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14. September 2007, 20:28 Uhr

Meisner rechtfertigt Rede

Weil ihm bestimmte Formen der Kunst nicht gefallen, warnte der Kölner Erzbischoff Kardinal Joachim Meisner davor, dass "die Kultur entartet". Diese Formulierung aus der Nazizeit hat einen Sturm der Kritik hervorgerufen - doch der Kardinal verteidigt seine Wortwahl.

Eine Marienfigur ist die Art von Kunst, die Kardinal Meisner gefällt© Jörg Koch/DDP

Der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, hat bei einer Rede im Kölner Dom "entartete" Kultur kritisiert und damit heftige Kritik ausgelöst. Bei der Einweihung des neuen Kunstmuseums Kolumba sagte Meisner am Freitag im Kölner Dom: "Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet."

Der nordrhein-westfälische Kultur-Staatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (CDU) wies die Bewertung nicht-religiöser Kultur als "entartet" scharf zurück. "Dass Kardinal Meisner sich zu einem solchen Sprachgebrauch hinreißen lässt, ist erschreckend und zeigt, dass er keinerlei Zugang zu Kunst und Kultur hat", sagte der CDU- Politiker dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Das von Gerhard Richter entworfene neue Fenster des Kölner Doms fand nicht die Gnade des Kardinals© Oliver Berg/DPA

"Wenig Sinn, mit Meisner über Kunst zu diskutieren"

Meisner rechtfertigte die umstrittene Passage im Gespräch mit dem Kölner "Domradio". Er habe "nur ganz schlicht sagen wollen, dass wenn man Kunst und Kultur auseinanderbringt, dann leidet beides Schaden." Grosse-Brockhoff hielt dem entgegen, das Wort "entartete Kunst" stehe für eines der schlimmsten Kapitel der deutschen Geschichte und einen katastrophalen Umgang mit Kunst und Kultur.

Bereits Meisners Äußerungen zum neuen, von Gerhard Richter entworfenen Fenster im Kölner Dom hätten "bewiesen, dass es wenig Sinn macht, mit ihm über Kunst zu diskutieren. Und das sage ich nicht nur als Kulturstaatssekretär, sondern auch als Katholik." Kardinal Meisner hatte sich gegen das neue, vor knapp drei Wochen eingeweihte, abstrakte Glasfenster des Künstlers Gerhard Richter im Kölner Dom ausgesprochen.

Die Nationalsozialsten hatten rund 16000 moderne Kunstwerke beschlagnahmt und damit eine so bezeichnete "Säuberung" der deutschen Kunstsammlungen eingeleitet. Schon unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten waren ab 1933 Berufsverbote gegen moderne Künstler, Käufer moderner Kunst oder Hochschullehrer verhängt worden. In München hatte Hitlers Chef-Propagandist Joseph Goebbels eine Ausstellung "Entartete Kunst" initiiert. Sie zeigte 650 konfiszierte Kunstwerke aus 32 deutschen Museen.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 53)
 
