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Mit roten High Heels gegen den korrupten Kreml

In Netzstrumpfhosen und roten High Heels prangert die Pussy-Riot-Aktivistin Tolokonnikowa das blutig-korrupte System des Kreml an. Allem voran: die dunklen Machenschaften des Generalstaatsanwalts Tschaika.

Tolokonnikowa, eine Aktivistin der Punkband Pussy Riot, räkelt sich in ihrem neuen Video unter einem Portrait von Putin

Nadeschda Tolokonnikowa, eine Aktivistin der Punkband Pussy Riot, räkelt sich in ihrem neuen Video unter einem Portrait von Putin

Anstatt der typischen Sturmhauben trägt sie rote High Heels, roten Lippenstift und eine sexy Uniform. Nadeschda Tolokonnikowa, Aktivistin der feministischen Punkgruppe Pussy Riot, ist in dem Video zu ihrem neuen Song "Tschaika" kaum wieder zu erkennen. Das Thema ist aber ein gewohntes: die dunklen, blutigen Machenschaften des Kreml.

Der Song ist ein Frontalangriff auf den russischen Generalstaatsanwalt Jurij Tschaika. Er steht im Verdacht, sich mit brutalen Mafia-Methoden ein Milliardenimperium aufgebaut zu haben. Korruption, Vetternwirtschaft, Mord - es gibt kaum ein Verbrechen, das Tschaika nicht vorgeworfen wird. Auch seine Söhne sollen in kriminelle Machenschaften verstrickt sein.

In dem Video schlüpft Tolokonnikowa in die Rolle des Generalstaatsanwalts. "Mein Beichtvater hat mir gesagt, Familienwerte sind heilig", singt sie. Mit schwarzem Humor erläutert sie weiter, was Tschaika unter Familienwerten versteht: nämlich Beseitigung von Konkurrenten, Verschaffung von lukrativen Deals und Geldquellen für seine Sprösslinge.

Die heiligen Familienwerte des Tschaika

Zu dem Song inspiriert wurde die Kreml-Kritikerin von einer Dokumentation über Tschaika und seinen Familienclan, den der Oppositionsführer Alexej Nawalny im Dezember veröffentlichte. Dem ältesten Sohn des Generalstaatsanwalts wirft er zum Beispiel vor, sich eine Werft in Sibirien angeignet zu haben, indem er den alten Direktor ermordete. Der jüngste Sohn soll zu seinen Milliarden durch zugespielte Staatsaufträge gekommen sein.

Tolokonnikowa attackiert in dem Song nicht nur Tschaika, sondern das gesamte korrupte System des Kreml. Wie ein Mantra wiederholt sie im Refrain die Zeilen: "Sei demütig, sei gehorsam. Kümmere dich nicht um das Vergängliche. Sei der gottgegebenen Macht auf Ewigkeiten treu. Ich liebe Russland, ich bin Patriot." Dazu räkelt sie sich lasziv auf einem Tisch. Über ihr ein Portrait Putins  - die "gottgegebene Macht".

Gott und Putin

In anderen Szenen reihen sich hinter der Sängerin an Stricken aufgehängte Menschen mit Tüten über dem Kopf auf. Oder es schwebt ein hochstilisierter russischer Dopppelkopfadler über ihr, der eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Wehrmachtsadler hat.

Auch das Verhältnis des Kreml zu der Orthodoxen Kirche wird thematisiert. Die betonte Nähe mit den orthodoxen Patriarchen, die Putin demonstrativ zur Schau trägt, stößt nicht nur Tolokonnikowa übel auf. Dass ein ehemaliger KGB-Agent eine solche Gottesfurcht an den Tag legt, erscheint vielen als Gipfel der Scheinheiligkeit. Vor allem wenn man bedenkt, dass im Kommunistmus Gott keinen Platz hatte und im KGB erst recht nicht.

Sexy Agentin statt Feministin in Woll-Sturmhaube

Mit dem Video leitet Tolokonnikowa einen radikalen Imagewechsel ein. Bekannt wurde die Aktivistin von Pussy Riot mit überfallartigen Aktionen. Wie etwa dem berühmten Randale-Auftritt in der Moskauer Christus-Erlöser-Kathedrale, für die die drei Pussy-Riot-Mitglieder in Haft kamen. Doch nun fehlen nicht nur ihre Mitstreiterinnen, Marija Aljochina und Jekaterina Samuzewitsch, sondern auch das Markenzeichen der Truppe: die Woll-Sturmhaube.

Stattdessen setzt Tolokonnikowa nun auf einen betont erotischen Auftritt. Ihre Aufmachung in dem neuen Video wird wohl allen Klischees und Fantasien von sexy Agentinnen gerecht.

Ob dieser Look bei den Fans der feministischen Gruppe ankommt, ist offen. Auch musikalisch lässt sich die Darbietung weder als Gesang noch als Rap eindeutig definieren. Doch eines hat Tolokonnikowa schon gewonnen: Aufmerksamkeit.

ivi
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