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Das weiße Gold - Oscar, Leo und die alten Männer

Die Oscar-Verleihung steht vor der Tür. Micky Beisenherz verrät, was die Jury der Academy Awards mit der CSU zu tun hat und warum Leonardo DiCaprio für eine Trophäe vermutlich sogar einen echten Grizzly frisch gemacht hätte. 

Eine Kolumne von Micky Beisenherz

Finden Sie den Fehler: Micky Beisenherz mit Hollywoods Elite beim Selfie knipsen

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Was ist weißer als das Gebiss von Donald Trump? Richtig. Die Oscar Verleihung. Passend zum Rassismus-Vorwurf ist es dann auch die, jepp, 88ste. Am heutigen Sonntagabend werden wieder die Academy Awards verliehen. Die Veranstaltung, bei der die Filet-Prominenz der internationalen Schauspielerelite defiliert - und irgendeine Pulitzer-Preis-Anwärterin von "ProSieben" am roten Teppich steht und Frauen fragt, was hinten im Etikett vom Kleid steht. Wenn man sich unter den Anwesenden im Auditorium des Dolby Theatres so umsieht - mehr Plastik findet man sonst nur in Mars-Riegeln.

Worum geht es heute Abend eigentlich? Vornehmlich stehen zwei Dinge im Vordergrund: Wie geht Hollywood mit dem Rassismus-Vorwurf um? Gut, mit der Gagorgel Chris Rock ausgerechnet einen schwarzen Komiker zum Moderator des Abends zu machen, das ist schon eine sehr perfide Form des, sorry, Whitewashings. Ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Academy eine kleine Reform durchaus vertragen könnte. Das zweite Jahr in Folge ist kein schwarzer Schauspieler in der Darstellerkategorie nominiert. Nicht einmal Kevin Hart ("Ride along 2"). Aus Protest bleiben dann unter anderem Schauspieler wie Will Smith ("After Earth") oder Jada Pinkett-Smith ("Magic Mike XXL") der Veranstaltung fern.

Wenn die CSU entscheidet, wer den Oscar holt

Interessant ist auch die Zusammensetzung der Jury: Die "Los Angeles Times" ermittelte im Jahr 2012, 94 Prozent seien weiß, 77 Prozent männlich, das Durchschnittsalter liege bei 62 Jahren. Im Grunde genommen bedeutet das: Die CSU entscheidet darüber, wer das Ding holt. Unter diesen Umständen ist es sehr erstaunlich, dass überhaupt schon mal ein Schwarzer die Trophäe mit nach Hause nehmen durfte.

Manch einer hält den Vorwurf rassistischer Bewertungsgrundlage für völlig ungerechtfertigt und verweist auf die Preisträger vergangener Jahre wie Sidney Poitier, Denzel Washington oder Halle Berry. Dass man aber das knappe Dutzend schwarze Gewinner in 88 Jahren Preisverleihungsgeschichte aus dem Kopf aufsagen kann, bestätigt den Vorwurf doch eher.

Und wenn in einem Film ("Creed") mit einem schwarzen Hauptdarsteller und einem schwarzen Regisseur ausgerechnet Sylvester Stallone für den Oscar nominiert ist, hast Du wirklich ein Problem.

Sorry, Sly, Du weißt, ich liebe Dich.

Leonardo DiCaprio - das Schalke 05 Hollywoods

Was ist noch von Belang? Klar! DiCaprio. Der dürfte der einzige sein, der tatsächlich keine Dankesrede vorbereitet hat. Das Schalke 05 von Hollywood. Fünf mal nominiert, fünf mal nix geholt. Verratener kam er sich nur in Titanic vor, als die Dicke ihn im Eiswasser von der Tür geschubst hat.

Dieses Jahr ist er verdammt dicht dran, wird von allen als Favorit gehandelt - es sei denn, Eddie Redmayne schnappt ihm wieder das Ding weg. Für seine Darstellung einer Transgender-Ikone in "The Danish Girl". Sich von einem Transvestiten den Abend versauen lassen - das kennt sonst nur Kanye West, wenn seine Schwiegermama mit zu den Grammys kommt.

