So feuerte der Bürgermeister seinen bisherigen Projektsteuerer Hartmut Wegener, der früher mal die umstrittene Airbus-Erweiterung durchgeboxt hatte, und ließ sich vom Parlament 137 Millionen Euro "Nachtrag" für Hochtief bewilligen. Davon waren 107 Millionen belegbare Forderungen, 30 Millionen eine dubiose "Einigungssumme", die man um des lieben Friedens willen in Kauf nahm. Nun kostete der Prestigebau den Steuerzahler bereits 323 Millionen: eine Summe, die anfangs politisch niemals durchsetzbar gewesen wäre.
Die "Kostensicherheit und Terminsicherheit für die Zukunft", die sich der Senat damit laut Mitteilung an die Bürgerschaft erkaufen wollte, gab es auch damit nicht. Im Gegenteil: Hochtief, die Nummer eins der deutschen Baukonzerne, beklagt inzwischen wieder wie schon früher, dass Architekten-Pläne verspätet geliefert würden und exklusive Änderungswünsche enthielten, teils "aus der Champions League der Akustik" - mehr als tausend im letzten Jahr.
Deshalb bombardiert Hochtief, Spöttern auch als "Anwaltskanzlei mit angeschlossener Bauabteilung" bekannt, die Stadt nun mit "Änderungs- und Behinderungsanzeigen". Dazu kämen über 130 "Schlechtwettertage", an denen man durch den harten Winter in Verzug gekommen sei. Die Verantwortlichkeit für die wachsenden Probleme verliert sich irgendwo im Bermudadreieck von Star-Architekten, die ohne besondere Rücksicht auf die Kosten ein Werk von Weltruhm schaffen wollen, einem Bau-Unternehmen, das als besonders robust bekannt ist, und ReGe-Bediensteten, die im "PPP"-Poker die miesesten Karten gezogen haben.
Während der Rohbau inzwischen die Hafen-City überragt und oben an der Fassade die ersten der 1100 futuristischen Glasscheiben montiert sind - jede so teuer wie ein Mittelklassewagen -, ist in den Niederungen der Politik eine Schlammschlacht ausgebrochen. Die Grün-Alternative Liste, Juniorpartner der CDU im Rathaus, beschimpft Hochtief als "bösartige Heuschrecke". Die oppositionelle SPD spricht von einer "Sauerei" gegenüber dem Steuerzahler. Sie würde am liebsten den "Nachtrag" von 2008 anfechten. Dabei ist das dicke Ende womöglich noch nicht mal erreicht.
Das fürchtet jedenfalls ein Bauwissenschaftler, der schon mehrfach als Krisenmanager für Großprojekte gearbeitet hat. "Die Elbphilharmonie ist ein Unikat mit Elementen, die so noch nie hergestellt worden sind", warnt Professor Franz-Josef Schlapka, "da kann man im Vorgriff gar nicht alles abschätzen." Besondere Risiken sieht er bei der gewellten Dachkonstruktion kommen, die Orkane und Schlagregen aushalten muss. Und auch beim Großen Saal, der in dem Gebäude aufgehängt wird, kann es noch teure Überraschungen geben: Der federführende Akustik-Designer Yasuhisa Toyota gilt als besonders anspruchsvoll und kapriziös.
"Die Chaostage auf Kosten der Steuerzahler müssen endlich aufhören", fordert Norbert Hackbusch, Vorsitzender des Kulturausschusses im Parlament. Seine Linkspartei drängt mit den oppositionellen Sozialdemokraten auf einen Untersuchungsausschuss, in dem auch Ole von Beust Rede und Antwort zur jüngsten Entwicklung um das "Bürgermeisterdenkmal" (SPD) stehen soll.
Dann müsste er auch ein besonderes Geheimnis des "PPP"-Projekts erklären: Während sich die öffentlichen Kosten bisher verdreifacht haben und jetzt noch einmal um 40 bis 100 Millionen explodieren dürften, bleiben die privaten Geldgeber von dem Debakel ungeschoren und müssen kaum mehr investieren. Der Preis für Hotel, Gastronomie und Wohnungen, rund 125 Millionen, klettert nur um wenige Prozent.