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Highway to Hellau - Hölle Alaaf

Denken Sie an heiße Körper in kunstvollen, sexy Outfits, an tolle Rhythmen, an wunderschöne Menschen, die sich zu mitreißender Musik aufreizend bewegen, so dass man am liebsten gleich mitmachen würde - jetzt ziehen Sie all das ab. Willkommen im Kölner Karneval. 

Eine Kolumne von Micky Beisenherz

Karneval in Köln

Verbeamtete Fröhlichkeit, wie man sie nur noch sonntagmorgens in der ARD findet. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (r.) feiert mit dem Kölner Dreigestirn den Beginn des Straßenkarnevals.

Das mehrtägige Wildpinkel-Olympia im Dixi-Land des rheinischen Raumes, in Köln. Ein aufgepumptes Dorf, das aussieht, als habe Gott zu wenig Stadt, aber noch tonnenweise Beton übergehabt.

Der Teufel will es, dass ich ausgerechnet jetzt von Berufs wegen hierher muss. Mit der Bahn. Ein Verkehrsmittel, das für viele Kostümierte den Vorteil birgt, schon während der Anreise Schaumwein aus rosa Plastiksektflöten zu trinken und über die iPhone-Lautsprecher Songs zu spielen, die sogar bei RTL2-Dokus als musikalische Untermalung auf dem Index stehen. Es ist nicht leicht, zu wissen, dass man mit diesen Menschen dasselbe Ziel teilt.
Zumindest geographisch. Inhaltlich ist einem Gutteil der Festivalbesucher nach, nun ja, leichter Unterhaltung oder wie es ein Freund unlängst ausdrückte: Ein One Night Stand an Karneval ist ein wenig so wie bei Aldi klauen. Netter Euphemismus.

Viele Frauen dringend auf gnädiges Licht angewiesen

Am Kölner Hauptbahnhof angekommen, offenbart sich schnell das ganze Ausmaß des Elends. Schwerstalkoholisierte, die nur noch von ihrem Kostüm zusammengehalten werden. Frauengruppen, unheilvoll daran erinnernd, dass Frettchenweibchen an einer Östrogenvergiftung sterben, wenn sie zu lange nicht begattet wurden. Leg noch ein paar Transvestiten drauf, und das ganze ist vom Wiener Opernball nicht mehr zu unterscheiden.

Dazwischen ich, in meinem beliebten Standardkostüm als arroganter Medienaffe, der nur weg von hier will.
Raus, auf den Bahnhofsvorplatz.

Der Bahnhofsvorplatz. Mittlerweile international bekannt, nachdem sich in der Silvesternacht 2015 am Fuße eines gewaltigen Phallussymbols ganze Legionen unterkoitierter "Nordafrikaner" (Sammelbegriff für Marokkaner, Nigerianer, Libanesen oder Dänen) eingefunden hatten, die Stimmungsminister Jürgen Milskis gesangliche Einladung "deutsche Mädchen sind die besten, das kann jeder gerne testen" etwas zu wörtlich genommen hatten.

Seit dem Ficki Ficki - Flashmob gibt es hier Scheinwerfer, die mit grellem Strahl ein Auge darauf haben, dass sexuelle Belästigung deutsches Brauchtum bleibt. Enttäuschend für viele blonde deutsche Mittfünfzigerinnen, die spontan den Jamaica-Urlaub storniert hatten, um beim hiesigen Frottismusfestival von der allgemeinen sexuellen Energie der "Flüchtlinge" (Sammelbegriff für Syrer, Australier, Türken oder Rumänen) profitieren zu können.

Die Sache mit der Helligkeit. Sowohl viele Frauen hier als auch die Stadt selbst sind dringend auf gnädiges Licht angewiesen.

Gibt es für Sturm keine Obergrenze?

Das Wetter spielt nur bedingt mit. Es stürmt, es regnet. In Mainz, Düsseldorf oder Münster wurden die Umzüge gar abgesagt. Gibt es für Sturm keine Obergrenze? Und kommt der nicht sogar aus dem Ausland zu uns?

Schlimme Zeiten zum kollektiven Loslassen sind das. So manch einer riskiert, beim Stehfick am Stromkasten von einem herabwehenden Ast das halbsteife Penoid zerschmettert zu bekommen. Wer einmal mitansehen musste, wie eine 1, 90 m große Biene eine sedierte Sonnenblume über eine Mauer gelehnt von hinten nimmt, für den ist das mit der Aufklärung gelaufen.

Und dieser Geruch. Die ganze Stadt ist ein Unique Smelling Point. Man muss dem Sturm dankbar sein. Weht er doch den Hautgout aus Alkohol, Urin und Cool Water rüber bis nach Düsseldorf. Wo man Importgeruch streng genommen nicht nötig hat. Man feiert ja selbst.

Frohsinn mit der Stechuhr

Ohnehin ist der Karneval keine rein Kölsche Angelegenheit.
In Köln heißt es Karneval, in Mainz Fastnacht, in München Fasching, in Hamburg oder Berlin "mach die scheiß Musik aus und schmink Dich ab, wir haben Montag, Du Tonto."

Wenngleich auch woanders gefeiert wird, versteht sich Köln als Metropole dieses Brauchs, der im Mittelalter seinen Ursprung hat- was gut zu einer Stadt passt, die das Versagen des lokalen Fußballvereins auf einen Ziegenbock schiebt.

