. .
Musik-News
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
18. März 2010, 12:03 Uhr

Elbphilharmonie - noch teurer, noch später

So feuerte der Bürgermeister seinen bisherigen Projektsteuerer Hartmut Wegener, der früher mal die umstrittene Airbus-Erweiterung durchgeboxt hatte, und ließ sich vom Parlament 137 Millionen Euro "Nachtrag" für Hochtief bewilligen. Davon waren 107 Millionen belegbare Forderungen, 30 Millionen eine dubiose "Einigungssumme", die man um des lieben Friedens willen in Kauf nahm. Nun kostete der Prestigebau den Steuerzahler bereits 323 Millionen: eine Summe, die anfangs politisch niemals durchsetzbar gewesen wäre.

Die "Kostensicherheit und Terminsicherheit für die Zukunft", die sich der Senat damit laut Mitteilung an die Bürgerschaft erkaufen wollte, gab es auch damit nicht. Im Gegenteil: Hochtief, die Nummer eins der deutschen Baukonzerne, beklagt inzwischen wieder wie schon früher, dass Architekten-Pläne verspätet geliefert würden und exklusive Änderungswünsche enthielten, teils "aus der Champions League der Akustik" - mehr als tausend im letzten Jahr.

"Anwaltskanzlei mit angeschlossener Bauabteilung"

Deshalb bombardiert Hochtief, Spöttern auch als "Anwaltskanzlei mit angeschlossener Bauabteilung" bekannt, die Stadt nun mit "Änderungs- und Behinderungsanzeigen". Dazu kämen über 130 "Schlechtwettertage", an denen man durch den harten Winter in Verzug gekommen sei. Die Verantwortlichkeit für die wachsenden Probleme verliert sich irgendwo im Bermudadreieck von Star-Architekten, die ohne besondere Rücksicht auf die Kosten ein Werk von Weltruhm schaffen wollen, einem Bau-Unternehmen, das als besonders robust bekannt ist, und ReGe-Bediensteten, die im "PPP"-Poker die miesesten Karten gezogen haben.

Während der Rohbau inzwischen die Hafen-City überragt und oben an der Fassade die ersten der 1100 futuristischen Glasscheiben montiert sind - jede so teuer wie ein Mittelklassewagen -, ist in den Niederungen der Politik eine Schlammschlacht ausgebrochen. Die Grün-Alternative Liste, Juniorpartner der CDU im Rathaus, beschimpft Hochtief als "bösartige Heuschrecke". Die oppositionelle SPD spricht von einer "Sauerei" gegenüber dem Steuerzahler. Sie würde am liebsten den "Nachtrag" von 2008 anfechten. Dabei ist das dicke Ende womöglich noch nicht mal erreicht.

Es kann noch teure Überraschungen geben

Das fürchtet jedenfalls ein Bauwissenschaftler, der schon mehrfach als Krisenmanager für Großprojekte gearbeitet hat. "Die Elbphilharmonie ist ein Unikat mit Elementen, die so noch nie hergestellt worden sind", warnt Professor Franz-Josef Schlapka, "da kann man im Vorgriff gar nicht alles abschätzen." Besondere Risiken sieht er bei der gewellten Dachkonstruktion kommen, die Orkane und Schlagregen aushalten muss. Und auch beim Großen Saal, der in dem Gebäude aufgehängt wird, kann es noch teure Überraschungen geben: Der federführende Akustik-Designer Yasuhisa Toyota gilt als besonders anspruchsvoll und kapriziös.

"Die Chaostage auf Kosten der Steuerzahler müssen endlich aufhören", fordert Norbert Hackbusch, Vorsitzender des Kulturausschusses im Parlament. Seine Linkspartei drängt mit den oppositionellen Sozialdemokraten auf einen Untersuchungsausschuss, in dem auch Ole von Beust Rede und Antwort zur jüngsten Entwicklung um das "Bürgermeisterdenkmal" (SPD) stehen soll.

Dann müsste er auch ein besonderes Geheimnis des "PPP"-Projekts erklären: Während sich die öffentlichen Kosten bisher verdreifacht haben und jetzt noch einmal um 40 bis 100 Millionen explodieren dürften, bleiben die privaten Geldgeber von dem Debakel ungeschoren und müssen kaum mehr investieren. Der Preis für Hotel, Gastronomie und Wohnungen, rund 125 Millionen, klettert nur um wenige Prozent.

