
Diane Weigmann hat ihre eigene Identität gefunden© Dietmar Theis
Ohne Rücksicht auf Verluste: nein. Sein Ding durchziehen bis zu dem Punkt, zu dem dich dein innerer Motor treibt: ja.
Klar. Du bist in einem Gewissenskonflikt, und jemand rät dir: Mach dieses. Dein Bauchgefühl sagt dir: Mach jenes. Wie geht man mit so etwas um? Da gibt es einen ganz einfachen Trick: eine Nacht drüber schlafen und im Zweifelsfall deine besten Freunde fragen.
Dann gibt es immer noch einen Weg, so viel Kommunikation in diese Angelegenheit zu bringen, dass die Leiche, über die man geht, sich nicht wie eine Leiche fühlt. Wenn es zum Beispiel sein muss, dass man sich von Menschen trennt, mit denen man gearbeitet hat. Dann ist das etwas, was sich meistens über einen längeren Zeitraum hinaus vorfühlen lässt. Je eher man anfängt, über solche Gefühle zu reden, umso leichter kommen Probleme gar nicht erst auf. Oder es wird umso klarer, dass eine Trennung notwendig ist.
Weigmann: Auf jeden Fall. Nur, wer kommuniziert, kann verstanden werden. Und nur, wer verstanden wird, kann auf Augenhöhe respektiert werden, wenn er im Zweifelsfall mal eine Kritik austeilen oder eine Führungsposition einnehmen muss. Es macht keinen Spaß, Boss zu sein. Aber es gibt Mittel und Wege, die es einem ermöglichen, auch mal derjenige zu sein, der etwas bestimmen muss – ohne andere dabei unter sich zu stellen.
Das ist eine echt spannende Frage. Zum Beispiel: Du bist gerade in einer Phase deines Lebens, und du hast das Gefühl, es könnte mal wieder einen Schritt weitergehen. Das kennen wir alle, jeder hat irgendwann solche Visionen, heimliche Wünsche oder Sehnsüchte. Ich frage mich ganz oft: Ist das etwas Gutes, oder ist das etwas Schlechtes? Ist das was Gutes, weil es quasi der Motor ist, der uns am Laufen hält und uns dazu bringt, gut durch unser Leben zu gehen? Oder ist das etwas, das uns vom Wesentlichen abhält, weil wir verlernen, zufrieden zu sein? Da bin ich noch nicht so richtig dahintergekommen.
Genau! Auf der anderen Seite glaube ich, dass es eh nicht um die Befriedigung von Wünschen geht. Es geht um die Vorstellung davon, wie die Befriedigung von Wünschen sich anfühlen wird. Das ist es, was wir genießen. Es geht weniger um das Auspacken der Geschenke als um die Vorfreude auf den Inhalt.
Doch, auf gewisse Weise schon. Je älter man wird, desto mehr fängt man an, gnädig und milde mit sich selbst zu sein. Das ist der Punkt, wo’s interessant wird. Wenn du Sachen akzeptieren kannst, die dich an dir selbst stören, dann schaffst du das bei anderen Menschen auch. Und wer es grundsätzlich schafft, auf Eigenarten von Menschen nicht genervt zu reagieren, der schafft es auch ziemlich gut, das eigene Leben sortiert und vor allem glücklich zu leben.
Ja, sehr sogar. In diesen schickeren Ausgehbezirken in Berlin gibt es zum Beispiel Menschen, die haben ein Hosenbein hochgekrempelt und das andere nicht. Wenn ich sehen könnte, dass die vom Fahrrad kommen, dann würde es mir wahrscheinlich nicht mal auffallen. Aber du siehst, mit wie viel Liebe zum Detail in jeder Stofffalte eine unterschwellige Botschaft versteckt ist. Und diese unterschwelligen Botschaften, die machen mich fertig. Ich kriege das Gefühl: Entweder ich selbst habe keine Botschaft. Oder meine Botschaft lautet: Ich kümmere mich nicht um mich und sehe ungepflegt aus.
Es gibt wahnsinnig viele Leute, die haben wirklich große Ziele. Und machen dann das, was ich gerne als "das Pferd von vorne aufzäumen" bezeichne. Sie stehen quasi schon auf der Trabrennbahn, ohne dass das Pferd auch nur ein Hufeisen unter den Füßen hat. Es ist schön, in der Vision Schritt drei zu haben. Aber zu Schritt drei müssen Schritt zwei und Schritt eins gehören. Und die musst du gehen, bevor du zu Schritt drei kommen kannst.
Genau. Oder besser: zielgerichteter Optimismus. Es nützt nichts zu denken: Hier bin ich, Welt, liege mir zu Füßen! Jeder muss immer wieder kleine Misserfolge und Enttäuschungen einstecken. Ich habe herausgefunden, dass die Umwege, die man auf dem Weg zum Ziel oft gehen muss, wichtig sind. Um im Endeffekt da anzukommen, wo man sich hingesehnt hat.