. .
Musik-News
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
25. November 2004, 17:06 Uhr

"Bei uns geht's um Fanta 4, nicht Hartz 4"

Knapp zwei Jahre arbeiteten die Musiker an den 14 Songs ihres Albums "VIEL"© Die Fantastischen Vier

HipHop wird überwiegend von einem jungen Publikum gehört. Ist es ein Problem für Sie, den Ton und die Sprache eines 16-Jährigen zu treffen?

Smudo: Das muss ich nicht. Vor zehn Jahren dachte ich noch, ich muss immer Jüngere ansprechen. Weil ich ja selbst immer dachte: Was interessiert es mich, was dieser ältere Musiker da macht? Aber das ist vollkommen illusorisch. Das könnte ich auch gar nicht leisten. Aus meiner heutigen Sicht - und das mögen jetzt 16-Jährige vielleicht nicht so gern hören - ist 16 ein beschissenes Alter. Da kannst du als Texter nur übers Wichsen, Weiber und süße Getränke schreiben.
Michi Beck: Ich mache Musik für mich und meine Freunde, weil ich nur darüber reden kann. Wenn wir eine Platte machen, dann ist das eine Selbsttherapie. Ich kann mich nicht in jemanden in Ostdeutschland hineindenken, der sich seit zehn Jahren zweitklassig vorkommt und jetzt wirklich um seine Existenz bangt wegen Hartz IV. Bei uns geht es um Fanta 4, nicht um Hartz IV. Die Platte könnte auch heißen: "We are from the Mittelstand."

Sie kokettieren. Sie haben mehr als 4,5 Millionen CDs verkauft. Sie haben ausgesorgt.

Michi Beck: Neulich hatten wir ein Treffen mit unserem Anwalt. Der hat uns ausgerechnet, was wir hätten, wenn wir jetzt aufhören würden, Musik zu machen. Das war nicht so viel Geld, dass ich damit den Rest meines Lebens verbringen könnte.
Smudo: Wenn ich in einer Eineinhalbzimmer-Studentenwohnung in der Nähe meiner Eltern wohnen würde, dann würde das Geld vielleicht reichen. Aber das will man ja auch nicht.

Mit "Die Da" waren Sie 1992 die Ersten, die mit einem deutschen HipHop-Song in den Top Ten waren. Wollten Sie schon immer Popstar werden?

Thomas D: Ja! Ganz klar! Ich habe den Entschluss gefasst, als ich die Jungs noch gar nicht kannte. Ich war auf meinem ersten richtigen Konzert hier in Stuttgart, in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle, bei Peter Gabriel. 12.000 Leute. Und dann steht dieser Typ da oben allein auf der Bühne. Der kriegt frisches Wasser. Der hat frische Luft. Den gucken alle an. Da wusste ich: Da will ich hin. Das ist mein Platz. Später, als ich mein Abitur nachmachen wollte, saß ich im Französischunterricht und sollte mich vorstellen. Ich also: Ich bin Thomas Dürr, dem einen oder anderen vielleicht besser bekannt als Thomas D. Ich bin nur so lange hier, bis ich Popstar werde. Da hat die ganze Klasse gelacht.
Smudo: Zu Recht!
Thomas D: Ein Jahr später musste ich gehen, weil ich tatsächlich Popstar geworden war.
Michi Beck: Ich hatte meine erste Band mit 14, zusammen mit meinem Nachbarn Eddi Mutschelknaus...
Alle: Mutschelknaus?!
Thomas D: Also den Namen höre ich jetzt auch zum ersten Mal.
Michi Beck: ... der hieß wirklich so. Alle haben immer gesagt: "Du bist musikalisch." Ich habe das zwar nie so empfunden, habe Keyboard gespielt und wollte einfach immer Musik machen. Das war das Einzige, was mir Spaß gemacht hat.

Wie haben Sie sich kennen gelernt?

And.Y: Smudo und ich haben uns als Erstes kennen gelernt. So mit 15, 16. Und irgendwann hat Michi Beck im Jugendheim Degerloch bei einer HipHop-Party Platten aufgelegt. Überall hingen Plakate, auf denen stand: HipHop-Party II.
Smudo: Wir dachten: Wow! Da müssen wir hin.
Michi Beck: Thomas und Andy waren auf der Party, Smudo konnte nicht, der war mit seinen Eltern bei der Cebit. Und Thomas gab mir, nachdem ich aufgelegt und gerappt hatte...
Thomas D: Moment mal! Du lagst betrunken auf dem Boden und irgendjemand hat dir Bier in den Hals geschüttet.
Michi Beck: ... jedenfalls hat mir Thomas eine Karte gegeben, auf der "Talentstudio" stand. Da dachte ich: Wow! Ein Talentscout! Doch als ich da angerufen habe, stellte sich heraus: Das war der Friseursalon, in dem Thomas gearbeitet hat.
Smudo: Das wusste ich ja gar nicht. Du dachtest wirklich, Thomas ist ein Künstleragent?
Michi Beck: Ja! Ich dachte, der hat es schon geschafft. Der hat ein Tonstudio.

Ab wann ging es richtig los?

Thomas D: Als wir den Plattenvertrag hatten. Ich bin rumgelaufen und habe gesagt: "Wir haben's geschafft! Ich sehe meinen Namen in Leuchtbuchstaben! Überall, an jedem Haus: Thomas D!" Dann kam "Die Da", wir waren auf Platz zwei in den Charts. Das war der Moment, in dem ich zum ersten Mal wusste, was eine Depression ist.

Warum?

Thomas D: Weil alles an "Die Da" aufgehängt war. Wir waren für die Leute nicht die Band mit den tollen Texten wie etwa "Es wird Regen geben", wir waren die lustigen, bunten Jungs. Das ging mir total gegen den Strich. Ich dachte damals: Wir sind nicht diese Typen, die ihr da gerade durch die Medien scheucht. Ich bin also nicht einfach morgens wach geworden und war Popstar. Ich war immer noch der gleiche kleine Pups wie gestern.

 
 
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft