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31. Mai 2009, 04:36 Uhr

"Ich bin ein leicht ramponierter Witz"

Schon damals mit den Stooges hatten Sie den Hunde-Hit "I wanna be your dog". Woher diese Obsession?

Houellebecq sagt ganz richtig, dass bei Hunden das Ego so klein ist, dass sie die Fähigkeit haben, zufrieden zu sein. Das ist unser großes Problem. Ich glaube, es war Bruce Chatwin, der in "Traumpfade" diesen französischen Philosophen ausgegraben hat. Der schrieb: Alle menschlichen Probleme würden sich erledigen, wenn wir nur still in einem Zimmer sitzen könnten.

Blaise Pascal.

Still in einem Zimmer sitzen. Das ist alles, was wir machen müssten. Und alles wäre gut. Aber das können wir nicht.

Lange Zeit sah es aus, als würde das Leben Sie langweilen. Schätzen Sie es heute mehr als früher?

Jetzt, wo ich vier Häuser, Grundstücke, einen Swimmingpool, ein heißes Babe, ein paar Sportwagen und Geld im Rücken habe und dazu noch Leute, die mir zuhören, bin ich nicht mehr ganz so gelangweilt.

Wer ist Iggy Pop heute?

Ich hatte gerade Geburtstag. Ich bin jetzt 62. Ich bin ein leicht ramponierter, unvernünftig erfolgreicher Witz über die Gesellschaft. Ein Witz, den ich mir wahrscheinlich selbst ausgedacht habe, der aber noch einen guten Schub durch David Bowie bekommen hat.

Fühlen Sie sich reifer als vor 40 Jahren?

An der Oberfläche schon. Aber man muss nicht allzu sehr kratzen, und man findet denselben schwänzelnden, bösen Hundswurm, der euch alle töten will.

Sind Sie es manchmal leid, Iggy Pop zu sein?

Nun, wenn ich gleich mit Ihnen fertig bin, wird es erst mal keinen Iggy Pop mehr geben. Bis exakt 17.30 Uhr. Dann rufe ich meinen Assistenten an, damit er Iggys E-Mails checkt. Ich verhandele über Iggy per Handy in meinem Whirlpool. Wenn ich aus diesem Whirlpool steige, lege ich mich in die Sonne und denke über all die tollen Dinge nach, die Iggy so treibt. Um 18.15 Uhr lasse ich Iggy fallen. Dann werde ich mir eine wunderbare Flasche Brunello genehmigen. Meine zauberhafte, jüngere Frau wird mir mein Essen zubereiten, und ich werde mit den Hunden spielen. Da wird es keinen großen Kummer über Iggy geben, verstehen Sie?

Wie haben Sie ein Leben voller Extreme überlebt?

Ich denke, ich bin ziemlich robust.

Das ist alles?

Das ist so ziemlich alles. Und manchmal denke ich wie diese religiösen Leute: Vielleicht ist Gott ein Spieler, ein kosmischer Komiker, und er hat entschieden, dass ich mein Schicksal noch nicht wirklich erfüllt habe. Vielleicht bin ich aber auch nur einer dieser Menschen, denen man auf den Kopf hauen kann und die dann einfach wieder aufstehen.

Sie haben einen Sohn. Eric.

Ja.

Wie haben Sie ihn erzogen?

Was meinen Sie damit?

Welche Werte haben Sie ihm vermittelt?

Oh Mann. Okay. Gute Frage. Als er sehr jung war, war ich ziemlich wild. Also habe ich ihm Iggy-Werte vermittelt. Als er ungefähr 20 war, wurde ich anständig. Ich habe versucht, ihm anständige Werte zu vermitteln. Aber ihm waren die Iggy-Werte lieber. Von beiden hat er jeweils ungefähr zehn Jahre abbekommen. In dieser Zeit musste ich durch all das, wo wilde Eltern eben so durchmüssen: Ich habe Eric ein paarmal gegen Kaution aus dem Knast geholt, habe ihn in die Entzugsklinik gesteckt. Heute lebt er in Kalifornien. Und ich habe eine Enkelin.

Wie fühlt es sich an, alt zu werden.

Eigentlich ganz cool. Heute habe ich viel mehr Selbstvertrauen als in meinen Zwanzigern. Obwohl die Leute ja immer sagen, dass ich damals so eingebildet war. Allerdings gibt es da noch etwas, das Houellebecq die Verwaltung des Körpers nennt. Das ganze Fitness-Programm. Mann o Mann! Der Nieren-Check beim Arzt. Oh, Scheiße! Ich versuche, all das auf die unbekümmerte Art zu erledigen. Florida ist ein guter Ort für eine alte Echse wie mich. Wir haben viele Leguane hier.

Der Song "King of the Dogs" von Ihrem neuen Album klingt nach wildem Karneval. Klingt so auch das Leben von Iggy Pop?

Überhaupt nicht. Ich führe ein ruhiges Leben. Außer wenn ich arbeite. In dieser Hinsicht habe ich Glück. Ich brauche keine Partys, um mich zu amüsieren. Ich bekomme das in meiner Arbeit. Das geht tiefer als eine Ecstasy-Pille. Ich bin sehr ruhig. Ich harke meine Arbeit weg. Eigentlich lebe ich wie ein Tier. Ich lebe in der Natur. Ich stehe früh auf. Gehe zu Bett, wenn es dunkel wird. Ich halte mich in der Nähe von Wasser auf. Felsen. Bäume.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 22/2009

Interview: Stephan Maus
Seite 1: "Ich bin ein leicht ramponierter Witz"
Seite 2: Schon damals mit den Stooges hatten Sie den Hunde-Hit "I wanna be your dog". Woher diese Obsession?
 
 
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