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Chabos wissen, wo der Barthel den Most holt

Einer muss es ja machen: Nach dem Ableben von Hellmuth Karasek ist es an Micky Beisenherz, sich um die deutsche Sprache zu kümmern - als Schöngeist im Proletengewand.

Eine Kolumne von Micky Beisenherz

Micky Beisenherz Chabos

Potzblitz, ist es tatsächlich schon 2016? Eiderdaus. Zeit, ein paar Dinge, die man sich auf die Fahnen geschrieben hat, in die Tat umzusetzen. Als Schöngeist im Proletengewand verfolge ich mit zunehmendem Ingrimm den Verfall der deutschen Sprache. Da wissen Chabos, wer der Babo ist, der Prolo zelebriert das Yolo, und selbst der unbescholtene Lauch wird plötzlich zur Manifestation des menschlichen Versagers.

Nein, es wird viel Schindluder getrieben mit dieser schönen Sprache. Intellektuell und grammatikalisch ist der Schmalhans mehr und mehr Küchenmeister. Wenn pubertierende Jugendliche überhaupt irgendetwas blasen, dann meist sprachliche Trübsal.

Selbst vermeintliche Vorbilder wie der Ausrufezeichen-Junkie Til Schweiger vermurmeln das Silbengut zusehends, die ihm im "Tatort" zur Seite gestellte Helene Fischer traut sich erst gar nicht mehr, zu reden. Da, wo Buchstaben nicht mehr gewünscht sind, müssen die modernen Hieroglyphen, Emojis ran. Ein Tränen lachender Smiley kann allerdings nicht die Lösung aller Probleme sein.

Die Kay-Onifizierung der Diktion

Doch was kann man da tun? Dastehen und Maulaffen feil halten, während der Sprachschatz genommen und in den Abort entleert wird? Gar Fersengeld geben?

Mitnichten! Ich sehe mir diesen Schabernack nicht länger an und setze dem Heckmeck ein Ende. Natürlich nicht durch Schelte allein. Emsig mache ich mich daran, meine Muttersprache wie eine lieb gewonnene Habseligkeit zu verteidigen und nicht denen zu überlassen, die in einen Satz mehr SCHs einbauen, als sonst in ganze Enzyklopädien passen. Bange machen gilt nicht! Allein, die Aufgabe ist kein Pappenstiel. Mich graust, mit anzusehen, wenn Analphabattle-Rapper oder grunzende RTL2- Bildschirmschoner verhohnepiepeln, was ich noch in der Schule habe lernen dürfen.

Die Kay-Onifizierung der Diktion. Man wird regelrecht meschugge, mit welcher Virtuosität da geholzt wird. Es wäre fast famos, wär es nicht so traurig. Mitunter beschleicht einen fast das Gefühl, dass diese Sprachpuncher förmlich ausbaldowert haben, wie es noch möglich ist, das Vokabular weiter zu verwhatsäppeln. Minutenlang werden Sätze so gebildet, dass in ihnen weniger Artikel vorkommen, als in einem durchschnittlichen DDR Supermarkt in den Achtzigern. Nicht, dass ich immer wüsste wo der Barthel den Most holt. Nein, nein. Ich kann ein rechter Schwerenöter sein, freilich, und ich bin weiß Gott nicht der Schutzmann des Deutschtums. Und auch kein Erbsenzähler.

Aber wie die Ölgötzen dastehen, während eine ganze Generation von Berserkern durch Subjekte und Prädikate holzt, dabei sämtliche Objekte schändet? Nein! Solche Lümmel möchte ich Mores lehren. Da wird Tacheles zu reden sein. Gibt es doch berückend schöne Begriffe, die es wert sind, entstaubt und aufpoliert zu werden.


Ja, es ist mein Anliegen, ohne viel Federlesens, eine ganze Reihe sprachlicher Preziosen zurück in den alltäglichen Gebrauch zu implantieren. Allein - mir fällt itzo kein Wort ein.
Donnerknispel.
Ein Pech ist das.
Ich Tölpel.

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