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Und plötzlich schwebt die Mauer in den Himmel

Für drei Tage wird die Mauer wieder da sein - als Lichtband, das sich mitten durch Berlin zieht. Es ist das längste Lichtkunstwerk überhaupt und ein tolles Spektakel zum 25. Jubiläum des Mauerfalls.

Von Anja Lösel

Sogar alte Berliner kennen dieses Gefühl der Unsicherheit: Wo war sie eigentlich genau, die Mauer? Ganz exakt weiß es kaum noch einer. Klar, es gibt die Markierung in der Straße, aber wer guckt schon dauernd auf den Boden?

Zum 25. Jahrestag des Mauerfalls haben die Brüder Christopher und Marc Bauder sich deshalb etwas Besonderes ausgedacht: die "Lichtgrenze". 8000 weiß leuchtende Ballons werden sie dort aufreihen, wo früher die Mauer stand - ein 15,3 Kilometer langes Licht-Band, das sich von der Bornholmer Straße bis zur Oberbaumbrücke hinzieht. Am 7. November geht es los, Höhepunkt ist der 9. November. Da sollen alle Ballons gleichzeitig in die Höhe fliegen und davonschweben, die Mauer löst sich quasi in Luft auf.

Jeder Ballon hat einen Paten

Gar nicht so einfach, eine Lichtgrenze zu bauen, die bei Wind und Wetter, Hitze und Kälte leuchtet, nicht vorzeitig davonfliegen oder geklaut werden kann und auch gröbstem Vandalismus standhält. 18 Monate lang tüftelte Lichtdesigner Christopher Bauder in seinem Atelier am perfekten Design – robust und sturmfest, hell und elegant. Auf 3,40 Meter hohe Stelen setzte er Kugeln aus weißem Naturkautschuk. Der Sockel: leicht, beweglich, aber am Ende doch 20 Kilo schwer und stabil, denn er wird mit Wasser gefüllt. Die Ballons: bruchfest und batteriebetrieben. Die Füllung: zuerst Luft, zwölf Stunden vor dem Start wird Helium eingefüllt. Vandalismus? Eher unwahrscheinlich. "Wir hoffen, dass die Lichtmauer von den Leuten angenommen wird und dass sie sie selbst beschützen.“

Damit alles klappt und auch der Klick-Mechanismus zum festgesetzten Zeitpunkt ausgelöst wird, hat jeder Ballon einen Paten. Die Aktion ist "zu hundert Prozent von diesen Menschen abhängig“, sagt Christian Bauder. Mit einem Schlüssel lösen die Paten pünktlich am 9. November um 19 Uhr den Verschluss-Clip – und 8000 Leuchtkugeln werden in den Himmel aufsteigen. Ein grandioses Bild.

Filmische Reise durch 28 Jahre Mauer

An sieben Orten wird es neben der Lichtgrenze auch noch den Film "Mauerstücke“ zu sehen geben. 30 Minuten historisches Filmmaterial, klug zusammengestellt zu einer bewegenden Geschichte der Mauer – mit Schnipseln aus DDR-Armeefilmen, Berichten von Fluchten, Blicken auf die Mauer von West und Ost. Der Filmer Marc Bauder hat dafür in Archiven gewühlt und seltenes Filmmaterial ausgegraben. "Es ist der Versuch einer emotionalen Reise durch die 28 Jahre, in denen die Mauer stand."

Begehrtes Fotomotiv: Die 3,40 Meter hohen Stelen wecken - wie hier in der Chausseestraße - schon während des Aufbauens die Neugier der Passanten.

Begehrtes Fotomotiv: Die 3,40 Meter hohen Stelen wecken - wie hier in der Chausseestraße - schon während des Aufbauens die Neugier der Passanten.

Und wo guckt man am besten? Perfekt wäre ein Platz im Drehrestaurant auf dem Fernsehturm. Sind leider schon alle ausgebucht. Aber auch an der East Side Galerie und am Checkpoint Charlie wird alles großartig aussehen. Viel Trubel und Beethovens "Ode an die Freude“, dirigiert von Daniel Barenboim, gibt’s am Brandenburger Tor. Etwas verschwiegener wird es am Nordbahnhof und an der Bernauer Straße zugehen.

Die Bauders genießen ihre "Lichtgrenze“ mit Familie, Freunden und Mitarbeitern am Engelbecken in Kreuzberg, wo sie wohnen. Ihr Tipp: Wer die Ballons möglichst pur erleben möchte, sollte nicht zum Brandenburger Tor gehen. Da gibt’s viel zu viel Ablenkung – von Reden über Musik bis zu Würstchenbuden. "Schön ist das Ende des Mauerparks“, finden sie. "Und der Park am Anfang der Bernauer Straße.“ Also nichts wie hin!

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