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4. September 2008, 12:03 Uhr

Warum Rapper Schwule erniedrigen

Der deutsche Rapstar Sido© Sascha Schuermann/DDP

In der Heimat des Rap, den Schwarzen-Ghettos der USA, war die Musik immer auch stark von der Kirche beeinflusst. Für Teile der christlichen Religion gilt Homosexualität bis heute als Sünde. HipHop und Rap als stärkste Stimme der schwarzen Kultur hätten diesen Glauben angenommen und weitergegeben, schreibt Dean. Auch die Geschichte der Sklaverei hat Einfluss genommen: Homosexualität gilt vielen als Instrument der "weißen Unterwerfung", als Werkzeug des Rassismus, denn männliche Sklaven wurden mit Vergewaltigung erniedrigt. Diese Erklärung wird unter anderem auch als Grund für die jamaikanische "Mördermusik" angeführt - den zum Teil extrem homophoben Dancehall eines Beenie Man oder Bounty Killer. Und schließlich findet sich auch noch ein eher praktischer Grund: Ihr Lebensstil führe Rap-Musiker immer wieder ins Gefängnis. Wenn dort nicht von vornherein klar sei, dass es sich um einen ganz harten Kerl handelt, bestehe die Gefahr des Missbrauchs, meint ein amerikanischer Konzertmanager. Homophobie als Präventivmaßnahme? Hetero von Berufs wegen Auf jeden Fall funktioniert Homophobie als Abwehr der ultimativen Bedrohung für die Männlichkeit. "Je mehr hetero jemand ist, desto mehr wird er akzeptiert", schreibt Dean. Heterosexualität ist also eine Berufsanforderung für Rapper. Und die würden einige sogar trainieren, behauptet der Autor. Wer hat eigentlich gesagt, dass Rap eine progressive Jugendkultur sei?

Die traurige Wahrheit ist, dass es unter anderem wegen der Popularität dieser Musikrichtung heute für junge Schwule in Deutschland schwieriger geworden ist, ein angstfreies Coming Out zu haben, wie die "taz" jüngst feststellte. "Dieser Hass hat großen Einfluss auf die Jugendkultur", bestätigt die Sprecherin des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland. Die schlechte Nachricht ist, dass es rein gar nichts bringt, die Künstler und ihre Musik verbieten zu wollen, so wie es Politik und Interessenverbände immer wieder fordern. Eminem wusste bereits vor acht Jahren: "Je mehr ich angegriffen werde, desto mehr Alben verkaufe ich." Der Warnaufkleber auf CDs gilt als Adelsschlag. Denn wie Sido 2003 schon bemerkte: "Als Jugendlicher hast du keinen Bock auf positive Vorbilder".

Ein Interview mit dem Rapper Bushido finden Sie im neuen stern. Vorwürfen, er sei sexistisch und homophob, begegnet der Rapper mit dem lapidaren Hinweis: "Gehen Sie mal auf einen x-beliebigen Schulhof in Berlin. Da sprechen die Kids so."

Die gute Nachricht: Die große Aggressivität des Pöbelpersonals spricht dafür, dass die Gesellschaft ein gutes Stück weiter gekommen ist. Die Hassraps wären demnach das verzweifelte Aufbäumen der Zurückgebliebenen, die fürchten, von der liberalen Gesellschaft überholt zu werden. Angstbeißen als Reaktion auf die zunehmende Gleichstellung von Homosexuellen, den Wandel des klassischen Rollenbildes und dessen Femininisierung. Also Hände in den Schoß legen und aufs Ende der populären wie gefährlichen Dummheit hoffen? Wenn auch keine Selbstkorrektur, so ist doch eine auch von langsam einbrechenden Zahlen im Rap-Geschäft befeuerte Besserung in Sicht: Die Hoffnungsträger kommen wieder aus Amerika, nennen sich HomoHopper und bedienen sich des guten alten wie auch schwulen Popwerkzeugs Travestie: Ihr bekanntester Vertreter ist Deadlee. Er sieht zwar aus, als sei er der beste Kumpel von 50 Cent, doch steht dieser tätowierte Fleischberg offen zu seiner Homosexualität. Die Helden seiner Songs sind schwul. Er dreht die Bedeutung des Wortes ins Positive um. Richtig, genauso wie die Ur-Rapper N.W.A. das einst mit "nigga" gemacht haben, um dessen rassistische Bedeutung ad absurdum zu führen. Seitdem ist es in fast jedem Rap-Text zu hören. Demzufolge wäre ein Erfolg des HomoRap nur logisch. Und dann ist die "schwule" plötzlich auch die "coolste Sau" auf dem Schulhof.

