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13. Januar 2002, 10:37 Uhr

Andreas H. Bitesnich - Tension

Der Österreicher Andreas H. Bitesnich inszeniert seine Modelle als kunstvolle Statuen. Ein Besuch bei dem Bildhauer unter den Fotografen in seinem Studio in Wien. Von Irmgard Hochreither

Andreas H. Bitesnich, Tension Andreas Bitesnich

"Pilar", Kenia, 1994© Andreas H. Bitesnich

Der Mann in Jeans und Wolljacke wirkt sanft und liebenswürdig. Gelassenheit strahlt er aus, wie einer, der in sich ruht und genau weiß, was er will. Was man nicht sieht: Andreas H. Bitesnich brennt. Innerlich. Er gehört zu denen, die eine Kerze am liebsten gleichzeitig an beiden Enden anzünden. Ein Besessener auf der Jagd nach Perfektion, nach perfekter Form, perfekter Balance, perfektem Spiel zwischen Licht und Schatten.

Es ist fast so, als würde der 37-jährige Wiener ein bisschen den lieben Gott spielen. Aber einen, der sich nicht einmal am Sonntag Ruhe gönnt. Bitesnich hasst das Wochenende, »denn da hat das Labor geschlossen«. Schöpfungs-Akte dulden eben keinen Aufschub. Und darum geht es ihm: den menschlichen Körper immer wieder neu zu entdecken, neu zu erschaffen, überirdisch schön, grafisch klar und kraftvoll.

Bitesnich ist der Bildhauer unter den Fotografen, er bannt Skulpturen auf die zweidimensionale Ebene des Papiers. »Die Personen auf meinen Bildern sind so, wie ich sie sehen möchte«, sagt er, »es ist meine Projektion. Auf der Straße würde sich keiner nach ihnen umdrehen.« In der statuenhaften Schönheit spiegele sich sein Respekt. Denn für ihn sei »jeder Mensch, der Modell steht, etwas ganz Besonderes«.

Wer die Bilder betrachtet, könnte auf die Idee kommen, dass der Künstler vor allem an Waschbrettbäuchen, muskulösen Schenkeln und Armen interessiert ist. »Ganz falsch«, wehrt Bitesnich ab, »es geht mir nur um die Balance, die Proportion, die Gewichtung im Bild. Entscheidend ist, dass die Person fotografiert werden möchte. Den perfekten Körper hat sowieso niemand. Aber wer vor dir seine Kleider ablegt, der gibt ja sehr viel preis von sich. Nacktheit macht verletzlich. Und das ist vielleicht auch der Grund, warum vor allem die Leute, die stolz sind auf ihren athletischen Körper, den Mut und den Wunsch haben, von mir fotografiert zu werden.«

Eigentlich wollte Bitesnich Modefotograf werden. Aber nachdem er für den deutschen »Playboy« und andere Magazine ein paar Mal Aktfotos produziert hatte, »entwickelte sich eine Eigendynamik. So wurde ich quasi da hingetrieben.« Dass seine Bilder häufig einen homoerotischen Touch haben - kein Problem für den Österreicher. Im Gegenteil. Drei Jahre lang fotografierte er die preisgekrönte Kampagne für die Wiener Aids Hilfe, seine Männerakte erscheinen in internationalen Schwulenmagazinen, viele schwule Männer posieren für ihn.

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