesen in Kassel

Es ist das teuerste Documenta-Projekt aller Zeiten: Für sein Kunstprojekt "Fairytale", also "Märchen" schickt der chinesische Künstler Ai Weiwei 1001 Chinesen nach Kassel. 3,1 Millionen Euro kostet das Vorhaben. Für die Teilnehmer ist es das Erlebnis ihres Lebens. Von Anja Lösel

Junge Chinesinnen fotografieren in den Kasseler Gottschalk-Hallen ihre Eindrücke der documenta©

Die Chinesen sind da. In kleinen Gruppen streifen sie durch Kassel, gucken, lächeln, freuen sich. Noch ist die Documenta 12 nicht eröffnet, aber sie sind schon dabei, die Stadt zu erobern - als Teil eines ungewöhnlichen Kunstwerkes und als heimliche Stars.

Fast alle sind jung, gebildet und neugierig - und fotografieren, was ihnen vor die Kamera kommt. Wang Yang etwa hat in Peking Elektrotechnik studiert, ist jetzt Popsänger und lichtet grade eine Kasseler Mutter mit Kleinkind ab. Weil das Mädchen so einen lustigen Sonnenhut auf dem Kopf hat.

Xing Rui, eine junge Frau in Jeans und T-Shirt und mit rot gemalten Lippen, arbeitet an der Uni in Peking. Jetzt sitzt sie auf einer Bank und fotografiert die alte Zeltfabrik, in der sie eine Woche lang wohnen wird. Und die Häuser gegenüber. Und den Papierkorb. Und den Hund des Sicherheitsmannes, der einen schwarzen Umhang mit der Aufschrift "Security" trägt. Alles ist fotografierenswert. Am liebsten aber mag sie Hunde und Katzen: "Die sehen in Deutschland ganz anders aus als in China." Am Arm trägt Xing Rui einen neongrünen USB-Stick. Darauf speichert sie ihre Fotos. Am Ende der Reise wird sie den Stick dem Künstler Ai Weiwei übergeben, genau wie alle anderen 1001 Chinesen. Der wird die Bilder sammeln und dokumentieren.

Unkomplizierte deutsche Bürokratie

"Fairytale" nennt Ai Weiwei seine Arbeit: "Märchen". Und ein Märchen ist es wirklich, nicht nur für die Chinesen, die ausnahmslos zum ersten Mal in Deutschland sind und sich die Reise allein niemals hätten leisten könnten. Auch für Ai Weiwei, der völlig überrascht wurde von der unkomplizierten Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden. "Ich bin so beeindruckt", sagt er.

Er ist dafür verantwortlich, dass 1.001 Chinesen sich in Kassel wohlfühlen: der Künstler Ai Weiwei©

Der schwere Mann mit dem Ziegenbart ist in China ein Star. Einer, der mit seiner Kunst aneckte, das Land verließ, zwölf Jahre in den USA arbeitete und seit 1993 wieder in China lebt. Dort gilt er inzwischen als einer der mächtigsten Männer des Kulturbetriebes, berät Kunstsammler, Galeristen und Architekten. Zusammen mit den Baseler Architekten Herzog & de Meuron (Allianz Arena München, Elbphilharmonie Hamburg) baut er gerade das neue Olympiastadion in Peking.

Als er von documenta-Chef Roger Buergel nach Kassel eingeladen wurde, beschloss er, nicht allein zu kommen, sondern noch 1000 weitere Chinesen mitzubringen. Sie sollten die Chance bekommen, Neues zu erfahren - ganz im Sinne des Bildungsideals, das die Documenta 12 propagiert.

Die Auserwählten fand Ai Weiwei über seinen Blog im Internet: blog.sina.com.cn/aiweiwei. Zwei Tage nachdem er den Aufruf gestartet hatte, hatten sich schon mehr als 1000 Leute gemeldet, die mitfahren wollten, am Ende waren es über 3000, die gern mitfahren wollten, und Ai Weiwei musste per Fragebogen die geeigneten aussuchen. Die meisten sind Studenten, Künstler, Architekten, Designer, Leute, die mit dem Internet vertraut sind. Aber einige von ihnen haben auch ihre Eltern, Onkels und Tanten mitgebracht. Familie Wu wird Ende Juni sogar mit 19 Personen kommen. "Jeder sollte das Recht zum Reisen haben", findet Ai Weiwei, "auch einfache Leute vom Land. Aber viele haben nicht mal Pässe, kein Geld, keine Chance."