Von Wolfgang Metzner
1 2
weiter  
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
MK80 (18.03.2010, 18:57 Uhr)
trotz allem
was hier offensichgtlich schief gelaufen ist, würde ich alle die sich hier im forum über baufirmen, behörden planer oder sonstige beteiligte aufregen, bitten sich mal ein wenig zurückzuhalten.
jeder der in der branche tätig ist, weiß das die welt (leider) nicht so einfach ist, wie sie manche hier gerne hätten. ein bauvorhaben wie die elbphilharmmonie vorher auf den cent genau zu kalkulieren ist selbst bei einem planungsvorlauf von mehreren jahren nahzu unmöglich.
das am bau auf grund von änderungen, oder unvorhersehbaren umständen "nachträge" gestellt werden, oder das es "schlechtwetterphasen" ( was sollen die gänsfüßchen, lieber autor, das heißt nunmal so) gibt in denen nicht gearbeitet werden kann. hinzu kommt noch das deutsche vergaberecht, dass ein wirtschaftliches kalkulieren nahezu unmöglich macht, weil es den jeweils billigsten (und nicht den preiswertesten bieter) favorisiert.
um aufträge überhaupt rentabel zu machen, kalkulileren viele firmen nachträge schon vorher mit ein. das ist zwar auch nicht ganz sauber, aber leider tagesgeschäft.
und als planer hat man keinen einfluss auf die auswahl des ausführenden unternehmens.
selbst wenn man weiß, dass es probleme geben wird, man muss mit dem billigsten bieter arbeiten.
Klaus55 (18.03.2010, 17:58 Uhr)
Wen wundert's?
Das ist doch klar! Erst rechnet man mit einem einfachen Vorschlag. Der kostet dann über den Daumen 40 Mio. Und wenn das Projekt dann politisch genehmigt wurde, beginnt man mit der eigentlichen Planung. Dann kommen die Details, man fängt an richtig zu rechnen und die Kosten explodieren auf ein Vielfaches. Hätten alle von Anfang an vernünftig gearbeitet, hätte Herr von Beust das Projekt auch niemals durchbekommen. So macht man halt Politik. Ist doch immer so, oder?
CeeTo (18.03.2010, 17:31 Uhr)
-.-
Die eigentliche Frechheit ist nicht dass die Stadt sich ein solches Projekt leisten will, sondern wie die Baufirma versucht immer mehr Geld rauszuschlagen.
Ich kenne mich im Baurecht nicht aus, aber wie kann es sein, dass es zu Kostensteigerungen kommt die der Auftraggeber zahlen soll. Es muss doch Aufgabe der Baufirma sein, ihre vorherige Kalukulation ordentlich durchzuführen und die Kosten selber zu tragen.
Malt (18.03.2010, 16:01 Uhr)
@Knuffiman
Ja, ist schon pervers, diese Vorgehensweise... aber das prangere ich schon seit Jahren an. Ist doch im Grunde wie mit der Budgetierung: Wenn bei uns am Ende Geld über ist, dann wird da snoch schnell verpulvert weil man ja sonst im nächsten Jahr weniger bekommen würde... statt das Geld in andere Bereiche zu stecken wo's sinnvoll wäre... aber nachdem da Politiker und Beamte drüber zu entscheiden haben wird sich hier bis zum totalen Zusammenbruch nichts ändern! Braucht man sich nicht wundern...
confused (18.03.2010, 15:45 Uhr)
damit die elitäre gesellschaft feiern kann
darf der steuerzahler bluten. ist es nicht z.b. auch Hamburg wo die strassen mehr als marode sind, ist es nicht auch hamburg gewesen diesen winter wo die stadt kein geld für salz streuen hatte ? ich finde es mittlerweile mehr als wie amüsant wie der steuerzahler der dumme normale durchschnittsdeutsche sich von denen die sich politiker und staatsmänner schimpfen an der nase herumführen lässt und sich immer mehr beugt. das ganze was so insgesamt in d-land abgeht ist mehr als filmreif - filmreif für einen guten komedyfilm.... armes land - armes volk - wie tief ist es gesunken.
Knuffiman (18.03.2010, 15:22 Uhr)
Malt
ich glaub es verhält sich so: die öffentliche hand ist immer über den tisch zu ziehen, weil der grundgedanke "ist doch nicht mein geld" immer noch in den köpfen ist. zum 2. steigt ja mit mehr bauvolumen auch die courtage des architekten und die einnahme des bauunternehmers. ergo dessen gibt es bei staatlichen bauvorhaben immer noch mal nachschlag, was in der privatwirtschaft niemals, es sei denn es wird etwas geändert, vorkommen würde. zahlen wird es ja eh der dumme michel. in einigen anderen ländern ist es umgekehrt. bleibt der architekt unter dem budget, bei gleich guter leistung, bekommt er eine provision. gehts darüber hinaus, ist es sein problem.
hier aber nicht möglich, denn es hängen alle am tropf. wissen sie aber sicher......
knilch_59 (18.03.2010, 15:22 Uhr)
Wie beim Angeln
Man muss den Fisch erst ködern:
.
Weil öffentliche Bauprojekte schon häufiger mit ihren Kosten ausuferten, hat man uns die öffentlich-privaten Partnerschaftsmodelle als Lösung empfohlen. Zum Beweis liefen ja auch ein paar Modellprojekte ordentlich.
.
Seit sich die Methode aber etabliert hat, klappt das nicht mehr - Zufall oder Absicht?
.
honi soit, qui mal Y pense!
re-aktor (18.03.2010, 15:21 Uhr)
Sauerei
Keiner der Verantwortlichen wird auch nur Ansatzweise Ärger bekommen für seine Verfehlungen. Deshalb sind wir auch alle gegen sensible Datenbanken mit Bürgerdaten -- der Staat ist einfach zu unfähig um ein solches Sicherheitsrisiko zu handeln (nicht zuletzt Dank T-Systems).

