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14. Februar 2008, 12:24 Uhr

Keine Nackten in der U-Bahn

Bizarre Posse in Londons U-Bahn: Ein Museum wirbt auf einem Plakat mit einem Bild von Cranachs "Venus" für eine Ausstellung. Die für Werbung zuständige "London Transport" findet das Plakat jedoch anstößig - und verbannt die nackte Schönheit aus dem Untergrund. Von Cornelia Fuchs, London

Das Plakat des Anstoßes: Die Venus von Lukas Cranach auf der Ausstellungsankündigung der Royal Academy of Arts© DPA

Da steht sie mit einem feinen Lächeln auf den Lippen, nackt, bis auf einen fast unsichtbar angedeuteten Schal, den sie in ihren weißen Händen hält. Die Venus von Lucas Cranach dem Älteren sollte auf einem Werbeplakat auf die Ausstellung der Bilder des deutschen Malers aufmerksam machen, die am 8. März in der Londoner Royal Academy of Arts beginnt.

Doch das Plakat werden die Londoner, zumindest in den Gängen und Zügen ihrer U-Bahn, wohl nicht zu Gesicht bekommen. Zu provokativ sei diese historische Dame, urteilten die Zuständigen bei "London Transport", die alle Werbung in der Londoner Tube genehmigen müssen. "Millionen Menschen reisen jeden Tag mit unseren U-Bahnen, und sie haben keine Wahl, als das anzuschauen, was dort als Werbung aufgehängt wird. Wir müssen auf diese breite Mischung von Reisenden Rücksicht nehmen und danach streben, bei der Auswahl der Plakate nicht unnötig zu provozieren", teilte ein Sprecher mit.

Countess mit entblößtem Busen

Es ist nicht das erste Mal, dass ein mehrere hundert Jahre altes Gemälde den Anstands-Sinn von "London Transport" verletzt. Vor sechs Jahren musste die Londoner National Portrait Gallery ihr Bild der Countess of Oxford des Malers Lely entschärfen: Die Countess war im 17. Jahrhundert mit einem entblößten Busen dargestellt worden. Nur mit durch geschicktes Layout verdeckten Busen schaffte es das Bild Lelys in die U-Bahn.

Gut genug für das amerikanische Fernsehen

Doch von Cranachs Venus soll es keine bedecktere Version geben, wie der Kurator der Ausstellung Norman Rosenthal der BBC mitteilte: "Jeden Tag sehen Menschen in der U-Bahn David Beckham oder Kate Moss in durchaus provozierenden Posen. Ich hoffe, wir werden uns mit London Transport noch einigen können." Rosenthal führte weiter aus, dass das Bild Cranachs sogar im amerikanischen Fernsehen benutzt wurde - es ist Teil des Einspielfilms der Serie "Desperate Housewives": "Wenn es gut genug für das amerikanische Fernsehen ist, dann ist es doch wohl gut genug für die Londoner U-Bahn!

Von Cornelia Fuchs, London
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
mupfeline (14.02.2008, 23:31 Uhr)
Und wir sind sicher dass wir uns vorwärts entwickeln
... und nicht etwa zurück? Ziehe ich zu dieser Aussage des Betreibers der U-Bahn natürlich noch die des Vorsitzenden der anglikanischen Kirche in GB hinzu dann ist die Sache schon etwas komplizierter. Und dann ist die Sache auch nicht mehr zum Lachen ... dann ist nämlich klar WEN man nicht beleidigen oder "provozieren" möchte ...!
manesse (14.02.2008, 20:52 Uhr)
Hihi,
die reizende Cranach-Schlampe provoziert noch immer. Qualität überdauert eben die Zeiten. Das nenne ich deutsche Wertarbeit! In Sachen Haltbarkeit toppt Cranach jeden Daimler!
faustjucken_de (14.02.2008, 19:28 Uhr)
die Ticken doch nicht mehr richtig
kein text
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