cocowesten (17.09.2007, 18:23 Uhr)
Perversion und Entartung
-muß die katholische Kirche wohl ersteinmal in ihren eigenen Reihen suchen.
Immer wieder neue Fälle von Kindesmißbrauch geschehen hier, und werden nach Möglichkeit unter den tiefsten Teppich gekehrt, der sich finden lässt. Das diabolische Antlitz tritt hervor(um im Terminus zu bleiben). Aber die Sünde hat die katholische Kirche ja auch gleich mit im Pachtvertrag. Im Namen Gottes wird gelogen, betrogen und mißbraucht. Es ist nicht zu ertragen.
brean (16.09.2007, 17:54 Uhr)
Wiederholungstäter Meisner - Nazi-Talk
aus einer Meisner Rede 2003:
"Wenn nun aber die humanistischen Werte und Ideen Europas auf sich
selbst gestellt sind und nicht mehr um diesen gemeinsamen
Bezugspunkt, um diese Verbindung mit dem transzendenten Absoluten
wissen, dann ist dies nicht einfach nur bedauerlich, sondern höchst
gefährlich.
Sie scheiden dann nämlich gleichsam auf natürliche Weise giftige
Stoffe aus, die langsam das lebendige Gewebe unseres christlichen
Abendlandes verseuchen und vergiften und schließlich zerstören,
sodass die abendländische Gesellschaftsordnung kollabieren muss...
Unsere europäische Gegenwart trägt darum auf vielfältige Weise solche
Todeskeime in sich, die den gesunden Organismus vergiften, ja zum
Kollabieren kommen lassen... Kann der europäische Mensch aus eigener
Kraft all diese Gifte ausschwitzen oder überwinden ?"
noch Fragen?
Midnight_74 (16.09.2007, 14:29 Uhr)
Es gibt nur eine Lösung
So fest, wie die Kircheleitung mit dem dritten Reich verwurzelt war, sollte man sich in seinen Äusserungen etwas zurücknehmen. Trotzdem ist jegliche Aufregung zuviel: die einzige Möglichkeit ist und bleibt ein Kirchenaustritt. Gläubig sein kann man weiterhin und wer etwas gutes tun möchte kann immerhin spenden...
Antononius (16.09.2007, 08:34 Uhr)
"Pervertierung"...!
Der Dom- und Erz-Baumesiter erhabener Gedanken sprach auch aus:
"In besonderer Weise ist das aber durch die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus mit dem Menschen geschehen. Wie der Philipperbrief der heutigen Lesung sagt: Er, Christus, der Sohn Gottes, hat sich vielmehr selbst entäußert, indem er Knechtsgestalt annahm und den Menschen gleich wurde. Im Menschen begegnen wir Christus, dem Sohn des lebendigen Gottes selbst. Darum sagt Papst Johannes Paul II.: „Der Mensch ist der Weg der Kirche“ (Redemptor hominis 14). Derselbe Papst beschloss seine Einführungspredigt vor fast 30 Jahren mit den Worten: „Mit welcher Ehrfurcht muss ein Apostel Christi dieses Wort ‚Mensch’ aussprechen!“. Den Menschen umgibt ein letztlich nicht auflösbares Geheimnis. Wie oft hört man in der Umgangssprache: „Ich kann diesen Menschen nicht verstehen“, oder als Selbstbekenntnis: „Ich kenne mich selbst nicht mehr“. Das ist so, weil durch die Menschwerdung Gottes jeder Mensch vom Glanz Gottes berührt und geprägt ist. Und darum ist seine Pervertierung so groß, wenn er diese Identifikation auf Gott hin vergisst und dadurch zum Ohne-Gott oder gar zum Antigott wird, wie wir es in der Geschichte des 20. Jahrhunderts in Europa in grausamster Weise erleben mussten. (...)"
*
Entartung: Pervertierung...:

Dass die katholische Kiche in ihren erhabenen, auserwählten Würdenträgern (den sexuell ungeübten und unaufgeklärten zölibatären Knilchen) Kinder und Frauen nicht nur missbrauchen, sondern auch ohne Hilfe läßt, .... ist eher gottlos, als wenn Kunst, wie z.B. gegen das "Dritte Reich", gegen Machtanmaßungen und Dummheiten und Verbrechen von Bischöfen und Päpsten aufstand und protestierte.
Die katholizistische Kirche hat sich noch nie selber kritisch - sondern immer andere - Kritiker, Wissenschaftler, Denker, Philosophen, selbstständige, eigenverantwortliche Frauen geschädigt, massakriert,umgebracht.
Wo war das die "Mitte" in oder durch Gott?
Sie war im Anus der Ahnungs- und Verantwortungslosen.

Miriamne (16.09.2007, 01:25 Uhr)
Ja, geschmacklos verzierte Kirche
Da gebe ich ihm recht. Am besten abreissen die Dinger! Damit verblasst vielleicht irgendwann auch die Erinnerung daran, dass der Katholik Hitler Beistand von der Kirche bekam.
Da machen die neueren Entgleisungen den Kohl auch nicht mehr fett.
Zudem würde gefährliche Orte für die Kinder entfallen.
brean (16.09.2007, 01:22 Uhr)
@hannes73
um den nazis-vergleich ging es mir primär garnicht, wie sie sicher beim aufmerksamen lesen verstehen konnten.
Es geht um die Anmaßung irgendeiner machtvollen Gruppe - hier Kath. Kirche - sich irgendeine Deutungshoheit über die Freiheit der Kunst und der Kultur, somit einer wichtigen Grundlage des (gemeinschaftlichen) Lebens aneignen zu wollen. Man kann gerne kontrovers diskutieren. Aber Meisner, der, und da bin ich mir sicher, ganz genau wußte, was passieren würde, wenn er das Wort "entartet" benutzt - Meisner also träumt von Allmachtsfantasien der Kirche. Etwas so "deine Kunst ist nicht vom heiligen Geist inspiriert und zeigt den Menschen nict in seiner von Gott bestrahlten Art" - du bist entartet, du bist falsch, du bist nicht menschlich - und ich kann mich dem heute geprägten Begriff des "geistigen Brandsifters" in dieser Hinsicht anschließen.
Abschließend von meiner Seite sei gesagt, dass die Diskussion hier im Stern-Forum doch ziemlich gesittet abgelaufen ist.
Ich hatte mal kurz auf anderen Zeitungssites geschaut, z.B. auf welt.de und da haben sich die Nazis und Unverbesserlichen nur so überschlagen:
Auszüge: "Dann darf man ja auch bald nicht mehr auf der autobahn fahren, die sind ja auch vom Adolf" oder "WErft endlich diese Kirchenfenster ein" oder Links zu brauner Propaganda.
diesbezüglich spreche ich von "geistiger Brandstiftung", da werden die stamm rechten Bürger, die wir zu Hauf haben an ihre pseudo-christlichen Ehre gepackt und dürfen endlich mal gegen diese Freiheitsbeschneidung in dieser 68er-Demokratie krakelen.
Ich denke nicht das "die Medienwelt" irgendjemandem, irgendeiner Generation ein schlechtes Gewissen einreden will. konkret ist festzustellen das Frau Herman in ihren Büchern schon länger ein überkommenes Menschen und Frauenbild gepredigt hat, das am rechten Rand sehr beliebt ist UND das Herr Meisner, der ja für seine Grundhaltungen bekannt ist, mal wieder provozieren wollte, gerade wo die Bösen Entarteten ihm so ein Kunst-Machwerk in seine schöne Kirche gesetzt haben - das fand der halt doof, das er merkt, das er und seine Kirchenbande nichts mehr zu melden haben - das hat mal gebellt.
The future is Bright.
sachsenwini (15.09.2007, 22:19 Uhr)
@ Hannes73 Volle Zustimmung

