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Vor der Disziplinarkommission gab Marco Materazzi die Provokation gegen Zidane zu. Er bestritt religiöse, politische und terroristische Äußerungen sowie die Beleidigung von Zidanes Mutter.
Zinedine Zidanes Kopfstoß gegen seinen italienischen Mitspieler Marco Materazzi hat die (WM-)Welt bewegt. Hat es ein Spieler nach solch einem Blackout verdient, in Frankreich als Nationalheld gefeiert zu werden - oder nicht? Auf stern.de streiten sich Klaus Bellstedt und Lutz Kinkel.
Er sieht ein bisschen aus wie ein Hooligan, einschließlich Tattoos am Hals. Doch Künstler Douglas Gordon, Träger des renommierten Turner-Preises, analysiert Fußball lieber. Für den Fußballgott Zinedine Zidane hat er ein filmisches Denkmal kreiert. Auf stern.de erzählt Gordon, warum er den Kopfstoß 2006 vohergesehen hat.
Das Endspiel der WM 2006 war ein würdiges Finale zwischen den beiden besten Mannschaften dieses Turniers. Und es hat gezeigt, dass der Fußball immer noch die schönsten Geschichten schreibt - und die grausamsten.
Die Rote Karte für Zinedine Zidane - wurde sie auf Grund eines Videobeweises gezeigt? Das behauptet jetzt der italienische Nationaltrainer Marcello Lippi. Damit gerät die Fifa in Bedrängnis. Sie lehnt den direkten Einsatz von TV-Bildern rigoros ab.
In einem Jahr, in dem die gängigen Rückblicke der Herren Jauch, Kerner und Delling sich fußballerisch ausschließlich um Sönkes Sommer drehen, haben wir uns ein Limit gesetzt: Demzufolge tauchen nur zwei WM-Momente in unserer Fußball-Top 5 des Jahres 2006 auf. Die stellen sich dann allerdings von selbst auf. Platz 5: Als Lothar Matthäus am 31. Januar den Trainingsplatz seines neuen Arbeitgebers Athletico Paranaense betrat, warteten ungefähr hundert Journalisten sehnsüchtig auf das erste Statement des ehemals großen Fußballers aus Deutschland. Auf der Internetseite Athleticos war Matthäus etwas unpräzise als der „Kaiser“ angekündigt worden. Er sei der Mann, mit dem der Verein schon bald aus der Mittelmäßigkeit heraus finden werde. Das Konzept des Kaisers war schlüssig und schnell in bestem Matthäus-Deutsch zusammengefasst: „Jeder weiß, dass der brasilianische Fußball sehr kreativ ist, aber Disziplin ist nötig. In unserem Leben gibt es Regeln, die befolgt werden müssen,“ diktierte er den Journalisten in die Notizblöcke und machte so gleich klar, woher in Paranaense fortan der Wind wehen würde. Doch der Loddar wäre nicht der Loddar, wenn er sich morgen um das kümmern würde, was er gestern noch für richtig hielt. Am 6. März flog Lothar Matthäus wieder nach Hause. Das Heimweh plagte den Kaiser. Die Presse in Paranaense vermutete, ihm läge ein Angebot als deutscher Nationaltrainer vor – nichtsahnend, dass in Deutschland eisern die Regel befolgt wird, niemals einen Lothar Matthäus zu verpflichten. Platz 4: Alessandro del Piero spielt schon eine halbe Ewigkeit für Juventus Turin. Wegen ihm und seinen Fähigkeiten wurde einst sogar der große Roberto Baggio verkauft. Trotzdem war er nie wirklich ein Publikumsliebling im Stadio del Alpi, wie es etwa Mehmet Scholl in München ist. Daher wäre eigentlich zu erwarten gewesen, dass sich del Piero nach dem Zwangsabstieg der alten Dame ebenso verhalten würde, wie seine Kollegen Ibrahimovic, Cannavaro oder Zambrotta. Die konnten als Kinder ihrer Zeit nicht viel dafür, dass ihnen die Juve-Fans herzlich egal waren und sie die Flucht vor der zweiten italienischen Liga antraten. Als die italienischen Journalisten del Piero fragten, wo er denn nun gedenke seine Karriere fortzusetzen, antwortete del Piero knapp „Ein Kavalier verlässt seine Dame nicht!