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15. Februar 2011, 10:22 Uhr

Fixen, Drogen, Babystrich - die Angstlust funktioniert

Mit 14 war sie heroinabhägig und prostituierte sich auf dem Babystrich. Christiane F. war 1978 die traurige Hauptperson in der stern-Reportage "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo". An der Berliner Schaubühne hat der Regisseur Patrick Wengenroth jetzt das Drogendrama als Singspiel inszeniert.

© Berliner Schaubühne Patrick Wengenroth Der 1976 geborene Regisseur lebt mit seiner Familie in Berlin und arbeitet als Regiseur und Übersetzer. Für den Theaterdiscounter entwickelte er 2003 das Theater-Show-Format "Planet Porno", das mittlerweile seine künstlerische Heimat im Hebbel am Ufer/HAU hat. Er inszenierte unter anderem am Staatsschauspiel Dresden, den Münch-ner Kammerspielen, dem Schauspiel Köln.

Herr Wengenroth, was interessiert Sie heute an den "Kindern vom Bahnhof Zoo"?

Es sind die ganz großen Fragen: Wer bin ich wo will ich hin? Habe ich die große Liebe gefunden? Oder bin ich nur zu faul, jetzt noch weiter zu suchen?

Und das finden Sie bei Christiane F.?

Bei ihr ist alles echt. Sie ist eine lebende Person. 2007 konnte man sie in einer Talkrunde bei Maischberger sehen. Wenig später ist sie wieder rückfällig geworden. Sie sagt, sie sei um ihre Kindheit betrogen worden. Sie fühlt sich eingepfercht in dieses schwarze Loch zwischen den 68ern und der Ära Kohl. Genau da bin auch ich hinein geboren. Das ist eine sehr prägende Zeit gewesen für die deutsche Seele.

Sie haben kein Anti-Drogen-Stück gemacht?

Heroin ist im Augenblick kein Thema in der Gesellschaft. Deshalb muss ich nicht sagen: "Oh, Drogen, schlimm!", sondern kann mich auf die Poesie der Texte von Christiane F. konzentrieren.

Poesie?

Ja, die gibt es. Trotz all dieser Beschreibungen von Erbrechen, mager werden, verknorpelten Venen. Denn bei aller Drastik geht es doch vor allem um eins: Was sind unsere Träume?

Ein Beispiel, bitte.

Wahnsinnig rührend ist es, wenn Christiane die Wohnung beschreibt, in der sie später mal leben möchte. Oder wenn sie Detlef zu sich nach Hause einlädt, lange bevor sie mit ihm schläft. Ihre Eltern sind nicht da, sie kocht für ihn, sie essen zusammen wie Mann und Frau. Das ist für sie das Tollste: ganz normal zu sein.

Aber sie schafft es nicht.

Mit jedem neuen Druck und jedem gescheiterten Entzug kommt sie mehr davon weg. Trotzdem macht sie weiter. Sie ist in einer Scheißsituation, aber macht immer weiter.

Das scheint Ihnen nicht ganz fremd zu sein.

Ja, so sind wir doch alle. Wir schaffen uns wissentlich Abhängigkeiten. In meinem Fall sind das meine zwei Kinder und die Tatsache, dass ich verheiratet bin. Das sind Konstanten, aber natürlich auch Leitplanken. Und manchmal denke ich: Wär auch toll, mal wieder querfeldein zu laufen.

Haben Sie Erfahrung mit Drogen?

Ich bin nur ein Wohlstandsalkoholiker. Meine erste Zigarette habe ich mit über 30 geraucht.

Seite 1: Fixen, Drogen, Babystrich - die Angstlust funktioniert
Seite 2: Sie stehen selbst auf der Bühne und singen unter anderem "Schneewittchen" von Udo Lindenberg.
 
 
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