Das könnte man als Schlusswort gelten lassen.
Hannes73 (15.09.2007, 21:58 Uhr)
@brean
"Die Vorherrschaft von Menschen über Menschen", genau das erleben wir doch heute durch die Medien, die
einen gewissen Mainstream schaffen und pflegen, und die jeden in eine rechtsextreme Ecke stellen, der sich da nicht brav einreiht. Die Beispiele dafür häufen sich doch geradezu in letzter Zeit.
Und unter diesem Druck ist der Mensch doch nur scheinbar frei, denn alle nichtfolgenden Geister werden heute noch genau so wirksam
gedemütigt und abgestraft (Naziverdächtigungen, Nazikeule), wie das mit anderen Mitteln vor Jahrhunderten von der Kirche ausging.
Der Unterschied zu früher ist nur, dass man jetzt die Anders-Denkenden nicht mehr mittels körperlicher Strafen und Qualen abstraft, sondern dass man sie als dumm, als schwachgeistig oder als uneinsichtig vor einem Millionenpublikum ganz öffentlich disqualifiziert.
Und was die heutige Kirche angeht, da hat sie sich hingegen seit dem Mittelalter zur echten Humanität gewandelt und stellt keine Gefahr
für die menschliche Freiheit mehr dar.
Und was ist mit der jetzigen Generation unserer Menschen, die nach der Nazizeit geboren wurde? Sind das weiterhin Nazis, wenn sie nur mal Begriffe verwenden, die in der Nazizeit negativ belegt waren? Merkt denn keiner, wie man einer ganzen "nicht schuldigen" Generation immer wieder eine Demutshaltung aufzwingt? Wozu wollen oder brauchen diese Medien-Mächtigen denn eigentlich 62 Jahre danach immer noch eine Generation mit sovielen Schuldkomplexen?
sachsenwini (15.09.2007, 19:34 Uhr)
Es geht hier nicht um den Wartesaal des Hauptbahnhofs
sondern um den Kölner Dom, und der Kardinal hat wohl nicht von der Kunst und ihrer Substanzlosigkeit allgemein sondern von der sakralen Kunst innerhalb christlicher Einrichtungen gesprochen.
Ich glaube, da muss man ihm schon eine eigene Meinung erlauben.
brean (15.09.2007, 18:32 Uhr)
das hat mit Religionhass nichts zu tun
@Hannes73:
Das ist es was ich so unverzeihlich an den christlichen Verführern finde.
Wir haben die Hochkultur gepachtet und waren der Ursprung aller wichtigen Werte hier und morgen und immer. Alles andere ist Dekadenz und Untergang.
Leider blenden sie a) damit die gesamte Kichengeschichte aus, die sich über die Jahrhunderte bis in die Neuzeit gegen den Weg der Menschen gestemmt hat, in eigener Regie, wenn auch mit vielen Rückfällen, Moral und Werte aus einer menschlichen Sicht herauszuentwickeln und gleichzeitig einen Respekt und eine Verantwortlichkeit über das eigene Wesen hinaus zu entwickeln - das kann sich die Kirche nicht auf die Fahne schreiben (ich erinnere nur an den letzten Ausfall des Vatikans gegen Amnesty International).
Kirche ist von vorgestern, denn sie beruht auf der Vorherrschaft von Menschen über Menschen aufgrund eine übernatürlichen Deutungsquelle - das ist Unfreiheit, die weder zu wahrer Freude noch nachhaltiger Verantwortung führt.
Und deswegen muss gegen diese Äußerungen eines Herrn Meisners vorgegangen werden, da will jemand die Deutungshoheit, die ihm und seinem Verein nicht zusteht.
The future is Bright
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