Die "närrische Zeit" beginnt traditionell am 11.11. um 11 Uhr 11. Was in seiner Pünktlichkeit zum deutschen Wesen zu passen scheint. Um 11 Uhr 10 noch eben eine afghanische Familie abgeschoben - zack! - jetzt Frohsinn mit der Stechuhr. Das ist verbeamtete Fröhlichkeit, wie man sie nur noch Sonntag morgens in der ARD findet. Klasse!

Fahrstuhlmusik auf dem Weg ins Eierstockwerk

Den Höhepunkt findet das Ganze in der Zeit des Straßenkarnevals, zwischen dem Altweiberdonnerstag und Aschermittwoch. Der Tag, an dem traditionell der "Nubbel" verbrannt wird (in Teilen Ostdeutschlands auch wahlweise Bücher).

Hier werden Betankungshymnen geschmettert und Genitalshanties gesungen, dass weder Kehle noch Schiesser trocken bleiben. Stars wie de Höhner, Brings oder Willi Herren machen sich hier mit einem Auftrittsmarathon die Taschen voll und singen Bierbegleitendes wie "Dicke Mädchen haben schöne Namen", "Drink doch ene met" oder "Nit alles wat e Loch hät es kapott". Köstlich. Und auch für diejenigen mitsingbar, für die der Mega Park so eine Art Wagner Festspiele ist.

Fahrstuhlmusik auf dem Weg ins Eierstockwerk des weiblichen Gegenübers. Welches derzeit besonders sensibilisert wurde, was die Wirkung auf das andere Geschlecht angeht. Vielerorts sind Funkenmariechen angehalten, dieses Jahr in Jogginghosen zu kommen, um in der allgemeinen Muselmanie beim interessierten Gastpublikum keine Vergewaltigungsanreize zu schaffen.

Erotische Demarkationslinie verläuft plötzlich anders

Auch mehr Anzeigen wegen sexueller Belästigung sind zu verzeichnen. Teilweise deshalb, weil die erotische Demarkationslinie dieses Jahr plötzlich völlig anders verläuft. Da wird ein Türsteher angezeigt, der eine Frau vor die Wahl stellt: "Entweder 25 Euro Eintritt- oder ein 'Bützje'!"- was die Alte doch tatsächlich als sexuelle Nötigung auffasst. In den Jahren davor wäre ein Blowjob noch als besserer Handshake durchgegangen, und jetzt? Das ist nicht mehr mein Karneval. So macht es doch keinen Spaß, Leute.

Gottlob steht das närrische Treiben nicht nur für Alkoholismus und sexuelle Schlussverkaufsstimmung. Gegen diese plumpe Pauschalisierung wehrt sich der Traditionalist mit aller Kraft. Denn da ist ja schließlich noch:

De Zoch! (der Zug)

Wagen, die sich mit ca. 2 km/h durch die Straßen der City schieben. Was exakt dem Tempo entspricht, mit dem man sich auch im Rest des Jahres im KFZ durch diese gänzlich verplante Archtitektursünde quält.

Diese kunstvoll gestalteten Gefährte bestechen durch die unterschiedlichsten Mottos, bannen Zeitgeschehen in Pappmachée und überzeugen nicht selten mit feinen Spitzen gegen die Politik. Meistens steckt eine modellierte Angela Merkel im Hintern von Erdogan oder ähnlich Feinsinniges.

Beim Reichertshausener Umzug legt man noch eine Schippe drauf und lässt ein Panzerimitat mit dem Schriftzug "Ilmtaler Asylabwehr" durch die Straßen rollen. Huiiii, da geht die Post ab. Reichertshausen - wir sind das Fascho in Fasching.

Witze aus dem Pleistozän

Nein, Faschismus kann man dem Kölner nicht vorwerfen. Der Kölner ist freundlich, offen und geradezu schmerzhaft fröhlich. Das belegen diverse Übertragungen von den Prunksitzungen, in denen sich altgediente Versicherungsfachangestellte als Lappenclown gekleidet in Mehrzweckhallen über auf der Bühne dargebotene Witze aus dem Pleistozän amüsieren. Dieselben Menschen übrigens, die sich, auf Mario Barth angesprochen angewidert wegdrehen, ob des humoristischen Verfalls von Loriot-Deutschland.

Währenddessen fliegen draußen Kamelle von den Umzugswagen.
Ja, es wird tatsächlich mit Lebensmitteln geworfen. Primaten sind immerhin so schlau, es bei Kot zu belassen.

Ich sitze derweil im Museum Ludwig, im Cafe´. Hier gibt es einen Jazzbrunch. Etwas, von dem ich glaubte, dass es sowas zuletzt in Opel-Autohäusern Ende der 90er gab. Ein Trio (ich nehme an, es ist das ausgemusterte vom Sport1 Doppelpass) spielt Lounge Jazz, während drei Tische vor mir fünf bierbäuchige Hühnerkostüme um die Sechzig die Trockenheit und Wärme genießen. Aus dem Fenster blicke ich hinab auf dieses gewaltige Feldexperiment, das sich anschickt, herauszufinden, bei welcher Witterung der Pöbel noch Willens ist, sich für billigen Alkohol und Frottismus draußen in die Kälte zu stellen.

Und all das wollen uns diese irren Islamisten kaputt machen? Gegen die, die uns unsere Freiheit nehmen wollen, gilt es, umso vehementer anzuschunkeln.

Zu bützen.

Hier geht es um unsere Art, zu leben!

Strullt es an jede Wand!

Terror hat viele Gesichter.

Dieses ist geschminkt und riecht nach kleinem Feigling.
 

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