
Die 33-jährige österreichische Germanistin Michaela Moritz hat die Familiengeschichte zusammen mit Udo Jürgens geschrieben© Alfred Steffen
Ich habe viel zu lange kämpfen müssen, um zynisch zu sein. Ich habe auch festgestellt, dass Zynismus mit Dummheit zu tun hat. Vielleicht bin ich gerade noch intelligent genug, um nicht arrogant und zynisch zu sein.
Für Künstler sind schattenlos glückliche Jahre verlorene Jahre, weil Glück allein nicht produktiv macht. Der hühnerbrüstige, unbrauchbare Jürgilein mit den Segelohren wollte aller Welt zeigen, dass er doch zu was taugt. Deshalb fing ich mit zwölf an zu komponieren. Die Welt der Töne wurde mein Anker, und der Bühnenvorhang schien mir das Tor zu einer besseren Welt zu sein. Indem ich meine Gefühle in Töne fasste, wollte ich endlich von der Welt verstanden werden. Keiner vermag den Erfolg so zu genießen wie der, der einst ausgelacht wurde.
Ein Mensch, der komplexfrei ist, muss größenwahnsinnig werden. Ich habe heute noch etliche Minderwertigkeitskomplexe, die mich auf den Boden runterholen und mir eine gewisse Normalität geben. In meinem Alter muss man auch dazu stehen, dass du Nächte hast, in denen beim Nicht-einschlafen-Können die grauen Vögel um deinen Kopf kreisen. Du fragst dich dann: "Wie viel Zeit bleibt dir noch?"
Ich bin in meinen Träumen Tausende Male zu atonaler Musik erschossen worden und habe littfaßgroße Walzen gesehen, die sich immer schneller drehten. Als Kind hatte ich jede Nacht Schreikrämpfe. Erst seit ein paar Jahren kann ich ohne Hilfsmittel einschlafen.
Dieses Wegradieren von seelischen Zuständen durch Psychoanalytiker halte ich für fragwürdig. Vielleicht hat es ja einen Sinn, dass ich die Dinge so verarbeite. Ich will gar nicht leidensfrei sein. Ich brauche das Pendel von Euphorie und Depression, denn Vernunft ist das Ende der Kreativität. Letztlich bin ich so, wie ich bin, das geworden, was ich bin.
Musiker brauchen nun mal eine gesteigerte Sinnlichkeit. Deshalb sind sie bedürftiger und leichter verführbar.
Ich möchte überhaupt nicht abstreiten, dass früher Frauen für mich manchmal ein Therapeutikum waren gegen eine drohende seelische Haltlosigkeit. Auch wenn man sich dann aus den Augen verloren hat: Diese Frauen haben mir eine Nähe geschenkt, die für mich in der jeweiligen Situation von existenzieller Bedeutung war. Es klingt vielleicht schmalzig, aber dafür empfinde ich bis zum heutigen Tag große Dankbarkeit.
Vollkommen ungerecht. Für einen selber ist der Seitensprung nach dem Duschen überstanden. Aber wenn der andere es tut, reißt es einem das Herz raus. Eifersucht verletzt uns dort, wo wir am empfindlichsten sind: beim Selbstvertrauen und in unserer Sexualität. Am schlimmsten schmerzt die bildliche Vorstellung, wie es stattgefunden hat.