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"Wir sind Helden"-Sängerin Judith Holofernes mit neuem Album

Judith Holofernes veröffentlicht ihr zweites Solo-Album. Bei der anstehenden Tour will sie auch "Wir sind Helden"-Songs spielen und schließt einen Neustart der Band nicht aus.

Als Frontfrau der Band "Wir sind Helden" wurde Judith Holofernes bekannt

Als Frontfrau der Band "Wir sind Helden" wurde Judith Holofernes bekannt

Die Band "Wir sind Helden" pausiert seit 2012, Frontfrau Judith Holofernes ist musikalisch dennoch sehr aktiv. Am Freitag veröffentlicht sie ihr zweites Solo-Album "Ich bin das Chaos". Auch Hoffnungen auf einen Neustart ihrer Band schürt die 30-Jährige.

Der Titel des Albums passt für die Musikerin perfekt: "Ich bin von der Anlage her klassische Chaotin, aber habe sehr viel gelernt", sagt sie. "Als Kind habe ich meine Schultasche im Bus vergessen, bin mit einem Schuh aus dem Ferienlager zurückgekommen und habe mir beim Essen mit der Gabel im Gesicht rumgespielt."

Verspielt kommen auch die elf Tracks auf ihrem zweiten Solo-Album daher. Mal unterhaltsam-komisch, mal melancholisch-traurig. Chaotisch halt. "Wir sind alle in unterschiedlicher Ausprägung verliebt ins Chaos. Wir gucken gerne den Batman-Bösewichten dabei zu, wie sie Städte in Anarchie versenken. Auf der anderen Seite verbringen wir große Teile unseres Lebens mit dem Versuch, das Chaos zu beherrschen. Mit teilweise niedlich-inadäquaten Techniken."

Platte mit vielfältige Songs

Aber so chaotisch, wie "Ich bin das Chaos" erscheint, ist es beim genauen Hinhören gar nicht. Ganz im Gegenteil. Es ist ein Chaos mit Struktur. Angeführt vom wohl tragendsten Stück der Platte, "Der letzte Optimist". Eine melancholische Ballade als Album-Opener? Mutig. Aber der Mut zahlt sich aus.

Denn so ist der Effekt umso größer, hört man den zweiten Track, die wunderbare Komposition "Oder an die Freude", die direkt im Ohr bleibt und: Freude macht. Angelehnt an Beethovens Klassiker zählt Holofernes per mahnendem Chor auf, was wir im Leben alles machen, anstatt uns einfach nur der Freude hinzugeben: "Tochter, mach' dein Physikum."

Temporeich geht es weiter, mit der Geschichte von "Charlotte Atlas", die versucht, die Welt auf ihren Schultern zu tragen, und "Analogpunk". Hier tobt sich die Wortakrobatin Holofernes, die 2015 einen Band mit komischer Lyrik veröffentlichte, aus und stellt die digitale der analogen Welt gegenüber: "Ich schreib' ein Blog, du ein Buch. Ich mag Chats, du Besuch. Ich kenn' die Log-Ins, du Kenny Loggins. Ich Plug-Ins, du Bilbo Baggins."

"Wir sind Helden"-Schlagzeuger als Produzent

An der Reihenfolge der Songs hat die Frontfrau von Wir sind Helden wochenlang getüftelt, sieht die Cineastin das Album doch als eine Art Episodenfilm. "Geht die Geschichte gut oder schlecht aus? Lässt man die Leute mit einem niederschmetternden Gefühl zurück?" Nein. Das tut Holofernes nicht. Das gefühlsbetonte und persönliche Album ist von der Grundanmutung in einigen Songs zwar eher grau. Die farbenfrohen Seiten des Lebens überstrahlen aber alles, so wie in den Gute-Laune-Songs "Unverschämtes Glück" oder "Ich bin das Chaos".

Für die zweifache Mutter war die Fertigstellung des Albums eine Familienproduktion. Ihr Mann Sebastian "Pola" Roy, Schlagzeuger bei Wir sind Helden, fungierte erstmals als Produzent. Dass die beiden künftig auch mal wieder bei Wir sind Helden zusammenarbeiten, will Holofernes zumindest nicht ausschließen.

"Wenn wir vier in einem Zimmer sitzen und Kaffee trinken, dann sind wir Wir sind Helden. Wir sind nur nicht aktiv und werden es vielleicht nie wieder sein. Aber wer weiß", sagt Holofernes. Auf ihrer kommenden Tour will sie erstmals wieder ausgewählte, eher unbekannte Helden-Songs spielen. "Also bitte nicht "Denkmal", "Denkmal" rufen. So ist das nicht gemeint."

fri/DPA
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