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28. März 2009, 13:11 Uhr

"Ich habe Sex und Kaffee"

Ray Manzarek, Doors, Jim Morrison, Carsten Heidböhmer

Veröffentlichten vor 40 Jahren ihr erstes Album: die Doors. Von links: John Densmore (Schlagzeug), Robbie Krieger (Gitarre), Ray Manzarek (Keyboard) und Jim Morrison (Gesang)© AP

Immerhin kenne ich zahlreiche Menschen, die auf den Pariser Friedhof Père Lachaise gepilgert sind, wo Jim Morrison begraben liegt.

Sehr gut (lacht). Das habe ich auch gemacht. Auch John Densmore und Robby Krieger waren da. Wir alle lieben Jim Morrison und vermissen ihn sehr.

Zusammen mit den beiden anderen verbliebenen Doors veröffentlichen Sie dieser Tage die sechs Studio-Alben der Doors und eine neue Hit-Compilation. Gibt es noch Menschen auf diesem Planeten, die kein Doors-Album besitzen?

Natürlich! Viel mehr Menschen besitzen Platten von Kiss als von den Doors.

Sind Sie da sicher?

Kiss ist viel größer als die Doors. Viel wichtiger, und viel populärer. Klar, es gibt viele Menschen, die Doors-Alben besitzen. Auch in Deutschland. Deutschland und die Doors - mein Gott! Bertolt Brecht und Kurt Weill. Deutsche Musik und Doors-Musik ist praktisch identisch. Als ich in den 60er Jahren zusammen mit Jim Morrison in L.A. am College studierte, hatten wir einen Kurs bei Joseph von Sternberg, dem großen Regisseur von "Der blaue Engel". Dieser Film - das war deutsche Philosophie von Friedrich Nietzsche mit deutscher Musik. Natürlich Beethoven und deutsches Kino. Das war sehr wichtig für uns.

Wollen Sie damit sagen, dass die Doors von deutscher Kultur beeinflusst waren?

Absolut. Von deutscher Kunst. Und von Bauhaus.

Was ist der Grund für die zeitlose Popularität der Doors?

Gute Musik. Wir waren nicht einfach ein paar Hippies, die herumgenudelt haben. Unsere Songs sind gut komponierte Musikstücke, und sie sind absolut wild und verrückt. Die Doors repräsentieren Freiheit. Wir verlangen vom Hörer, sich über Kirche, Staat, Schule und Familie zu erheben und frei zu werden. Das ist natürlich nicht leicht. Aber die Doors sagen dir: Komm mit uns! Lass all das hinter dir und werde ein freier Mensch auf dem Planeten Erde.

Als die Doors 1967 ihr erstes Album veröffentlichten, waren US-Truppen in einen blutigen Krieg auf einem anderen Kontinent verwickelt. Heute befinden sich die USA in einer ähnlichen Situation - aber junge Menschen rebellieren nicht in dem Maße gegen den Krieg, wie sie es vor 40 Jahren getan haben. Woran liegt das?

Sie nehmen kein LSD.

Sie glauben wirklich, das hilft?

Sie nehmen gar nichts: Keine Pilze, kein LSD - die Leute haben Angst, ihre Pforten der Wahrnehmung zu öffnen. Denn wenn sie das täten, wäre niemand da, der ihnen hilft. Sie wären ganz allein, frei. Dann könnten sie sagen: Stoppt den Krieg. Aber momentan haben sie davor Angst. In Amerika haben wir alle Angst vor George Bush. Aber es ist fast vorbei. Das Blatt wendet sich gerade. Ich freue mich auf die Zukunft, das neue Zeitalter der Liebe.

Wollen Sie damit sagen, dass sich die Ideale der 60er Jahre von Love and Peace im neuen Jahrhundert erfüllen werden?

Ja, es wird um 2012 losgehen. Dann endet ein Zyklus im Maya-Kalenders, der Maya aus Mexico. Der Maya-Kalender bewegt sich in großen Zyklen von 700 Jahren. Viele Menschen befürchten, dass damit das Ende der Welt eintritt. Aber natürlich ist das nicht der Fall. Es wird das Ende des jüdisch-christlich-muslimischen Zeitalters sein. Wir beginnen gerade, die vorherrschende Religiosität hinter uns zu lassen.

Funktioniert die Musik der Doors ohne Drogenkonsum?

Natürlich. Für mich sind allerdings LSD oder Pilze keine Drogen. Man nimmt ein paar Blätter, trocknet und raucht sie. Sind das Drogen? Damit öffnet man die Pforten der Wahrnehmung. Drogen sind für mich Heroin, Kokain und Crystal Meth.

Die Doors wurden in den 90er Jahren durch den Film von Oliver Stone populär. Sie mochten den Film damals nicht. Warum?

Der Film war kein Porträt von Jim Morrison, sondern von Oliver Stone als Rockstar. Der Mann im Film ist nicht der, mit dem ich Musik gemacht habe, er hat keine Selbstkontrolle. Jemand hat mich gefragt: Wie konntet ihr in dem Zustand jemals Musik machen? Im Film sieht man nur betrunkene Wildheit. Jim Morrison war viel intellektueller. Wie nüchterner, viel intelligenter. Am schlimmsten ist: Im ganzen Film lacht niemand. Niemand scheint eine gute Zeit zu haben. Aber das waren die Sixties - wir haben damals sehr viel zusammen gelacht. Wir hatten eine gute Zeit mit den Doors. Der Film verkehrt diese Zeit in ihr Gegenteil.

Von Carsten Heidböhmer
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