
BalconyTV hätte fast den Oscar des Internet bekommen© Screenshot BalconyTV
Jeden Tag gibt es bei "BalconyTV" einen neuen Clip. Nach nicht mal zwei Jahren sind es insgesamt schon über 1000, die täglich bis zu 8000 Klicks zählen. Obwohl sich offiziell auch "Puppenspieler, Komiker und Flohdompteure" bewerben dürfen, sind die meisten Balkongäste dann doch Musiker. Neben vielen lokalen Künstlern waren in Hamburg auch schon Größen wie die Brit-Popper von "Ash" zu Besuch. Im September feiert "BalconyTV" sein Einjähriges und will sich jetzt vermehrt an namenhaftere Musiker heranwagen. Kleine Acts sollen aber weiter im Fokus stehen: "Wir wollen ja Aufmerksamkeit gerade für die bieten, die sie noch nicht haben. Denen hilft es aber natürlich, wenn wir mal Fettes Brot oder so bei uns hätten", sagt Johanna Leuschen, die "BalconyTV" importiert hat. Die meisten Kontakte werden über MySpace geknüpft - also auch hier ein Herz für Plattenvertrag-lose mit Potenzial.
Solche Nischen bietet das Internet wahrlich genügend. Doch auch wer lieber Mainstream-Musik à la Rihanna oder Ich+Ich hört, wird im Web fündig. Spätestens seit immer mehr Musiker ihren verstaubten Plattenfirmen den Rücken zukehren wie etwa Popgöttin Madonna letztes Jahr, suchen auch die Major-Labels ihren individuellen Weg ins Internet.
Sony BMG bietet zum Beispiel in der Musicbox sein gesamtes Repertoire zum Reinhören, Anschauen und Runterladen an. Da findet sich neben Klassikern von Johnny Cash bis Marianne Rosenberg auch alles, was das "Deutschland sucht den Superstar"-Casting je hervorgebracht hat. Mitstreiter Universal Music geht sogar noch einen Schritt weiter. Das Unternehmen startete im April einen eigenen Web TV-Sender. Urban.TV ist dem Titel entsprechend eher in der urbanen Ecke anzusiedeln und spielt ununterbrochen HipHop, R'n'B und Soul von Universal-Stars wie Kanye West und Mary J. Blige. Von "BUNCH.TV" bis "Musicbox": im Internet findet jeder sein Pläsierchen. MTV spielt vornehmlich zwischen Mitternacht und dem frühen Vormittag noch Musikvideos. Da klingt ein ausgedehnter Schlaf doch wesentlich verlockender, als für eine kleine Dosis Musik die Nächte vor der Glotze zu fristen. Dem World Wide Web sei's gedankt.