Du meine Fresse, Leo. Wär Oscar ein Supermodel - er hätte längst seine Hände dran. Man fühlt sich als Zuschauer heute Nacht schon fast wie ein Elendstourist, der nur auf den Crash wartet. 

Ich gönne es ihm so. Diesmal könnte es tatsächlich auch klappen, da Hollywood gerne Darsteller prämiert, die physisch an die Grenzen gehen. Also, bei den Dreharbeiten. Sonst hätte Charlie Sheen längst einen.


DiCaprio hätte sogar einen Grizzly frisch gemacht

Und, weißgott, der Berserker hat sich nicht geschont. Beim Dreh von "The Revenant" hat er real gehungert, gefroren, sich komplett zuwachsen lassen - lediglich der Bär, mit dem er im Film kämpft, wurde digital reingebaut. Vermutlich auf Wunsch des Teams. So besessen, wie der 41-jährige ist, hätte er wohl sogar einen echten Grizzly frisch gemacht, um endlich diese Scheiß-Statue zu kriegen. Möglicherweise hätte am Ende aber auch einfach der Bär gewonnen.

"The Revenant". Hoch gehandelter Streifen. Mich hatte der Film allerdings verloren, als DiCaprio nach Wochen des Hungerns nicht auf die Idee kam, seinen Sohn zu fressen. Hey, es geht nur ums nackte Überleben, oder? Hollywood. Echt. Das als Trost, falls es doch wieder schiefgehen sollte: Allein die Teilnahme ist monetär ein echter Gewinn: Jeder, der nur NOMINIERT ist, darf sich über ein Goodie Bag freuen. Mit in dem Präsentkorb, unter anderem: Kosmetik im Wert von 50.000 Euro, oder wie Kim Kardashian sagen würde: Dienstagmorgen. Mit dabei war noch eine Reise nach Israel und das teuerste Klopapier der Welt! Das teuerste Klopapier der Welt. Mal abgesehen vom Skript von "Sin City 2".

Ungefähr 200.000 Euro ist dieses korbgewordene Trostpflaster wert. Absurd.

Das Kino hat uns viel zugemutet

Die heutige Gala ist DAS Hochamt einer Branche, die gerade in dieser Saison zeigt, was die Innovationsmaschine Hollywood so drauf hat: Star Wars, Mad Max, Ghostbusters. Hat mal einer nachgeguckt, ob Ronald Reagan schon wieder im Amt ist? Wenn heute Abend die Vertreter echten, weißen Schauspiels prämiert werden, dann ist das auch eine Versöhnung mit dem denkenden Cineasten.

Ich finde, in den letzten Monaten hat das Kino uns viel zugemutet. Unser Realitätssinn wurde arg strapaziert, und wir haben uns viel Blödsinn gefallen lassen: Vin Diesel knallt mit einem Ferrari im 70. Stock durch gleich ZWEI Hochhäuser und bleibt unverletzt? Okay. "The Martian". Was für ein Film, oder? Matt Damon wird erst auf dem Mars vergessen, überlebt da mehrere Monate und schnallt sich Plane (!) über die Raumkapsel, um damit zurück zur Raumstation durchs All zu fliegen? Gekauft. Aber James Bond, der eine 51-jährige vögelt?!! Irgendwo ist auch mal gut. Echt.

Oscar-Trophäe oder Shutter Island?

Sei's drum. Ich drücke Leo die Daumen. Auch wegen der Seelenhygiene. Wenn Bayer Vizecaprio beim sechsten Anlauf nix gewinnt, ist er mental endgültig auf Shutter Island angekommen. Und lässt sich von Aaron Sorkin ein Drehbuch schreiben, in dem er einen aidskranken, 25 Kilo schweren, schwarzen, stotternden, schwulen, blinden Nazi mit Alzheimer in Frauenkleidern spielt, der Alkoholiker in Las Vegas ist - und dummerweise nur den linken Fuß bewegen kann. Sicher ist sicher.

2017 gewinnt dann trotzdem Christoph Waltz.

Als VW Manager.

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