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18. Februar 2008, 15:14 Uhr

"Ja, ich bin eine Hexe"

Von Ruhestand kann keine Rede sein: Im vergangenen Jahr zeigte Yoko Ono eine Werkschau in Bremen und brachte ein Remix-Album alter Songs heraus. Heute wird die Witwe des Ex-Beatles John Lennon 75 Jahre alt.

Yoko Ono in der Bremer Kunsthalle. Im letzten Jahr zeigte sie dort ihre Ausstellung "Fenster für Deutschland"© David Hecker/DDP

Die Frau hat es nicht leicht. Bis heute werfen hartgesottene Beatlesfans der Avantgardkünstlerin Yoko Ono vor, sie trage durch ihre Hochzeit mit John Lennon die Verantwortung für das Auseinanderbrechen der besten Popgruppe aller Zeiten. Als "böse Hexe im Beatles-Märchen" wurde sie gescholten, als Frau, die es letztlich nur auf das Geld ihres legendären Gatten abgesehen hatte. Yoko Ono hat sich um solche Vorwürfe wenig gekümmert, im Gegenteil.

Yoko Ono hat sich um solche Vorwürfe wenig gekümmert, im Gegenteil. Im vergangenen Jahr brachte sie ein Remix-Album ihrer alten Songs auf den Markt. Trotziger Titel: "Yes, I'm A Witch" (Ja, ich bin eine Hexe). "Für mich sind alle Frauen Hexen. Hexen sind magische Wesen, dafür sollten wir uns nicht schämen", sagt die Frau, die am 18. Februar 2008 75 Jahre alt wird.

Klein, quirlig und immer noch berstend vor Energie hat die aus einer reichen japanischen Bankiersfamilie stammende Amerikanerin noch keinen Deut ihrer Provokationslust verloren. Sie arbeitet rastlos als Künstlerin, Autorin, Filmemacherin, Sängerin, Komponistin, Feministin und Pazifistin. Bei uns zeigte sie zuletzt im Sommer 2007 in der Kunsthalle Bremen ihre Schau "Yoko Ono - Fenster für Deutschland".

"Es ist der einzige Platz, der mir geblieben ist"

Dabei ist und bleibt John Lennon der zentrale Bezugspunkt in ihrem Leben. Immer noch wohnt Ono in dem Haus am Central Park in New York, vor dem ihr Mann, damals 40, am 8. Dezember 1980 ermordet wurde. Sie war dabei, als der Attentäter Mark David Chapman, ein einstiger Fan, die Waffe auf ihn richtete und fünf Mal traf. Ein Foto von Lennons zersplitterter, blutbespritzter Brille erschien 1981 auf ihrem Plattencover "Season of Glass".

Das spukhafte Riesengebäude ("Dakota"), das durch Roman Polanskis Film "Rosemaries Baby" weltberühmt wurde, ist seither ihr Refugium. "Es ist der einzige Platz, der mir geblieben ist, der Platz, den John und ich teilten", sagte sie einmal. Die beiden ungleichen Partner hatten sich 1966 bei einer Ausstellungseröffnung in London kennengelernt und später eine auch künstlerisch produktive Beziehung begonnen.

Vereint für den Frieden

Am 20. März 1969 heiraten sie in Gibraltar. Während der Flitterwochen sitzen sie eine Woche in ihrem Hotelbett und erklären die Aktion zum "Bed-in for peace" - es ist die Hoch-Zeit der Friedensbewegung. Zusammen versuchen sie mit der Plastic Ono Band eine Mischung aus Rock- und Experimentalmusik, die Single "Give Peace a Chance" (1969) wird zur Pazifistenhymne. Kurz darauf gehen die Beatles endgültig auseinander.

Am schönsten beschwört Lennon die Liebe zu seiner sieben Jahre älteren Frau in der "Ballade von John & Yoko". Aber die Beziehung bekommt Brüche. Nach einer zweijährigen Trennung sorgt erst die Geburt des gemeinsamen Sohnes Sean 1975 für neues Familiengefühl: Lennon macht den Hausmann, sie organisiert und dirigiert sein Imperium - bis heute mit großem Erfolg. Yoko Ono ist steinreich. Sie sei "die berühmteste unbekannte Künstlerin der Welt", sagte John Lennon einmal. "Jeder kennt ihren Namen, aber keiner weiß, was sie macht." Dabei hatte sich Ono schon lange vor der Beziehung mit dem britischen Pilzkopf als avantgardistische Konzeptkünstlerin in New York etabliert.

1962 etwa inszenierte sie "Wall Piece for Orchestra", wo sie zu Musik-Klängen kontinuierlich den Kopf auf die Bühne schlägt. In dem Film "Bottoms" zeigte sie 1966 als "Petition gegen den Vietnamkrieg" 80 Minuten lang 365 nackte Hintern. Und zur Jahrtausendwende sollte ein mit 4000 Gewehrschüssen durchlöcherter Güterwaggon "Freight Train" in Berlin an ein "Millennium der Gewalt" erinnern. Ans Aufgeben denkt die umtriebige Aktivistin noch nicht so schnell. "Wenn man nicht darüber nachdenkt, wie alt man ist, wird man nicht alt."

Nada Weigelt/DPA

 
 
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