Die einzigartigen Melodien waren das Resultat einer Partnerschaft, die vor 36 Jahren begann. Es geschah auf einer Party in Linköping: Björn Ulvaeus, musikalischer Kopf der Skiffle-Band Hootenanny Singers, trank Bier mit Benny Andersson, Keyboarder der Hep Stars, einer Art schwedischer Beatles. »Wir mussten uns einfach treffen«, sagt Björn heute, »wir waren wesensverwandt.« Benny hatte 1966 für die Hep Stars seinen ersten Hit geschrieben. »Vorher wusste ich nicht, ob ich Taxifahrer, Tischler oder sonst was werden sollte.« Statt Taxi zu fahren, traf sich Andersson immer häufiger mit Ulvaeus, und beide planten eine gemeinsame Karriere als »Björn & Benny«. Dann führte sie das Schicksal zu Agnetha und Frida.
Agnetha Fältskog, dieser blonde Traum aus gutem Hause und gefeierte Solostar, stand Ende der 60er regelmäßig an der Spitze der schwedischen Charts. Björn traf sie im Mai 1968 bei einem Konzert in Smaland. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ähnlich wie bei Benny und Frida, die sich im März 1969 auf einer Party begegneten.
Anni-Frid »Frida« Lyngstad hatte es immer viel schwerer als Agnetha gehabt: 1945 im Norden Norwegens als uneheliche Tochter der damals 19-jährigen Synni Lyngstad und des deutschen Soldaten Alfred Haase geboren, war Frida das Baby einer Ausgestoßenen. Haase hatte Synni noch vor Fridas Geburt verlassen, angeblich ohne zu wissen, dass er Vater werden würde.
Als ruchbar wurde, dass Frida Kind eines »Nazi-Deutschen« war, musste Fridas Mutter ihr Dorf verlassen. Einsam und innerlich gebrochen starb Synni zwei Jahre später mit 21 Jahren. Frida wuchs bei ihrer Großmutter in Schweden auf. Erst 1977 erfuhr sie durch eine findige »Bravo«-Leserin, wo ihr Vater - noch heute - lebt: in Karlsruhe.
Auch Frida hatte sich vor Abba als Sängerin versucht, jedoch längst nicht den Erfolg von Agnetha gehabt. Hätte sie Benny Andersson nicht kennen gelernt, sie hätte wohl aufgegeben und eine Ausbildung zur Kostümbildnerin begonnen.
Im August 1969 verloben sich Benny und Frida, acht Monate später dann auch Agnetha und Björn. Unter dem Namen »Festfolk« erleben sie 1970 erste gemeinsame Auftritte, die kabarettähnliche Züge tragen.
Als Björn und Agnetha am 7. Juli 1971 heiraten, spielt Benny den Hochzeitsmarsch. 1972 folgt der erste gemeinsame Song »People Need Love«, veröffentlicht unter dem Namen »Björn & Benny, Agnetha & Anni-Frid«. Ein Jahr später nehmen sie unter diesem Namen an der schwedischen Ausscheidung zum »Grand Prix Eurovision de la Chanson« teil. Die erzkonservative Jury setzt »Ring Ring« nur auf den dritten Platz. Das Publikum ist darüber so aufgebracht, dass das Gremium im darauf folgenden Jahr durch ein Zuschauervotum ersetzt wird. Und damit ist der Weg zur Weltkarriere frei.
Brighton, 6. April 1974, Grand Prix, Finale. Manager Stig Anderson, ein ehemaliger Grundschullehrer, hat den Auftritt mit »Waterloo« wie einen Feldzug geplant. Alles sollte anders sein: Die Gruppe hat endlich einen einprägsamen Namen, zusammengesetzt aus den Initialen der vier Vornamen. Abba spielt Rock, Abba hat zwei gleichberechtigte Sängerinnen, Abba trägt diese unglaublichen Kostüme: Björn steht auf Plateausohlen und spielt auf einer sternenförmigen Gitarre. Agnethas hellblaue Satinhose ist so eng, dass sich die Blonde während des ganzen anstrengenden Abends kein einziges Mal hinsetzen kann.
»Waterloo« siegt und erobert Europa im Sturm. Trotzdem halten Musikkritiker und Plattenbosse Abba für eine typische Eintagsfliege. Erst »S.O.S.« führt die Gruppe 18 Monate nach »Waterloo« zurück zum Erfolg. Und mit »S.O.S.« hatten Björn und Benny den Schlüssel für eine märchenhafte Karriere gefunden: ihren eigenen Sound.