Es ist das teuerste Documenta-Projekt, das es jemals gab. 3,1 Millionen Euro kostet es, die 1001 Chinesen nach Kassel zu bringen. Jeweils 200 kommen gleichzeitig und bleiben eine Woche, dann werden sie von der nächsten Gruppe abgelöst. Die Kosten tragen zwei Schweizer Stiftungen, die Ai Weiweis Galerist Urs Meile aus Luzern aufgetrieben hat. Erhoffter Nebeneffekt: Wenn der Künstler auf der documenta erfolgreich ist, dann steigt auch sein Marktwert und die Galerie kann das Geld wieder zurückzahlen.

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KOMMENTARE (10 von 12)
 
042020 (17.06.2007, 03:35 Uhr)
@SILBADOR
deiner war der einzige gute beitrag.
sicher werden einige fehlen beim
zuruckflug ?
Silbador (16.06.2007, 13:18 Uhr)
Hoffentlich ...
fliegen auch 1001 Chinesen wieder nach China zurück.
shibote (16.06.2007, 10:16 Uhr)
lesen
http://www.sueddeutsche.de/,ra4l2/kultur/artikel/780/118642/
das ist Kassel
In Kassel wohnt man nicht, in Kassel lebt man...
SuperJuliusKrause (16.06.2007, 00:20 Uhr)
einen hab ich noch;-)
http://www.focus.de/kultur/kunst/documenta_aid_63478.html
warum werden graffiti sprayer weggesperrt und warum dürfen solche kunst terroristen unschuldige menschen mit uralten, total unsinnigen strichen in gefahr bringen!?
SuperJuliusKrause (16.06.2007, 00:12 Uhr)
documenta=sachbeschädigung
liest euch mal das hier durch:http://www.focus.de/kultur/kunst/documenta_aid_63527.html
ich emphele herzlichst, die kommentare durchzulesen
SuperJuliusKrause (15.06.2007, 23:51 Uhr)
begründung?
mag ja sein das die documenta nur in kassel ist, aber warum sind berlin, hamburg und münchen seitneustends total langweilig und warum ist kassel besser?
vitus_bronsky (15.06.2007, 21:32 Uhr)
Blödsinn - SuperJuliusKrause
Also so einen Schwachsinn habe ich noch nie gelesen. Was schreibst Du denn da!! Du musst doch auch mal ein bißchen nachdenken!! Berlin, Hamburg, München - das sind momentan total langweilige Städte. Kassel: Das ist's. Und im übrigen: Grad ist da die Documenta. Die gibt's nicht in Berlin. In Berlin gibt's Döner. In Kassel die Documenta. Verstanden? SuperJulius?
SuperJuliusKrause (15.06.2007, 20:43 Uhr)
warum kassel???
warum sind die nicht nach berlin, münchen oder hamburg gegangen?wenn die zurück nach hause kommen und sagen:ich war in kassel! dann weiß doch keiner wo das ist.außerdem wäre zb berlin besser gewesen, da man dort mehr kultur geboten kekommt
Trampler (15.06.2007, 19:50 Uhr)
@DropBearHunter
Wo muss man die 1000 Euro zahlen? Das wäre mir ganz neu, dass das nur so geht. Mein letzter Besuch aus China musste jedenfalls keine 100 Euro Kaution irgendwo hinterlgen.
Wobei die Visabestimmungen der EU schon sehr hoch sind, für meinen Geschmack zu hoch. Ist schon sehr aufwendig ein Visa zu erhalten. Als deutscher nach China geht es einfacher. Flug nach Deutschland komme auf die Airline an, ab 600 Euro geht es nach FRA mit China Eastern.
Und die Millionen werden sicher nicht nur für deren Reise genommen :)
DropBearHunter (15.06.2007, 18:31 Uhr)
@sternet
pro Reisepaß sind in China ca. 1000€ Kaution fällig + Flug für ca. 800...
und schon ist über die Hälfte weg
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