Übrigens stehen in Hamburg bereits 1 Million Quadratmeter Gewerbeflächen frei, Mietpreisbindung wird immer mehr abgeschafft, bezahlbare Wohnungen fehlen oder werden durch "Aufwertungen" ersetzt.

Gentrifizierung, yeaaah!
Kroko (18.03.2010, 15:14 Uhr)
Zu blöde, ein Bauprojekt
zu planen die Einen.
Zu blöde, einen vernünftigen Vertrag auszuarbeiten die Anderen
Alle Verantwortlichen gehören vor Gericht.

Pervers, daß so etwas als "normal" hingestellt wird.

Malt (18.03.2010, 15:09 Uhr)
Ich frage mich..
....bei sowas immer, ob die, die solche Bauverträge abgeschlossen haben, dabei Rotzbesoffen waren. Ich mein, ICH kenn das so, dass man sowas ausschreibt, sich Angebote dafür einholt, dann entscheidet und dann einen Vertrag macht in dem die Details festgehalten werden. Warum vertraglich nicht a) die Auftragssumme und b) die Auftragsdauer festgeschrieben wird bzw. etwaige Verzögerungen nicht zu einer Konventionalstrafe sondern noch zu einem extra Bonus von 40 Millionen Euro führen erschließt sich mir nicht ganz.
MEHR ZUM ARTIKEL
Streit um Elbphilharmonie Der Hochtiefpunkt

Die Elbphilharmonie war einst ein großer Traum der Hamburger. Längst ist sie ein Albtraum - und ein Paradebeispiel für Großprojekte, die der öffentlichen Hand völlig entgleiten. Ein Ende des Dramas ist nicht in Sicht. mehr...

Hamburger Elbphilharmonie Bauprojekt sorgt weiter für Kritik

Im Streit um die Probleme beim Bau der Hamburger Elbphilharmonie hat die Opposition die Informationspolitik des Senats kritisiert. "Wir erleben ein millionenschweres Pokerspiel des Baukonzerns Hochtief - aber auch der Senat hat versucht, die Abgeordneten in die Irre zu führen", sagte SPD-Finanzexperte Peter Tschentscher am Montag. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft