Er ist bekannt als Musiker, Filmschauspieler und als kauziger "Tatort"-Pathologen. Im stern.de-Interview spricht Jan Josef Liefers über den Soundtrack seiner Kindheit und die letzten Tage der DDR.
Wer das mag - meinetwegen. Ich mag es nicht. Mir gefallen alte Füllfederhalter und mechanische Uhren. Aber nicht dieses "Ach wie schön mal, die alte DDR-Cola. Und hier mein schönes FDJ-Hemd!" - das ist nicht wirklich meine Sache.
Ich würde mir den Schuh nicht anziehen. Ich habe keine wehmütigen Gefühle, wenn ich an die DDR denke. Ich war kein Fan dieses Staates und weine ihm keine Träne nach. Klar ist aber auch - ich wäre nicht der, der ich heute bin, wenn ich - sagen wir - in Hamburg aufgewachsen wäre. Der Untergang der DDR kam zu einem Zeitpunkt, der für mich gerade richtig war. Ich war noch jung genug, um keine Angst vor einem Neustart zu haben und ich war trotzdem alt genug, um zu reflektieren, was da eigentlich geschehen war. In meinem Leben kam der Mauerfall goldrichtig.
Irgendeinen Namen braucht eine Band nun mal. Das Wort bedeutet "Vergessenheit", ich denke dabei an Selbstvergessenheit. Ein glücklicher Zustand, den Musik auslösen kann, wenn man sich ihr überlässt. Ich habe das immer sehr geliebt.
Selbstverständlich. Das sind ja keine müden Leihmucker sondern begeisterte Musiker. Wir tauschen uns aus, haben das alles zusammen erarbeitet. Das sind alles schlaue Jungs, die haben Spaß an den Texten und an der Beschäftigung mit dieser Musik gehabt. Die guten Ostrock-Songs haben durch die Zwänge der DDR-Zensur eine ganz eigene Poetik entwickelt. Eine Bildsprache, die manchmal über die Zeit hinaus wirkt.
Ich merke zunehmend, dass es die eine DDR gar nicht gab. So gleichgeschaltet war das letztlich überhaupt nicht. Ich habe "Der Turm" von Uwe Tellkamp gelesen. Ein Dresdner wie ich. Selbe Stadt, ähnliches Alter, aber eine völlig andere Geschichte. Eigentlich gab es die DDR dreimal: Die, in der man jeden Tag lebte; dann eine, die in der Zeitung stand; und schließlich eine dritte, die so war, wie man sie sich vielleicht gewünscht hätte.
Ich muss mal in den Kalender schauen. Ich habe zu arbeiten! Es gab jede Menge Einladungen zu irgendwelchen Veranstaltungen, aber ich habe es nicht so mit Jahrestagen. Das ist ja auch ein gutes Zeichen, wenn dieses Datum immer alltäglicher wird.