“ und blieb in Turin. Als er ein paar Monate später zu seinem ersten Zweitliga-Spiel den Rasen betrat, wurde er an der Seite von Gianlugi Buffon und Pavel Nedved enthusiastisch von den Juve-Tifosi gefeiert. Platz 3: Aus internationaler Sicht war es wahrscheinlich der fußballerische Moment, der übrig bleibt von dieser WM. Die Spiele waren größtenteils schlecht und einen echten Superstar brachte das Turnier auch nicht hervor – dafür ist es eine Tätlichkeit, die die Zeit überdauern wird. Ganz beiläufig und ebenso lässig, wie er in den Jahren zuvor seine Gegenspieler reihenweise ausspielte, rammte Zinedine Zidane seinem Gegenspieler Marco Materazzi im Finale von Berlin seine Glatze in den Brustkorb. Konsequenz: Rot in seinem letzten Spiel und die Niederlage für Frankreich. Was für eine Szene, in was für einem Spiel! Noch immer ist nicht klar, welche Worte Materazzis Zidane dazu veranlassten, etwas so Unglaubliches zu tun. Ist eigentlich auch egal! Denn wenn es nur noch einen kleinen Impuls bedurfte, aus einem großen Spieler einen unsterblichen zu machen, so war es dieser. Zidanes Kopfstoss im Finale 2006 wird auf Dauer ebenso legendär bleiben, wie seine anderen beiden im Finale 1998. Platz 2: Im Elisabeth-Krankenhaus im Kölner Stadtteil Hohenlind erhält jedes neugeborene Kind als Geburtsgeschenk einen Strampler mit der Aufschrift „Ich bin ein Hohenlinder“. Seit dem 11. November dieses Jahres sollten diese Kleidungsstücke allesamt wieder eingesammelt werden, denn es gibt nur noch einen Hohenlinder. Die Pressekonferenz des Patienten Christoph Daum in Hohenlind war an Skurrilität nicht zu überbieten. Die Rahmenbedingungen der grotesken Inszenierung beschrieben eine Stadt und ihren Verein, wie es treffender nicht sein konnte: Dahinsiechende Menschen am Tropf und mit verbundenen Köpfen im Auditorium, karnevalistische Kombos vor dem Hospital (musizierter Appell: „Ein treuer Husar“), ein sich überschlagender Boulevard sowie einige Tausende besoffene Einwohner die am 11.11. weniger Karnevalslieder als viel mehr Christoph-Daum-Sprechchöre aus den Kneipen hinaus in die Straßen krachen. Christoph Daum selbst konnte nach Auskunft seines Arztes gar nicht sprechen. Das hinderte ihn natürlich nicht daran, es dennoch zu tun. Er sagte dem FC in einem einzigen Satz zu und ab. Er hätte seinen egozentrischen Auftritt nur dann noch größer gestalten können, wenn er sich während der Pressekonferenz noch einmal selbst geboren hätte. Sicher wäre ihm dann eine der netten Hebammen aus der Geburtsabteilung zugeeilt, um ihm einen Strampler mit der Aufschrift „Ich bin ein Hohenlinder“ zu überreichen. Platz 1: Das perfekte Tor fiel in der 92. Minute. Die deutsche Mannschaft hat vorher gefühlte dreihundert glasklare Dinger versiebt, davon eine kurz vor Schluss durch einen Pfostenschuss von Klose, auf den wiederum ein Lattentreffer von Ballack folgte. Unglaubliche Szenen waren das – sowohl im Dortmunder Westfalenstadion als auch vor dem Fernseher, vor dem wir mit zehn Leuten saßen und der hellen Verzweiflung nah waren. Und mitten in die ausgemachte Depression hinein fiel es – dieses Tor, das eigentlich nicht mehr fallen konnte. Nach Flanke des gerade eingewechselten David Odonkor flog Oliver Neuville in die Unsterblichkeit. Totale Euphorie, totales Adrenalin, totaler Gehirnstillstand! Ekstatische Schreie wechseln sich mit wildem Trommeln auf den Boden ab. Taumel und Raserei wechseln sich ab. Ungläubiges Kopfschütteln endet in einer grandiosen Party. Ich weiß: Es ist nicht sonderlich originell, aber das ist egal. Selten hat eine Ballberührung so den Nerv des Betrachters getroffen. Selten sollte ein Tor so sehr fallen. Kein Zweifel, Oliver Neuvilles Tor nach David Odonkors Flanke ist der Moment des Jahres 2006. www.footage-magazin.de
Die Fifa hat Zinedine Zidane für seinen Kopfstoß im WM-Finale für drei Spiele gesperrt. Noch milder kam Provokateur Marco Materazzi davon.
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