Das Berliner Kunsthaus Tacheles ist nach jahrelangen Auseinandersetzungen friedlich geräumt worden. Die verbliebenen Künstler übergaben dem Gerichtsvollzieher die Schlüssel.

Der Sprecher des Kunsthauses Tacheles Martin Reiter spricht zu den anwesenden Journalisten. Das Kunsthaus ist nach jahrelangen Auseinandersetzungen friedlich geräumt worden.© Marc Tirl/DPA
Die berühmte Kunstsruine Tacheles in Berlin-Mitte ist geräumt worden. Wie eine Sprecherin der Künstler aus dem Haus bestätigte, sind Gerichtsvollzieher und Polizei seit dem Morgen vor Ort und fordern die rund 80 dort arbeitenden Maler, Bildhauer und anderen Künstler auf, das Haus zu verlassen.
"Berlin hat heute einen großen Verlust erlitten", sagte sie und wiederholte die Forderung der Tacheles-Nutzer, dass Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und der für Kunst zuständige Staatssekretär André Schmitz (SPD) zurücktreten sollten. "Sie allein sind verantwortlich für diese Räumung", sagte die Sprecherin.
Die fünfstöckige Ruine wird von der HSH Nordbank verwaltet. Es ist das letzte verbliebene Gebäude eines Kaufhauskomplexes, der Anfang des vergangenen Jahrhunderts entstanden war. Im Zweiten Weltkrieg wurde er schwer zerstört, in den 1980er Jahren ließ die Ostberliner Stadtverwaltung große Teile abreißen. Nur der Kopfbau an der Oranienburger Straße blieb erhalten.
Nach dem Fall der Mauer schufen die Besetzer eine künstlerische Freifläche ganz im Sinne der auf- und umbrechenden Stadt. Das Haus wurde zu einem Anziehungspunkt für Touristen. 1998 hatte die Fundus-Gruppe das Gelände, auf dem das Tacheles steht, vom Land Berlin für rund 2,7 Millionen Euro erworben und wollte dort Wohn- und Geschäftshäuser bauen. Aus den Bauplänen wurde nichts, und die Fundus-Tochtergesellschaft, die das Gelände besaß, ging in die Insolvenz.