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Wir haben Verleger gefragt, wie sie sich die Zukunft des Buchmarktes vorstellen

Auf der Leipziger Buchmesse tummeln sich in diesen Tagen die Verleger, Buchhändler und lesefreudigen Besucher. Mit dabei: kleine, teils neugegründete Verlage mit ungewöhnlichen Ideen. Was erwarten sie sich von der Zukunft des Buchmarktes?

Von Jonathan Sendker

Jedes Jahr strömen Hunderttausende Besucher auf die Leipziger Buchmesse.

Jedes Jahr strömen Hunderttausende Besucher auf die Leipziger Buchmesse.

Die Leipziger Messe ist eines der ganz großen Buch-Events des Jahres. 2400 Aussteller zeigen sich in diesen Tagen den Besuchern, sie präsentieren Comics, Antiquitäten, Romane und vieles mehr.

Zahlreich vertreten sind auf der Buchmesse auch die kleineren, unabhängigen Verlage. Solche, die nur wenige, ausgesuchte Bücher veröffentlichen und oft nur von zwei oder drei Personen geführt werden. Um zu überleben, müssen sie kreativ werden, in Nischen gehen, oder mit ausgefallenen Ideen auffallen. Wir haben vier unabhängige mit unterschiedlichen Ansätzen gefragt: Wie stellen Sie sich die Zukunft des deutschen Buchmarkts vor?

Florian L. Arnold und Rasmus Schöll vom Ulmer Verlag "Topalian & Milani" (seit 2015):

Florian L. Arnold (rechts) und Rasmus Schöll (links) verlegen unter anderem Lutz Seiler und Stefan Zweig.

Florian L. Arnold (rechts) und Rasmus Schöll (links) verlegen unter anderem Lutz Seiler und Stefan Zweig.

"Wir setzen auf anspruchsvolle Bücher – solche, die man gern ins Regal stellt und ungern verleiht, weil man Angst hat, sie nicht wiederzubekommen. Deswegen gilt für uns: niemals eBooks! Das Buch ist ein Gesamtkunstwerk, etwas Kostbares, wenn man es richtig macht. Auch auf lange Sicht spielen für uns Papier und guter Buchdruck eine zentrale Rolle. Was einmal als altmodisch galt, kommt wieder in Mode. Und so, glauben wir, ist es auch mit dem Papier.

Sorgen mache ich mir wegen der Versuche, die Buchpreisbindung auszuhebeln. Dann würde in vielen Verlagen das Licht ausgehen - und am Ende verliert vor allem der Leser. Denn kleine Verlage haben über die Jahre viele Buchtitel ermöglicht, die bei größeren Verlagen abgeblitzt sind. Bücher, die dann auch erfolgreich waren!"

Zoë Beck und Jan Karsten von "CulturBooks" (seit 2013):

"CulturBooks wurde als reiner eBook-Verlag gegründet. Es gibt so viele tolle Texte, die erst gar nicht verlegt werden, weil sie nicht in die gängigen Formate oder Genres passen. Das finden wir im eBook-Zeitalter völlig unsinnig.

Verleger Zoë Beck und Jan Karsten vor einem Fenster. Das Team will mit eBooks die kreative Vielfalt erhalten.

Zoë Beck und Jan Karsten wollen mit eBooks die kreative Vielfalt erhalten.

Digitales Publishing heißt, literarische Experimente eingehen zu können, die in der starren Form des gedruckten Buches nicht umsetzbar sind. Das sind tolle neue Möglichkeiten!

Aber auch ein gedrucktes Buch ist einfach ein verdammt gutes Produkt, und das wird es auch noch lange bleiben. Aus unserer Sicht geht es nicht um ein Entweder-Oder, sondern um die friedliche Koexistenz."

Laura Jacobi, Philip Krömer, Sebastian Frenzel und Joseph Reinthaler vom Homunculus Verlag (seit 2015):

Die vier homunculus-Verleger posieren in einem Innenhof

Philip Krömer, Joseph Reinthaler, Sebastian Frenzel und Laura Jacobi (von links) verlegen Romane, Literaturzeitschriften, Kartenspiele und literarische Tischdecken.

"Wenn es eine 'Blase' gibt, in der sich die unabhängige Buchszene bewegt – dann wächst sie stetig! Wer überrascht werden will, der sieht sich keinen Hollywood-Blockbuster an, und das Gleiche gilt in der Literatur. Schließlich ist der deutschsprachige Buchmarkt einer der vielfältigsten der Welt, und die Indies tragen einen großen Teil dazu bei. Bunter darf es natürlich immer gerne werden!

Wir machen Skurriles und Ausgefallenes, wie ein Buch in Form einer Tischdecke. Außer unseren Romanen haben wir auch ein Kartenspiel im Angebot: 30 literarische Monster wie Dracula oder der böse Wolf treten in Kategorien wie Gerissenheit und Grusel-Faktor gegeneinander an. Auch das ist Literatur!"

Stefan Weidle vom Weidle-Verlag (seit 1993):

Zu sehen ist ein Portraitfoto von Stefan Weidle.

Stefan Weidle ist schon länger als unabhängiger Verleger aktiv.

 "Der Buchhandel ist eine zarte Pflanze, die viel Pflege braucht, die aber nach wie vor die schönsten Blüten treibt. Es ist allerdings kein Wachstumsmarkt mehr. Das Buch hat seine Stellung als Leitmedium eingebüßt, kann aber vielleicht wieder Boden gutmachen in einer Welt, in der die allgemein akzeptierte Wirklichkeit abhandenzukommen droht. Ich habe die Welt aus Büchern gelernt, und das kann man immer noch, es müssen nur die richtigen sein. Auch dafür ist der Buchhändler wichtig!

Wichtig wird auch weiterhin für die Unabhängigen sein: macht wenig, aber macht das gut! Und: die Sache mit dem Kopf und der Wand ist noch längst nicht entschieden."

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