Mit Reimen wie "Da wurde traumhaft kombiniert, einfach megagenial, die nahmen Schweden auseinander wie ein Ikea-Regal" pimpt Blumentopf die WM-Berichterstattung der altehrwürdigen Anstalt jetzt gehörig auf. Das kommt an. "Die ARD bekommt soviel positives Feedback auf unsere Beiträge, dass sie diese im Sendeplan stets auf bessere Zeiten verlegt", verrät Sebastian. Statt am undankbaren Nachmittag rappen Blumentopf nun direkt nach den Lottozahlen. Vor dem Turnier noch als Geheimtipp gehandelt, kennt heute ein Millionenpublikum den Blumentopf.
Auch ohne Psychologen in der Mannschaft verspüren Blumentopf beim Schreiben ihrer Raps nur positiven Druck. "Es ist doch schön, die ganze Zeit unter Strom zu stehen", sagt Roger. Er hört sich an wie auf einer DFB-Pressekonferenz. Angst, dass ihnen die Ideen ausgehen, haben sie nicht. "Eher gehen einem die Reime aus. Es gibt Strafstoß. Es gibt Elfmeter, aber es fehlt ein weiteres Synonym", sagt Roger. Einen Zettel im Strumpf wie Jens Lehmann haben sie nicht. "Wir bereiten keine Zeilen für das Spiel vor", versichert Cajus. "Durch die Herausforderung macht es erst richtig Spaß", bekräftigt Roger.
Fußball und Hip-Hop das waren lange Zeit zwei verschiedene Paar Schuhe. Noch bis Mitte der 90er dröhnte der Sprechgesang ausschließlich aus Ghettoblastern auf Basketballplätzen und Skate-Parks. Im Mannschaftsheim hörte man dagegen lieber Wolfgang Petry oder Scooter. Heute ist Hip-Hop Volksmusik. Er ist laut, eingängig und spricht Deutsch.
Die Jungs vom Blumentopf werden ob ihrer humoristischen Raps in der Szene gerne als Studenten abgestempelt. "Wir sind schon die Hip-Hop Streber", sagt Cajus, "wenn die ARD einen Beitrag in zwei Stunden auf dem Tisch haben will, bekommen sie ihn von uns in anderthalb!".
Kurz nach 23 Uhr kündigt Monica Lierhaus den aktuellen Beitrag der Gruppe an. "Sie ist jedes Mal von uns begeistert", prophezeit Roger. Er behält Recht. Insgeheim hoffen aber alle auf ein Lob von ganz oben. Die Meinung des Kaisers ist gefragt. "Noch hat Beckenbauer nichts dazu gesagt, aber ich spüre es im Herzen, er liebt es", sagt Cajus. Für den Anfang würde es auch ein Feedback vom Prinzen Lukas Podolski tun. Im Kommentar zum Achtelfinalspiel bauten Blumentopf diesen extra mit einem Zitat in ihre WM-Raps ein. Podolski hört Rap, wenn auch bevorzugt polnischen. "Vielleicht ändert sich das nun", sagt Cajus. Er schmunzelt und nuschelt im Podolski-Deutsch: "Alles ist möglich!"