Mitarbeit: Christian Weiß

Von Sophie Albers und Johannes Gernert
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KOMMENTARE (10 von 23)
 
Avus (05.09.2008, 20:36 Uhr)
Ekel
Solche Typen merken nichts mehr. Mich ekelt Bushido.
laui (05.09.2008, 15:31 Uhr)
Vergleich Rock´n´Roll, Hippi, Hardrock
Der Vergleich zur damaligen Einstellung der Älteren zu Rock´n´Roll, Hippie-Musik und Hardrock ist gut.
Aber sind aus den damaligen Anhängern der jeweiligen Stilen wirklich immer Soziale Mitbürger geworden?
Heuschrecken Manger, Ein-Euro-Befürworter, HüftgelenkeFürAlte-Ablehner sind genau die Generationen, welche damals Hüftschwung, Peace oder Headbanging fröhnten. In vielem hat das heutige Mittelalter eine ähnliche Denke, wie der damals verpöhnten Muff von 1000 Jahren.
Die Reaktion der Politik und der "ehrbaren" Gesellschaft ist übrigens ebenfalls Ähnlich. Man verweist auf Neonazis, Kommunisten und Religiöse Fundamentalisten.
Zucker_Hut (05.09.2008, 11:59 Uhr)
Homophofie gegen eingene Homogefühle
Es ist bewusst, dass vor allem im Kreisen wo man nur durch Ehe an Frauen und Sex rankommt (Ihr wisst schon welche Kreise ich meine) die ersten sexuellen Erfahrungen machen die Jungs unter sich miteinander selbst....
Ramunu (05.09.2008, 11:28 Uhr)
Kritiker sind Spiesser?
Jugendkultur - siehe Rock'n'Roll - wird meistens von der aelteren Generation beargwoehnt. Aber die Kritik an homophobem Gangster Rap gruendet nicht auf solchem Spiessertum. Gangster Rap ist Hassmusik, Rock'n'Roll ist es nicht - das ist doch der springende Punkt. Im Grunde genommen und in logischer Konsequenz sind diese Sorte Rapper keinen Deut besser als antisemitische Rechtsrocker, deren Texte ja ebenfalls aus gutem Grund indiziert sind.
Ueberdies ist die Unterstellung, dass die groessten Homohasser ja alle selbst schwul seien, sehr suspekt. Diese subtile Diffamierung ("die Opfer sind doch selbst die Taeter") wird immer wieder gern ins Feld gefuehrt, das ist nicht erst seit heute so. Roehm-Putsch, anyone?
Zucker_Hut (05.09.2008, 11:20 Uhr)
Möchtegern-Gängster
mich würde interessieren wie viele Kilos all diese Möchtegern-Gängster in die Hosen machen würde, wenn sie einmal vor einem richtigen NewYorker oder Rio-Gängster stehen würden. Diese gelangweilten jugendlichen bei uns sind soo lächerlich!
Vincent_Vega (05.09.2008, 09:45 Uhr)
Die Jugend macht es eh immer falsch
in den 1950ern war die Rock´n Roll-Musik bös - ganz besonders der seixe Hüftschwung, dann die Hippie-Musik mit ihren Drogen, Hard Rock war es des Teufels, Heavy Metal noch viel mehr...in den 80ern sahen alle schwul aus, sogar die M;öchtegern-Machos und die heutigen Möchtegern-Machos hauen auf die Schwulen drauf....
Fazit: die Jugend macht es eh immer falsch und die Alten stehen kopfschüttelnd daneben und peilen nix.
__________________
Besonders geil finde ich den Absatz:
"Womit wir bei den Gründen für den genreüblichen Homosexuellen-Hass wären und der gängigen Vermutung, dass aggressive Homophobie ein Indiz für die eigene unterdrückte Homosexualität ist. 1996 erschien die Studie einer Forschergruppe an der US-Universität von Georgia, laut der acht von zehn der getesteten aggressiv-homophoben Männer durchaus homosexuelle Gefühle haben."
Wird sich nur niemand trauen, den Rappern das ins Gesicht zu sagen.
netter_fahrer (05.09.2008, 09:37 Uhr)
Keinesfalls nur Unterschicht-Konsumenten
Ich arbeite beruflich mit Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren und erlebe, wie die "Tyrannei des Coolseinmüssens" alle aus allen Schichten geradezu zwingt, sich Pöbelrapper wie Sido & Konsorten anzuhören, wollen sie nicht krasse Aussenseiter sein. Wir haben uns inzwischen entschlossen, das Anhören der verbalen Flatulenzen jener armseligen, aber brandgefährlichen Möchtegern-Musiker in unserem Jugendhaus zu untersagen. Es ist schwer zu kontrollieren, aber die dadurch entstehenden Diskussionen mit den Besuchern sind sehr aufschlußreich: sie reichen von "ist doch ganz harmlos" bis "...wurde auch Zeit!" Auf alle Fälle ist der (verbale) Umgang der Jugendlichen untereinander seither deutlich friedlicher geworden!
botoxia (05.09.2008, 09:15 Uhr)
Alles Versager
Wer es nötig findet, andere zu erniedrigen, der steht selbst ganz unten. Rapper, wir schauen auf euch herab.
laui (05.09.2008, 08:50 Uhr)
Wir haben ein Problem ..
... mit Schwulen,
Behinderten und
Sex bei (sehr) alten Menschen (siehe aktueller Kinofilm.
Trotz zur Schau gestellter Liberalität und Weltoffenheit haben wir uns kaum weiterentwickelt seit Adenauers Zeiten. Daran ändert leider auch ein Rollifahrer wie Schäuble nichts, genausowenig wie Wowereit, Beust und Westerwelle.
Die öffentliche Diskussion über "Wolke 9" sagt bereits fast alles.
Und die Aussagen die man als Behinderter oft hören muss, sind oft auch nicht druckreif.
Schade, Deutschland !
Thumb59 (05.09.2008, 08:15 Uhr)
na wo bin ich den hier
Über einen Umweg kam ich auf diese Seite. Rap als Musik der ungebildeten Schicht, das war am Anfang beim Rockmusik auch nicht anders. Was mir aber gefährlich rüber kommt ist die populistische Art des Rap. Es scheint das hier Vergötterung von irgend etwas stattfindet, die sehr grenzwertig sind. Homophobie: Ganz klar der Mann hat ein Problem und Angst vor sich selbst zu erkennen, dass er vielleicht doch nicht auf der Heterolinie steht. Naja wie dem auch sei. Rap ist ein Aufbegehren von Jugend, die sich gelangweilt fühlt und abgrenzen will von ihren toleranten Eltern. Das Phenomen ist nur gefährlich, weil es in religiösen Kreisen wie ein Parole gegen alles Nichtkonforme ist. Das ganze wird dann sehr radikal auf offener Strasse ausgetragen. .. und eines Tages erstickt der Rap eh an den 5 Kilo Gold, die er um den Hals trägt.
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